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Warum schützen türkische Behörden den schwangeren Delfin "Daisy" in Marmaris nicht?

Foto: ProWal – Delfin im Delfinarium Marmaris/TürkeiTürkei – Radolfzell – Nach Aussagen der deutschen Delfin- und Walschutzorganisationen Projekt Walschutzaktionen (ProWal) und des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) ist in dem Meeres-Pool-Delfinarium „Onmega“ in Marmaris die Delfindame „Daisy“ schwanger und tummelt sich dort noch mit vier anderen gefangenen Delfinen. Der Betreiber des Delfinariums, Axel Linke, bestätigte inzwischen die Schwangerschaft der Delfindame. Bisher hat allerdings noch kein Delfin-Baby in der Türkei überlebt.

Andreas Morlok, Geschäftsführer von ProWal: „Da Delfine nur wenige Jungtiere in ihrem Leben zur Welt bringen, beantragten wir bei den zuständigen Behörden, dem schwangeren Delfin den bestmöglichen Schutz zukommen zu lassen.“

Die Tragezeit von Großen Tümmlern dauert in der Regel ein Jahr. In den ersten Monaten werden die Organe und Körperstrukturen eines Jungdelfins angelegt. Danach werden bis zum achten Monat die Organe des Tieres ausgeprägt. Nach dieser Zeit findet ein erhebliches Größenwachstum bis zur Geburt statt.

Um der trächtigen Delfindame eine ruhige Zeit ihrer Schwangerschaft zu ermöglichen und eine mögliche Totgeburt zu vermeiden, sei es unerlässlich, dass das Tier mit so wenigen Stressfaktoren konfrontiert wird, wie es überhaupt nur möglich sei, so die Tierschutz-Organisationen.

In der Zeit der Schwangerschaft sollte „Daisy“ keinen direkten oder indirekten Kontakt zu Besuchern bekommen, fordern ProWal und WDSF. Dies solle auf dem gesamten Areal des Delfinariums einschließlich der Beckenbereiche gelten.

Zudem beantragten sie, dass auf der öffentlichen, stark frequentierten Promenade direkt vor der Anlage jeglicher Lärm durch Passanten durch Sperrung zu vermeiden ist und keine Disko-Veranstaltungen oder andere lautstarke Animationen der anliegenden Hotels in der Zeit der Schwangerschaft des Tieres durchgeführt werden dürfen.

Weiterhin fordern die Tierschützer, dass im Uferbereich der Anlage jeglicher Schiffslärm zu unterlassen und eine Lärmschutzzone im Radius von 1,5 Kilometer um das Delfinarium einzurichten ist, in dem motorgetriebene Boote nur in langsamer Geschwindigkeit fahren dürfen und die zu treffenden Schutzmaßnahmen von einer staatlichen Institution überwacht und ein laufender Bericht darüber veröffentlicht werden soll.

Jürgen Ortmüller vom Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF): „Aufgrund unserer Delfinschutz-Aktivitäten seit über zwei Jahren haben die Delfinarien-Besitzer in der Türkei inzwischen einen enormen Respekt vor uns bekommen und ziehen alle Register, um sich zu wehren. So hat uns das Onmega-Delfinarium in Marmaris eine gerichtliche Einstweilige Verfügung unter Androhung einer Geldbuße von 250.000 Euro präsentiert, die uns untersagen soll, überhaupt noch Kritik gegen die Haltung der Delfine in den relativ kleinen Meeres-Pools auszuüben. Wir lassen uns den Mund jedoch nicht verbieten, wenn es um den Schutz von sensiblen Meeressäugern geht. Wir hoffen, dass die zuständigen Behörden ein Einsehen haben und das Delfinarium in der Urlaubsstadt schließt und die Delfine behutsam wieder ausgewildert werden. Ansonsten werden die Touristen dem Treiben der Delfinarien-Besitzer durch einen Boykott ein Ende setzen. Viele Zuschriften von besorgten Urlaubern deuten bereits darauf hin.“

Die letzte Aussage der Stadtverwaltung in Marmaris, man habe kein erfahrenes Personal für die Überwachung des schwangeren Delfins „Daisy“, sorgt bei den Tierschützern für Unverständnis. Sie fragen sich nun, wer denn bisher überhaupt den Gesundheitszustand der Tiere in dem Delfinarium kontrolliert hat. Agieren die Behörden nicht umgehend, befürchten die Tierschutzaktivisten ein Drama und den Tod des ungeborenen Delfins.

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