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Depressionen: Beratungsaufkommen für die Selbsthilfe Konstanz steigt

Konstanz. Die Selbsthilfegruppe zu Zwängen, Phobien und Depressionen im Landkreis Konstanz verzeichnet seit einigen Monaten ein rapides Ansteigen von Anfragen Betroffener affektiver Störungen, die sich eine Erstberatung wünschen. „Obwohl der niederschwellige Zugang zur Psychotherapie durch die neuesten Reformen erleichtert wurde, haben viele Menschen noch immer Fragen, ehe sie sich einer professionellen Unterstützung zuwenden“, so Gruppenleiter Dennis Riehle. „Zwar ist die Zahl derer, die sich nach unserer Selbsthilfegruppe erkundigen oder Interesse an der Teilnahme hieran äußern, seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig sind es die individuellen Anliegen, die vorgetragen werden, zumeist per Mail“.

Wesentlich gehe es laut Riehle um Unsicherheit, welche Therapierichtung die jeweils passende sei. Darüber hinaus sind es auch häufig große Sorgen darüber, ob man überhaupt an einer psychischen Erkrankung leide. „Wir können nichts diagnostizieren, wir können lediglich informieren und ermutigen, dies überprüfen zu lassen – und das aus Sicht von Betroffenen, also mit einem laienhaften Blick, der aber oftmals durch jahre- und jahrzehntelange Erfahrung aus der eigenen Leidensgeschichte geprägt ist“. Diese Augenhöhe schätzten diejenigen, die sich bei der Selbsthilfegruppe meldeten, besonders: „Wenn wir die Krankheit erklären, die Möglichkeiten von Behandlung oder den Umgang mit Angehörigen und der Außenwelt, dann geschieht das in einfachen Worten. Wir müssen nicht darauf achten, die richtigen Fachbegriffe zu verwenden und können gleichzeitig Emotion in unsere Antworten einbringen, weil wir mitfühlen können, nicht selten sind wir in denselben Situationen gewesen wie die, die uns jetzt kontaktieren“, so Riehle.

Warum gerade bei den depressiven Erkrankungen die „Nachfrage“ so deutlich anwachse, darüber kann der Gruppenleiter nur spekulieren, macht dafür aber die große Öffentlichkeit verantwortlich, die dem Krankheitsbild mittlerweile zuteilwerde: „Es ist gut, dass wir offener darüber sprechen, auch in unserer Gesellschaft. Und doch empfinden die Betroffenen noch immer eine enorme Ausgrenzung und trauen sich nicht, Arzt oder Therapeut aufzusuchen. Denn Depressionen gelten nicht nur in der Arbeitswelt häufig als Symbol des Versagens. Dabei sind die Ursachen so vielfältig – und die Krankheit eher ein Zeichen für Stärke, sich nun seinen eigenen Grenzen mit Selbstbewusstsein zu stellen, ob aus Über- oder Unterforderung. Und dabei sind die vielen genetischen, stoffwechselbedingten und lebensgeschichtlichen Einflüsse noch gar nicht berücksichtigt“. Im Übrigen seien es nicht nur die klassischen „Depressionen“ mit rund 15 bis 20 Kontakten im Monat, sondern auch bipolare Krankheitsbilder, zu denen im Monat zusätzlich eine Hand voll Anfragen eingehe, sagt Riehle abschließend.

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