| Landwirtschaft im Jurapark Aargau - alles im grünen Bereich? |
| Geschrieben von: Andreas Thommen, FiBL |
| 14. Juli 2010 |
Mit dem Projekt „Nachhaltige Landwirtschaft“ soll erreicht werden, dass die Bewirtschafter bei der Pflege der wertvollen Landschaft, dem Tafelsilber des Juraparks, ökonomisch auf ihre Kosten kommen und sozial nicht benachteiligt sind. Mit gezielten Beratungsangeboten soll die Wertschöpfung gesteigert und den Bauernfamilien eine gesicherte Zukunft ermöglicht werden. 45 Landwirtschaftsbetriebe haben bisher mitgemacht. Projektleiter Andi Thommen zieht eine erste Bilanz.
Nachhaltig wirtschaften bedeutet “Zukunft haben!“ Ein nachhaltiger Landwirtschaftsbetrieb sollte auf drei Säulen stehen und diese gleichwertig gewichten. Stehen Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte in einem ausgewogenen Verhältnis, kann ein Betrieb nachhaltig wirtschaften. Wie nachhaltig und somit zukunftsfähig die Landwirtschaftsbetriebe im Aargauer Jura sind, wird im Rahmen eines Teilprojektes des Regionalen Naturparks Jurapark Aargau vom FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) untersucht. Mit einem umfassenden Interview wird zuerst der Ist-Zustand eines Betriebs erfasst, ausgewertet und grafisch dargestellt. Mit der Betriebsleiterfamilie wird anschliessend über Maßnahmen zur Verbesserung diskutiert. Eine Besonderheit dieser Methode (namens RISE - eine Entwicklung der Hochschule für Landwirtschaft BE) ist, dass dabei nicht nur die Meinung des Betriebsleiters gefragt ist, sondern auch die der ganzen Familie. Landwirte im Jurapark: Ein Kranz im Bereich Ökologie Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig im Aargauer Jura. Die Größe der Landwirtschaftsbetriebe innerhalb des Juraparks ist im Vergleich zum restlichen Kanton Aargau jedoch unterdurchschnittlich. Viele Betriebe haben erschwerte Produktionsbedingungen und kämpfen mit Steillagen und schweren, oft sehr flachgründigen Böden. Das Projekt „Nachhaltige Landwirtschaft“ nimmt zusammen mit Landwirten die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes, die Vermarktung, die Ökologie und die Arbeitsbelastung der Bewirtschafter unter die Lupe mit dem Ziel, das Gleichgewicht zwischen den drei Standbeinen der Nachhaltigkeit zu verbessern. Nur wenn alle drei Standbeine stabil sind, steht der Nachhaltigkeitsschemel auf sicheren Beinen. Im ökologischen Bereich schneiden die Jurapark-Landwirte im Durchschnitt sehr gut ab. Die Gewässerschutzmassnahmen werden konsequent eingehalten, dem Boden wird Sorge getragen, indem das Düngerniveau meist relativ tief gehalten wird und erosionsgefährdete Steillagen sind oft dauerbegrünt, wodurch das Risiko für Auswaschung und Rutschungen gering ist. Oft wird auf Extenso- oder Bioproduktion gesetzt und daher werden wenig Pflanzenschutzmittel verwendet. Viele Betriebe haben Ökoqualitätsverträge und der Anteil an naturnahen Wiesen und wertvollen Hecken ist ausserordentlich hoch. Zwar können die Löhne nicht mit dem regionalen Durchschnitt mithalten, die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen ist aber sehr hoch. Für die Bewirtschafter im Jurapark Aargau scheint alles im grünen Bereich zu sein. Ökologie ist aber nur eines von drei Standbeinen der Nachhaltigkeit.Bauernfamilien betreiben oft Selbstausbeutung Weniger stabil als auf dem Pfeiler Ökologie stehen viele Landwirtschaftsbetriebe auf dem Standbein Ökonomie. Wie viele andere Landwirte in der Schweiz, leiden die Jurapark-Betriebe auch unter den schlechten Milch- und Getreidepreisen. Für Betriebe mit weniger als 70'000 kg Milchproduktion wird die Luft oft wirtschaftlich eng. Die hohe Mechanisierung und die häufig verstückelten und weit verteilten Parzellen schlagen sich negativ beim Energieverbrauch nieder. Viele Betriebsleiter nehmen sehr lange Arbeitszeiten in Kauf. Mehr als 20 Jahre ohne Ferien sind keine Seltenheit! Darunter leidet oft das Arbeitsklima und die Gesundheit. Es verwundert daher nicht, dass auf vielen Betrieben die Nachfolge nicht geregelt werden kann. Zudem betreiben viele Bauernfamilien Selbstausbeutung und zehren vom Eigenkapital und können daher langfristig nicht investieren. Alle diese Faktoren werden als nicht nachhaltig beurteilt! Hoher Beratungsbedarf in der Betriebswirtschaft Wackelt das Standbein Ökonomie, muss aktiv nach Lösungen gesucht werden. Betriebe, welche eine strategische Neuausrichtung benötigen, werden durch die Betriebsberater der Liebegg oder des FiBL begleitet. Bei zu kleinem Milchkontingent kann beispielsweise von Milchproduktion auf Mutterkuhhaltung, Weidebeef oder Aufzucht umgestellt werden. Dies bedeutet aber gleichzeitig eine Extensivierung des Betriebes und kann zur Folge haben, dass ein Nebenerwerb benötigt wird. Eine andere Variante ist, dass der Einkommensausfall mit einer Spezialisierung wie Obst- oder Beerenproduktion aufgefangen wird. Auch Legehennenhaltung oder Direktverkauf können wichtige Zusatzeinkommen generieren. Unternehmerische Landwirte als Vorbilder Im Jurapark auch viele positive Beispiele. Landwirte mit Obstbau oder Pferdestallungen haben zurzeit sicher gute Karten. Andere keltern eigenen Wein und sind erfolgreiche Direktvermarkter. Einige Betriebe in kleinstrukturierten Vorzugsgebieten haben sich auch auf die Pflege von Öko-Vertragsflächen spezialisiert und erzielen damit ein gesichertes Einkommen. Viele Landwirte im Jurapark sind außerordentlich innovativ und denken sehr unternehmerisch. Diese Beispiele sollen helfen, andere zu motivieren und es ihnen nachzutun.
Gruppenberatung und Vermarktungsinitiativen Als Ergänzung zur RISE - Analyse werden Kurse und der Aufbau von Interessensgruppen angeboten. Ein erster Kurs auf dem Tschopperthof in Zeiningen befaßte sich mit Energieeffizienz der Betriebe und hofeigener Energieproduktion. Als nächstes ist ein Workshop zur Umstellung auf Mutterkuhhaltung/Weidebeef geplant (Informationen finden Sie im FiBL-Kurskalender: www.bioaktuell.ch/de/aktuell/agenda.html ) In Dörfern mit kleiner Parzellierung wird versucht, Interessensgruppen für eine freiwillige Arrondierung zu bilden. Landwirte, welche am RISE - Programm teilnehmen, zahlen für diese Angebote nichts. Betriebsleiter, welche sich für eine kostenlose RISE-Beratung interessieren, sind gebeten mit dem Projektleiter Andreas Thommen vom FiBL Kontakt aufzunehmen: Tel. 062 865 72 08 oder e-mail: andreas.thommen@fibl.org |






