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Verleihung des Wissenschaftspreises der Stadt Basel an Prof. Dr. Primo Schär
06. Juli 2012

Der diesjährige Wissenschaftspreis der Stadt Basel geht an Herrn Prof. Dr. Primo Schär. Ausgezeichnet wird der im Departement für Biomedizin der Universität Basel tätige Molekulargenetiker für seine herausragenden Arbeiten in der Krebsforschung.

Der Regierungsrat hat an seiner heutigen Sitzung den diesjährigen Wissenschaftspreis Herrn Prof. Dr. Primo Schär verliehen. Der Wissenschaftspreis in der Höhe von 20'000 Franken wird alljährlich und im Turnus der sieben Fakultäten Forschenden zuerkannt, die zur Universität Basel in Beziehung stehen und sich durch herausragende wissenschaftliche Leistungen hervorgetan haben. Der Regierungsrat ehrt den 1961 geborenen Prof. Dr. Schär auf Grund seiner wichtigen Beiträge zum Verständnis der Stabilität der Erbinformation in normalen und Tumorgeweben.

Die meisten Krebsarten entstehen durch Veränderungen oder Mutationen in der Erbinformation, die biologisch als DNA bezeichnet wird. Zur Entwicklung neuer Krebstherapien muss verstanden werden, wie gesunde Zellen ihre genetische Information intakt erhalten und Fehler in der DNA reparieren und was bei der Krebszellen-DNA defekt ist. Prof. Dr. Schär hat sich eingehend mit den Reparaturmechanismen der DNA befasst und untersucht, wie Mutationen vermieden werden. Den Grundstein für seine Forschung hat er bereits in seiner Dissertation an der Universität Bern im Jahre 1991 gelegt. Nachhaltig wichtige Beobachtungen auf dem Gebiet der DNA-Reparatur lieferte er zudem als Postdoktorand am Imperial Cancer Research Fund in London und als junger Forschungsgruppenleiter an der Universität Zürich. Seit 2003 ist Prof. Dr. Schär Inhaber der Professur für Molekulargenetik an der medizinischen Fakultät der Universität Basel, wo er zunehmend Arbeiten mit fächerübergreifender Bedeutung bis hin zur klinischen Onkologie publiziert hat.

DNA liegt als Doppelstrang vor, und es besteht eine genau kontrollierte Verbindung der Bausteine zwischen den Strängen. In seinen Forschungsarbeiten beschrieb Prof. Dr. Schär die Bedeutung von schlecht zu einander passenden – sogenannten „mismatched“ – DNA Doppelsträngen. Er zeigte auf, wann in der Entstehung von Zellen solche Fehler toleriert werden und wann sie ungünstige Folgen haben. Mit diesen Erkenntnissen wurde offenbar, dass im Körper manchmal DNA Änderungen zur gewünschten Vielfalt von normalen Molekülen beitragen und manchmal dieselben Änderungen zur Entartung – d.h. zum Krebs – führen.

Prof. Dr. Schär konnte in seinen Forschungsarbeiten zeigen, wie das vieleingesetzte Krebsmedikament 5-Fluoro-Uracil wirkt. Dieses schleust sich als falsches Element in die DNA ein und kurbelt Reparaturprozesse so stark an, dass die DNA zerschnitten und die Krebszellen zerstört werden. Er konnte auch die Mechanismen der Resistenz gegen 5-Fluoro-Uracil aufdecken, was für die Krebs-Therapie eine überaus wichtige Information darstellt.

Diesen Beobachtungen folgten Prof. Dr. Schärs Messungen von epigenetischen DNA- Änderungen im Dickdarm älterer Frauen. Epigenetisch heisst, dass nicht die DNA selbst verändert ist, sondern dass ihr Moleküle, etwa Methylgruppen, angehängt sind; Methylierungen von DNA haben die Unterdrückung gewisser schützender Zellaktivitäten zur Folge, weshalb sie zur Krebsentstehung beitragen können. In der Tat fand er verstärkte Methylierungsmuster in Darmkrebsproben, sie traten in zunehmendem Ausmass mit steigendem Entartungsgrad auf.

Als neueste und wichtigste Arbeit konnte Prof. Dr. Schär seine zwei verschiedenen Erkenntnisse betreffend die DNA-Reparatur und die Methylierung der DNA verbinden; er zeigte nämlich, dass die Reparaturenzyme nicht nur fehlerhafte DNA-Stücke herausschneiden und die losen Enden der DNA wieder korrekt verknüpfen, sondern dass dieselben Enzyme auch die Methylierung herunterregulieren und darüber zur Stabilisierung der ganzen Zellfunktion beitragen. Diese Erkenntnis ist bahnbrechend und zeigt die Effizienz der normalen DNA-Integritäts Kontrolle. Sie erlaubt ganz neue therapeutische Ansätze in der Krebsbehandlung.

Prof. Dr. Schär publiziert ausnahmslos in hochrangigen Zeitschriften. Neben seiner Forschungs- und Publikationsarbeit zeichnet er sich zudem durch ein hohes Engagement in der medizin-wissenschaftlichen Gemeinschaft aus. Als Universitätslehrer und wissenschaftlicher Vorgesetzter ist er überall sehr geschätzt, von den Medizinstudierenden wurde er zum Lehrer des Jahres gewählt. Er vertritt die medizinische Fakultät in der Krebsliga und leitet die Kommission zur Verleihung von Nationalfonds-Stipendien an junge Medizinerinnen und Mediziner. Diese Ämter bezeugen, dass Prof. Dr. Schär ein ebenso begabter Kommunikator wie ein begehrtes Mitglied in wissenschaftlichen Gremien ist. Er erfüllt diese Funktionen mit grossem Einsatz und überragender Integrität und beeindruckt durch respekterheischendes, breites Fachwissen. Prof. Dr. Schär hat die Ehrung mit dem Wissenschaftspreis verdient, weil er für die Universität ein Hoffnungsträger der Zukunft und für junge Wissenschaftler ein Vorbild ist.

 
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