Seit November 2009 bilden die Gewerbe Akademien in Offenburg, Schopfheim und demnächst in Freiburg französische Fachkräfte in den deutschen Berufsgrundlagen und in Deutsch aus. Die Teilnehmer aus den Bereichen Buchhaltung – Sekretariat – Maler - Maschinenbediener - industrielle Wartungstechniker – Elektriker werden an der Gewerbe Akademie fit gemacht für ihre Aufgaben in deutschen Firmen im Elsass. Nun besuchte der Generaldirektor der AFPA Frankreich, Philippe Caïla die Bildungseinrichtung des Handwerks am Oberrhein.
Handwerkskammer-Präsident Paul Baier betonte, dass man mit dieser Ausbildung der Fachkräfte auch den deutschen Betrieben, die im Elsass Zweigbetriebe unterhalten, zur Seite stehe. „Wir sehen das vor allem als Service für unsere Betriebe“, so Präsident Baier. Denn das gut geschulte Personal verfüge damit nicht nur über das Wissen und die Kenntnis auf französischer Seite, sondern kenne auch die Besonderheiten der deutschen Anforderungen, sei es bei Lohn und Steuern oder in technischen Details.
Finanziert wird das grenzüberschreitende Projekt durch den elsässischen Regionalrat. Ausführende ist die AFPA – die Association nationale pur la formation professionelle des adultes im Elsass. An den Bildungseinrichtungen in Straßburg, Mulhouse und Colmar werden die Fachkräfte zunächst geschult, auch mit 70 Stunden Deutsch. Außerdem sind die deutschen Ausbilder auf französischer Seite mit im Einsatz. Danach kommen die Teilnehmer an die Gewerbe Akademien und lernen auf deutscher Seite die Feinheiten. „Dieses Personal kann dann ohne weiteres in deutschen Firmen im Elsass arbeiten,“ sagt der Leiter für den Geschäftsbereich Bildung an der Handwerkskammer Freiburg, Werner Gmeiner. Auch könne man mit derart geschultem personal künftige Lücken auf dem deutschen Facharbeitermarkt füllen, betonte Kammerpräsident Baier. Denn im Elsass ist die demografische Entwicklung weitaus positiver als auf badischer Seite. „Unsere jungen Leute links und rechts des Rheins sollten die Sprache des Nachbarn sprechen können“, warb der Präsident. Auch der Generaldirektor der AFPA, Philippe Caïla wünscht sich eine Intensivierung der Kooperation. „Der Rhein ist keine Grenze.“
Bis jetzt waren insgesamt 33 Fachkräfte an der Gewerbe Akademie in Ausbildung und 31 weitere Fachkräfte werden in naher Zukunft ihre Ausbildung antreten. Die Kooperation mit der AFPA besteht über den Interregionalleiter Dominique Schwach schon seit 14 Jahren und wurde nun im November 2009 mit Beginn dieses Modells aufgefrischt. Auch habe der Regionalrat die Zeichen der Zeit erkannt indem er das Modell finanziert. Die Vizepräsidentin des Regionalrats, Martine Calderoli-Lotz, erläuterte, dass der Regionalrat Bildungsgutscheine fördere, mit denen die deutsche Sprache erlernt werden kann. „Wir haben einen hohen Bedarf an so einer Ausbildung. Das bietet neue Chancen.“
Die Gewerbe Akademien stehen derzeit mit der Agentur für Arbeit in Verhandlung, ob nicht auch deutsche Fachkräfte einen Anreiz erhalten können, sich derart fortzubilden, um dann im Elsass für deutsche Firmen arbeiten zu können. Wie Werner Gmeiner verdeutlicht, besteht hier ein enormer Nachholbedarf, deutsche Kräfte für den französischen Arbeitsmarkt fit zu machen.
Der Präsident der AFPA, Philippe Caïla besichtigte zusammen mit den Abgeordneten des Regionalrats, Cathy Laurent und Veronique Laurent sowie Präsident Baier die Gewerbe Akademie Offenburg und suchte das Gespräch mit den französischen Teilnehmern.
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