Tourismusboykottaufruf in Vorbereitung
Radolfzell – Die Tierschützer der deutschen Delfin- und Walschutzgesellschaft ProWal machen sich große Sorgen um die Gesundheit der drei verbliebenen Delfine im ConnyLand.
Andreas Morlok, Geschäftsführer von ProWal: „Wir sind erneut äußerst besorgt um das Wohlergehen der Delfine. Wenn nun schon strafrechtliche Ermittlungen gegen die beiden Tierärzte eingeleitet worden sind, dann dürften diese nun nicht mehr für die Betreuung der Delfine zuständig sein. Wir befürchten, dass es nun weiterhin keine fachkompetente Versorgung für die Tiere gibt. Als wir Ende Oktober die Techno-Party im ConnyLand kritisierten und verhindern wollten, hieß es von Seiten der Betreiber und dem Kantonsveterinär Dr. Witzig, dass es den Delfinen gut gehe. Dass dies offensichtlich nicht der Fall war, beweist ja gerade der Antibiotikaeinsatz danach. Delfine leiden enorm unter Stress und das Immunsystem wird geschwächt. Die Tiere sind anfällig für Krankheiten. Wird die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt oder sind die Verantwortlichen alle nicht in der Lage, sich ausreichend um die Gesundheit der Delfine zu kümmern?“
ProWal macht nun ernst. Wie schon im letzten Jahr angekündigt, bereitet die Tierschutzorganisation einen massiven Tourismusboykottaufruf gegenüber dem Kanton Thurgau vor.
Andreas Morlok: „Die beiden selbstverschuldeten Todesfälle im ConnyLand haben weltweit für Empörung gesorgt. Trotz den vielen Vorkommnissen wird dem ConnyLand nicht die Betriebserlaubnis für das Delfinarium entzogen. Die Betreiber zeigen sich weiterhin uneinsichtig und wollen, trotz den acht Todesfällen seit dem Jahr 2008, die Delfinhaltung nicht aufgeben. Die kommerziellen Shows sollen fortgesetzt werden, wie das ConnyLand heute gegenüber Radio 24 bekannt gab. Mit drei Delfinen kann keine nachhaltige Zucht betrieben werden und deshalb steht zu befürchten, dass schon bald weitere Delfine in die Schweiz importiert werden. Das ist für uns völlig inakzeptabel. Delfine gehören ins Meer und nicht in einen Freizeitpark. Wir haben heute viele Gemeindeverwaltungen und Betriebe im Kanton Thurgau, die auf das Tourismusgeschäft angewiesen sind, über den anstehenden Tourismusboykottaufruf informiert. Niemand soll von der kommerziellen Ausbeutung der Delfine mehr profitieren.
Im Schreiben von ProWal heißt es unter anderem:
„Wir werden in Kürze mit einem Deutsch-Schweizer-Team in die Ukraine reisen und uns auch dort für die Schließungen von Delfinarien einsetzen. Danach soll entschieden werden, wann und in welcher Breite der Tourismusboykott gegenüber dem Kanton Thurgau ausgerufen werden soll. Bisher sind mehr als 800 Betriebe, die in der Tourismusbranche tätig sind, in der Boykottliste erfasst.
Wir hoffen, dass die Geschäftsleitung des ConnyLand bis zu unserer Rückkehr aus der Ukraine einsieht, dass die Delfinhaltung keine Zukunft mehr hat und die Schließung seines Delfinariums bekanntgibt, damit ein Tourismusboykottaufruf verhindert und kein Betrieb mit massiven Umsatzeinbußen in diesem Geschäftsjahr zu rechnen hat.“ |
Kommentare
Auch die Nahrung in Gefangenschaft, nämlich toter Fisch, ist für Delfine nicht "natürlich", denn in freier Wildbahn fressen Delfine nur lebende Fische, tote meiden sie. Delfine sind akustische Tiere; ihre Kommunikation und Orientierung im Raum erfolgt zum grossen Teil akustisch. Der akustische Ortungssinn ist in Gefangenschaft praktisch nutzlos und verkümmert.
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