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Ehemaliger HABO-Sprecher kehrt in die Kirche zurück

Konstanz. Der ehemalige Sprecher der Humanistischen Alternative Bodensee (HABO), Dennis Riehle, ist in die evangelische Kirche zurückgekehrt. Zu seinem Wiedereintritt wurde er in seiner Heimatgemeinde in Litzelstetten im Rahmen eines Gottesdienstes begrüßt. Der 32-Jährige hatte 2012 die Kirche verlassen und anschließend den Zusammenschluss säkular orientierter Menschen gegründet, der sich unter anderem für kirchenkritische Beiträge im Veranstaltungsprogramm des Konstanzer Konziljubiläums stark machte. Den Wiedereintritt begründet Riehle mit den Erfahrungen in der atheistischen Szene, die ihn in den letzten Jahren geprägt hätten.

„Ich war zu keinem Zeitpunkt dem Glauben fern, aber zwischenmenschliche Erfahrungen in der Kirche, auch manch eine Lehrmeinung und Dogmatik, gleichsam wie die Frage nach der Anwesenheit Gottes in schwierigen Augenblicken und die Zweifel an Überlieferungen wie der Auferstehung oder der Jungfräulichkeit Marias waren Gründe, die mich entfernt hatten von der christlichen Überzeugung, nicht aber von dem Respekt gegenüber der friedlichen Weltanschauung des Einzelnen“, so Riehle, der mit dem „Evolutionären Humanismus“ durch die Erlebnisse in fünf Jahren der Zugehörigkeit zu mehreren säkularen Organisationen hart ins Gericht geht: „Wenn sie ehrlich sind, kommen auch Atheisten nicht ohne einen Glauben aus. Und wer meint, nur auf Tatsachen setzen zu können, der verkennt die Begrenztheit des menschlichen Verstandes. Unter vielen Humanisten herrscht eine emotionale Kälte, die sich auf das alleinige Vertrauen auf Technik, Digitalisierung und die Vernunft begründen lassen dürfte. Besonders entsetzt hat mich das oftmals arrogante Verhalten, zu meinen, sich mit dem Berufen auf die wissenschaftliche Wahrheit über die Unantastbarkeit des Glaubens Andersdenkender hinwegsetzen zu können“.

Riehle bemängelt auch die fehlenden Antworten der Atheisten: „Evolution, das beeindruckt heute kaum noch, weil sie gerade dort den Menschen nicht entgegenkommt, wo sie Sehnsüchte verspüren. Und die alleinige Kritik an der Religion, das ist kein gesellschaftliches Konzept, sondern lediglich der Beleg für die Leere der ganz eigenen Überzeugung. So könnte ich ganze Vorträge halten und Bücher über die Erfahrungen bei den Säkularen verfassen“. Warum Riehle gerade jetzt in die Kirche zurückgekehrt ist, weiß er nicht genau: „Ich habe es vermisst, über meinen Glauben streiten zu können. Es geht nicht darum, Lösungen für die Probleme zu finden, die uns alle plagen. Leid und Unfriede sind eben nicht mit dem Bild des gütigen Gottes vereinbar. Ich habe deshalb auch lange mit mir gerungen, um zu einer neuen Sichtweise auf seine Allmacht finden zu können. Die Freiheit des verantwortungsvollen Christen ist dabei in den Mittelpunkt gerückt. Und mit dieser Erkenntnis, aber auch der Bereitschaft zu vergeben und einen Neustart mit der Kirche zusammen zu wagen, war dann ein Wiedereintritt möglich“.

Die HABO hat sich mittlerweile aufgelöst. Riehle will sich aber dennoch auch fortan weltanschaulich engagieren. Insbesondere möchte er den Dialog von Menschen unterschiedlichen Glaubens fördern, innerhalb und außerhalb der Kirche. „Ich bin ein liberaler Christ, aber dennoch habe ich einige konservative Standpunkte. Und so geht es sicherlich Vielen. Jeder bringt seine Gemeinsamkeiten mit anderen, mehr und weniger gläubigen Menschen mit, aber auch Unterschiede. Das macht es spannend – und im neugieren Austausch lassen sich viele Vorurteile entkräften, aber gleichsam andere Sichtweisen entdecken und möglicherweise gar Erklärungen finden, die bei eigenen Zweifeln weiterbringen. Verständnis füreinander aufzubringen, ohne seine eigene Identität aufzugeben, das müsste doch das Ziel jedes Menschen sein, der ein friedliches Miteinander befürwortet“, meint Riehle – und überlegt bereits, welche Projekte sich mit diesem Credo verwirklichen lassen.

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