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Mitarbeiter verzweifelt gesucht
Geschrieben von: IHK Hochrhein-Bodensee   
28. Oktober 2011
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IHK-Umfrage bringt Zahlen zum Fachkräftemangel
Info-Veranstaltung am 15. November in Schopfheim

Konstanz/Schopfheim. Auch wenn die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen im IHK-Bezirk Hochrhein-Bodensee gut ist, macht der Kampf um qualifizierte Fachkräfte den Betrieben zu schaffen. Als Reaktion wollen die meisten stärker ausbilden, die Belegschaften mehr weiterbilden und die eigene Arbeitgeber-Attraktivität erhöhen. Doch reicht das aus? Eine Veranstaltung der IHK am 15. November in Schopfheim will zeigen, wie kleine und mittlere Unternehmen Fachkräfte finden können.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften liegt auf einem Rekordniveau, die Zahl der offenen Stellen ist so hoch wie niemals zuvor. In der Region Hochrhein-Bodensee liefert eine aktuelle Unternehmensumfrage der IHK die Bestätigung: Es fehlen zunehmend die Fachkräfte. So geben momentan drei von fünf Unternehmen an, derzeit offene Stellen nicht besetzen zu können. Ein Votum, das in seiner Höhe deutlich über dem Landesschnitt von rund 45 Prozent liegt.
Die von den Betrieben dringend benötigten Qualifikationen variieren dabei sehr stark. So werden im Bereich Handel und Dienstleistungen kaufmännische und technische Fachkräfte mit einer fundierten Berufsausbildung gesucht. Die Suche in der Industrie ist dagegen auf hoch qualifizierte technische Fachkräfte mit einer fundierten Berufsausbildung ausgerichtet. Und die Zahl der geplanten Neueinstellungen zeigt weiter nach oben. So rechnen rund 27 Prozent aller Unternehmen mit weiter steigenden Beschäftigtenzahlen in ihren Betriebsstätten vor Ort. Im Handel und Dienstleistungsbereich sind dies sogar mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Betriebe. Der Großteil aller Unternehmen, rund 64 Prozent, geht von einer gleich bleibenden Mitarbeiterzahl für die kommenden zwölf Monate aus.
Die Unternehmen müssen sich damit abfinden, dass sich der Markt für Fachkräfte langsam vom Nachfrager- zum Anbietermarkt entwickelt. Den Betrieben bleibt in Zukunft nichts anderes übrig, als sich noch stärker um Fachkräfte zu bemühen und neue Wege bei der Rekrutierung zu gehen.
Ein Teil der Unternehmen hat dies erkannt und reagiert mit einer verstärkten Aus- und Weiterbildungstätigkeit. Aber auch die Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität rückt stark in das Bewusstsein der Unternehmen. Weitere Strategien betreffen die Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die verstärkte Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern.

Professor Gunter Voigt von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Konstanz kennt das Problem nur zu gut. Seit 1999 bildet er Studenten im Fachbereich Hochspannungstechnik aus.

Herr Professor Voigt, gehen uns mittelfristig die Fachkräfte aus?
Antwort: Die demografische Entwicklung zeigt einen Rückgang der Schulabgänger, der ab 2015 erkennbar wird. Damit sinkt auch das Potential zukünftig ausbildbarer Fachkräfte. Bedingt durch die Altersstruktur sind Fachkräfte aufgrund von Ruhestandseintritten kontinuierlich oder je nach Statistik auch verstärkt zu ersetzen. Die Veränderung von Arbeitsschwerpunkten aus der Fertigung hin zum Engineering bedingt einen zusätzlichen Bedarf an akademisch ausgebildeten Fachkräften. Insgesamt werden daher verstärkt Fachkräfte umworben werden müssen.
Viele meinen, einen Fachkräftemangel müsste es doch in Deutschland gar nicht geben, denn es seien doch noch rund 3 Millionen Menschen arbeitslos? Die müsste man nur einfach wieder einstellen. Was sagen Sie dazu?

Antwort: Tatsächlich gibt es auch im Bereich von Ingenieuren einen noch erkennbaren Prozentsatz an Arbeitslosen. Die Anzahl der arbeitslosen Ingenieure ist jedoch deutlich zurückgegangen. Derzeitig scheint die Zahl der offenen Stellen deutlich höher als die der arbeitslos gemeldeten Ingenieure. Verschiedene Untersuchungen behandeln die Integrationsfähigkeit auch älterer Ingenieure und beschreiben Möglichkeiten, aber auch Hindernisse. Gerade KMU haben oft besondere Anforderungsprofile entsprechend der jeweiligen technischen Ausrichtung und Geschäftsfelder. Das kann zu begrenzten Passfähigkeiten führen.
Was können denn kleine und mittlere Unternehmen tun, um bei der Suche nach geeigneten Fachkräften erfolgreich zu sein?

Antwort: KMU stehen in Konkurrenz zu Großunternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte. Ingenieure sind vor Allem auch in Regionen mit besonderer industrieller Konzentration zu finden. KMU können ihre besondere regionale Bindung nutzen, um bereits frühzeitig Personal regionaler Präferenz an sich zu binden. Auch die besondere Förderung von Mitarbeitern kann die Wettbewerbsfähigkeit von KMU im Werben um Personal verbessern. Langfristig kann auch Sponsoring von Studierenden eine erfolgreiche Maßnahme der Bindung an ein Unternehmen darstellen.
Und welchen Beitrag leistet Ihre Hochschule, die HTWG, in diesem Zusammenhang?

Antwort: Die HTWG hat mit der Unterstützung des Landes zusätzliche Studienplatzkapazität geschaffen und die Anfängerstudienplätze um über 30% erhöht. Die HTWG beteiligt sich seit Jahren aktiv an Informationsmaßnahmen, insbesondere auch für die sogenannten MINT Fächer. Beispielsweise können hier genannt werde das ‚Informatik Summer Camp‘, eine Schüler-Ingenieur-Akademie oder die VDE-Summerschool an der HTWG. Die erfreulich ansteigende Nachfrage an technischen Studienfächern und am Studium an der HTWG allgemein soll langfristig auch zu deutlich ansteigenden Absolventenzahlen führen. Die Erfolgsquote soll durch gezielte Fördermaßnahmen gerade auch in Phase des Studieneinstiegs und der ersten Semester erhöht werden.
Herr Prof. Voigt, vielen Dank für das Gespräch!

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung der IHK am Dienstag, den 15. November, im IHK-Gebäude in Schopfheim, werden ab 15 Uhr neben Professor Voigt noch die Unternehmensberaterin Gudrun Gempp und Professor Uwe Schirmer von der Dualen Hochschule aus Lörrach und Diana Knoch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) darüber referieren, mit welchen Strategien es kleinen und mittleren Unternehmen gelingen kann, qualifiziertes Personal zu finden und zu binden. Anmeldungen bei der IHK, Claudia Veit, Telefon 07622/3907-127 oder claudia.veit@konstanz.ihk.de
 
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