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Bumerang fürs Bau-Handwerk in Ba-Wü: 23 Prozent weniger Azubi-Bewerber
Geschrieben von: IG BAU   
08. Februar 2012
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Nachwuchsmangel: IG BAU fordert „Azubi-Offensive für den Bau“

Der Bau verbaut sich die Zukunft: Der Baubranche in Baden-Württemberg geht der Nachwuchs aus. Das hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt beklagt. Die Unternehmen dürften nicht nachlassen, Ausbildungsplätze bereitzustellen. Vor allem aber müssten die Lehrstellen attraktiver werden. Nur so könne es dem Handwerk und der Bauindustrie gelingen, einen verhängnisvollen Trend zu bremsen. Im vergangenen Jahr haben sich nach Angaben der IG BAU knapp 33.650 Jugendliche bei den baden-württembergischen Arbeitsagenturen für eine Ausbildung in der Baubranche beworben. Fünf Jahre zuvor seien dies noch 43.700 Bewerber gewesen – ein Minus von 23 Prozent.

„Viele Bauunternehmer in Baden-Württemberg sind dabei, sich selbst das Wasser abzugraben. Firmen, die jetzt beim ‚Kampf um die Köpfe’ nicht dabei sind und nicht ausbilden, ziehen den Kürzeren. Zu wenig Ausbildung bedeutet Fachkräftemangel. Und Fachkräftemangel bringt auf Dauer den Verlust von Aufträgen“, sagt Inge Hamm. Die Leiterin der IG BAU-Region Baden-Württemberg spricht von einem „Bumerang“, der insbesondere das Handwerk treffe. Denn die Firmen, die keine ausgebildeten Mitarbeiter hätten, um Aufträge qualifiziert abzuarbeiten, würden im harten Wettbewerb künftig keine Chance mehr haben.

Die IG BAU-Regionalleiterin fordert die Bauindustrie und das Handwerk in Baden-Württemberg auf, eine „Bau-Offensive für gute Ausbildung“ zu starten. Ein wesentlicher Punkt dürfe dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden: die Übernahme nach der Ausbildung und die anschließende Bezahlung. „Immer häufiger werden Azubis dabei über den Tisch gezogen. Etliche Unternehmen versuchen, den Jung-Gesellen einen Arbeitsvertrag gerade einmal zum Mindestlohn unterzujubeln“, sagt Inge Hamm. Dabei hätten sie Anspruch auf den Facharbeiterlohn. Das mache beim Stundenlohn einen Unterschied von mehr als vier Euro.

Grundsätzlich lasse sich auf dem Bau nach wie vor „gutes Geld“ verdienen, so Inge Hamm. Die IG BAU habe am Verhandlungstisch „ordentliche Tariflöhne durchgesetzt“. Mit Blick auf den Nachwuchsmangel sollten sich die Arbeitgeber allerdings gut überlegen, ob es nicht Sinn mache, bei der Ausbildungsvergütung künftig „eine Schippe draufzulegen“, sagt Hamm.

Die IG BAU-Regionalleiterin appelliert zudem an die Ausbildungsbetriebe in Baden-Württemberg, ihre Aufgabe ernst zu nehmen. „Azubis haben ein Anrecht darauf, möglichst viele Bereiche in ihrer Ausbildung qualifiziert kennenzulernen. Sie sind keine billigen Arbeitskräfte, die für das stupide Abarbeiten monotoner Aufgaben ihren Ausbildungsvertrag unterschrieben haben“, macht die Leiterin der IG BAU-Region Baden-Württemberg deutlich.

Wer ausbilde, müsse sich um den Nachwuchs im Betrieb auch intensiv kümmern, so Hamm. Viele Betriebe ließen sich zu wenig auf die jungen Menschen ein. „Das fängt schon bei den Bewerbern an. Viel zu oft werden vermeintlich weniger Qualifizierte lieber gleich ‚aussortiert’ anstatt ihnen eine Chance zu geben. Wir müssen begreifen, dass Migranten eine Chance für das Handwerk sind“, sagt die IG BAU-Regionalleiterin.

Und die Bau-Gewerkschaft verweist auf ein weiteres Manko: „Die Ausbildung auf dem Bau – das ist auch eine Imagefrage“, so Inge Hamm. Es gebe einen enormen Nachholbedarf, Jugendliche von der Attraktivität der Bauberufe wieder zu überzeugen. „Wir müssen vom ‚Bier-und-Bizeps-Klischee’ wegkommen. Auf dem Bau kommt heute Hightech zum Einsatz – bei Maschinen und Baumaterialien“, so Hamm. Der Job auf dem Bau erfordere „Know-how und Fingerspitzengefühl – Köpfchen und Kapazität“.

 
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