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FTTH Council Europe: Nur FTTH überwindet Kluft zwischen Stadt und Land
Geschrieben von: arcendo communications gmbh   
11. Oktober 2011
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BRÜSSEL - Nadia Babaali, Communications Director beim FTTH Council Europe, sieht eine zukunftssichere Breitbandversorgung vor allem auf dem Land als essenzielle Grundlage für wettbewerbsfähige und prosperierende Regionen in Europa. In ihrem Kommentar fordert Babaali gleiche Voraussetzungen für Stadt- und Landbewohner.

"Wenn Sie dies auf dem Weg zur Arbeit in einem vollbesetzten Nahverkehrszug lesen, dann können Sie sich noch relativ glücklich schätzen. Denn Sie haben immerhin einen Sitzplatz ergattert - oder zumindest genügend Ellenbogenfreiheit, um eine Zeitung aufzuschlagen oder Ihr Smartphone zu bedienen. Das mit dem Glück ist, wie gesagt, relativ. Wenn Sie zum Beispiel in London wohnen, dann steht die Chance zwei zu eins, dass sie nun mindestens 45 Minuten Zeit zum Lesen haben. Vielleicht gehören Sie aber auch zu den 20 Prozent der Berufspendler, die nach Angaben des britischen Office of National Statistics jeden Tag mehr als eine Stunde zum Arbeitsplatz unterwegs sind.
Die Situation ist in ganz Europa eine ähnliche. In den größeren Städten müsse Berufstätige lange und stressige Pendelstrecken in Kauf nehmen; hinzu kommen hohe Wohnkosten, Umweltverschmutzung und die schwierige Suche nach der passenden Schule für die Kinder. In ländlichen Gegenden hat man dagegen alle Mühe, die Gemeinden am Leben zu erhalten, denn gerade die Jüngeren zieht es der Karriere wegen in die City. Das Ergebnis ist eine Abwärtsspirale: Die Landflucht führt auch zu einem Rückgang bei Infrastruktur und Services - und das schafft dann wieder neue Probleme bei der Versorgung der zurückbleibenden meist älteren Menschen.
Die Gefahr ist, dass sich Mega-Metropolen aufblähen, während ländlichen Gemeinden immer weiter verkümmern - und das wollen nur die wenigsten Politiker und deren Wähler. Doch das derzeitige ökonomische Klima eignet sich wohl kaum für große Investitionen in ein wirklich flächendeckendes Erziehungs-, Gesundheits- und Transportsystem. Daher sehen Regierungen auf der ganzen Welt in Internet-Verbindungen mit sehr großer Bandbreite den kostengünstigsten Weg, ländlichen Gebieten mit neuen Services neues Leben einzuhauchen. Genau darüber wollen mehrere Tausend Teilnehmer der "Open Days - the European Week of Regions and Cities" vom 10. bis zum 13. Oktober in Brüssel diskutieren. Wenn man über Investitionen in Europas Zukunft spricht, dann wird die Digitale Agenda ein wichtiges Thema sein.

Regierungsstimulus

Sprechen wird man sicher auch über die neuen Pläne der Europäischen Kommission: Neun Milliarden Euro will man in der Etatperiode 2014 bis 2020 für Breitband-Kommunikation bereitstellen.
Mit Glasfaser-Netzwerken als Grundlage könnten Unternehmen und Telearbeiter zusammen mit Privat- und Geschäftskunden ein globales digitales Dorf bilden.
Auf den schnellen Fiber-to-the-Home-Netzwerken (FTTH) könnten aber auch die Bewohner real existierender Dörfer von neuen öffentlichen und kulturellen Angeboten profitieren. Zum Beispiel durch Zugriff auf Filme oder Berichte von Sportereignissen, durch Bildungs- oder Gesundheits-Services oder durch Nutzung sozialer Netzwerke.
Dass Highspeed-Breitbandzugänge als Standortfaktor mittlerweile ebenso wichtig sind wie Straßen, Strom und Wasserversorgung, hat sich in der Politik längst herumgesprochen. In Europa unterstützen zum Beispiel Großbritannien, Italien, Frankreich und Portugal den Ausbau eines flächendeckenden Breitband-Kommunikationsnetzes. Stadtverwaltungen und Energieversorger in Schweden, Dänemark, Norwegen, Deutschland und anderen Ländern haben ihre eigenen Initiativen auf den Weg gebracht, um Glasfaser-Netzwerke auch in ländlichen Gebieten für Unternehmen und Privatkunden verfügbar zu machen.

Neue Geschäftsmodelle

Schnelle Breitbandverbindungen kommen allen gesellschaftlichen Bereichen zugute. Am meisten profitiert man von der modernen Kommunikationstechnik aber auf dem Lande. Eine Studie, die im Auftrag des FTTH Council Europe durchgeführt wurde, stellt dies eindrucksvoll unter Beweis (1). Doch nach wie vor legen die Anbieter lieber noch eine weitere Leitung in ein dicht besiedeltes Gebiet - obwohl es dort schon schnelle Verbindungen und viele digitale Services gibt. Abseits der großen Metropolen hat der Kunde dann nur noch die Wahl zwischen antiquierten Kupferkabeln und Mobilnetzwerken. Wer also gegen den Trend FTTH in ländlichen Gebieten anbietet, kann wahrscheinlich eine höhere Anschlussrate im Verhältnis zur Einwohnerzahl erzielen, und er kann seine Services besser an den Mann bringen, zum Beispiel Internet-Fernsehen, HD-Filme zum Download oder Angebote aus dem Gemeinde- und Gesundheitsbereich. Es erschließen sich aber auch ganz neue Geschäftsmodelle. In Norwegen hat ein regionaler Energieversorger eine Tochtergesellschaft namens Altibox gegründet, die auch Gemeinden mit nur 300 oder 400 Haushalten an das FTTH-Netz anschließt. Altibox lässt die Kunden die nötigen Grabungsarbeiten selbst durchführen und hält so die Kosten niedrig. Das innovative Unternehmen hat mittlerweile in Norwegen einen Anteil am Breitbandmarkt von 13,4 Prozent und kann mit seiner Infrastruktur 70 Prozent aller Haushalte erreichen. Ein weiterer Vorteil der Highspeed-Kommunikation gerade in ländlichen Gebieten: Sie kann Wege verkürzen. In Nordschweden können Patienten bereits per Glasfaser-Anschluss medizinisches Personal konsultieren, ohne weite Strecken ins nächste Krankenhaus fahren zu müssen.

High-Tech-Jobs auf dem Dorf

In Nordschweden liegt auch die Gemeinde Hudiksvall. Dort werden die ökonomischen und sozialen Vorteile von FTTH-Netzwerken besonders deutlich. Als Reaktion auf den Bevölkerungsschwund hatte man bereits 2004 Glasfaser-Leitungen gelegt, um bessere Services anzubieten und die Region für Arbeitgeber attraktiv zu machen. Das Ergebnis war ein Wachstum von 6 bis 14 Prozent pro Jahr bei den Unternehmens-Neuansiedelungen. Und sogar das schwedische Forschungsinstitut ARCEO wählte Hudiksvall als Standort.
2005 entschied man sich auch in der französischen Gemeinde Pau für ein FTTH-Netzwerk. In der Folge entstanden mehr als 800 neue Jobs, und auch die Ecole Internationale des Sciences du Traitement de l'Information (EISTI) errichtete einen Campus in Pau.
In beiden geschilderten Fällen nahm die Gemeinde die Sache selbst in die Hand. Die Politiker hatten erkannt, dass man sich hier nicht auf die Märkte verlassen kann, die FTTH-Investitionen nur in großen Städten ermöglichen.
Wenn aber eine Regierung öffentliches Geld in Highspeed-Breitbandnetze investiert, dann darf dies nicht als vorübergehende Maßnahme verstanden werden. Hier heißt es langfristig denken.
Durch die Umstellung von analogem auf digitales Fernsehen sind Funkfrequenzen frei geworden. Einige Regierungen denken darüber nach, sie für eine Breitband-Versorgung ländlicher Gebiete zu nutzen. Aber bei einer solchen Anbindung wäre eine erneute Benachteiligung der Landbevölkerung bereits vorprogrammiert. Denn die Kapazität von Funknetzwerken ist prinzipiell beschränkt, und auf lange Sicht wird diese beschränkte Kapazität für die neuen und anspruchsvollen Services, etwa bei Bildung und Medizin, nicht mehr ausreichen. Und wer beruflich auf zuverlässige und schnelle Internet-Verbindungen angewiesen ist, wird es sich zweimal überlegen, ob er seinen Arbeitsplatz in eine Region verlegt, die Breitband-Kommunikation nur per Funknetzwerk ermöglicht. In der Regierung und Privatwirtschaft wird viel darüber gegrübelt, wie denn nun die notwendige Breitband-Versorgung auf das ganze Land ausgeweitet werden könne. Doch die Lösung ist einfacher, als mancher denkt. Nur die richtige Breitband-Investition kann dem Städter ein neues Lebensgefühl und der Wirtschaft auf dem Land neue Impulse geben. Und diese richtige Lösung ist - weil nahezu ohne Kapazitätsbeschränkung - eben FTTH.

Wollen wir ein Europa der prosperierenden Regionen oder ein Europa der Mega-Cities?

Viele für die Entwicklung der europäischen Regionen richtungweisende Entscheidungen werden zurzeit getroffen. Auf den Open Days diskutiert und analysiert man die Budgetvorschläge der EU für 2014 bis 2020. Klare Bekenntnisse für Investitionen in die Erschließung ländlicher Gebiete und für die Glasfaser als Übertragungsmedium könnten auch Regionen abseits der Ballungsgebiete wettbewerbsfähig und erfolgreich machen. Die Open Days in Brüssel führen mehrere Tausend Teilnehmer aus europäischen Staaten zusammen, um die Auswirkungen der Digitalen Agenda auf ländliche Gebiete zu diskutieren.
Das Ergebnis sollte ein klares Votum für die Regionen sein - und dabei sind 30 MBit/s nicht genug. Auch auf dem Dorf hat man dasselbe Recht auf einen zukunftssicheren Glasfaseranschluss - auf Fiber to the Home." (1)Socio-economic study, Ovum for FTTH Council Europe, 2009

FTTH Council Europe: Das FTTH Council Europe ist eine Unternehmensorganisation mit dem Ziel, die Verfügbarkeit Glasfaser-basierender Ultra-High-Speed-Zugänge für Firmen und Privatkunden voranzutreiben. Das Council setzt auf diese Technologie, weil sie eine Fülle neuer Services ermöglicht - und damit mehr Lebensqualität, mehr Umweltschutz und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Im FTTH Council Europe haben sich mehr als 150 Unternehmen zusammengeschlossen. www.ftthcouncil.eu
 
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