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Geologisches Gutachten bescheinigt hohen Sanierungsaufwand

L 154 – Sperrung der Albtalstraße zwisch

Die L 154 im Bereich Hohenfels – Tiefensteiner Brücke ist seit Pfingsten 2015 gesperrt. Hintergrund dieser Sperrung war, dass nach einem Felsabgang eine Vorabschätzung der Gefährdungslage ergab, dass die Strecke bis zu einer weiteren Begutachtung gesperrt werden musste. Das Gutachten der Fa. Geoplan liegt nun vor und kommt zu dem Ergebnis, dass für eine Wiederfreigabe der Strecke Aufwendungen von 2 – 2,8 Millionen Euro notwendig sind und in einem zweiten Schritt weitere kostenträchtige Maßnahmen, die allerdings noch nicht näher beziffert werden können, anstehen werden.

Das Gutachten wurde in Abstimmung mit den Geologen des Regierungspräsidiums Freiburg erstellt und sieht für eine entsprechende Wiederfreigabe der Strecke u.a. vor, dass der Bewuchs an den Böschungskanten der Felswände entlang der Straße auf einer Breite von 5 Metern über die gesamte Länge des Hangbereiches zur Wegnahme des Wurzeldrucks zurückgeschnitten wird. Zusätzlich sind ausgewählte Felswände entlang der Straße nach entsprechender Begutachtung zu beräumen. Darüber hinaus müssen konstruktive Maßnahmen als Sofortsicherung und technische Sicherungen für weitere gefährdete Bereiche umgesetzt werden.

Für diese Schritte werden die o.g. Kosten aus geologisch-fachlicher Sicht veranschlagt. An diese Maßnahmen werden sich weitere (Bau-)Maßnahmen anschließen, um insbesondere Randbereiche mit lokalisierter mittlerer Gefahr näher zu beurteilen und noch weitere notwendige Maßnahmen diesbezüglich umzusetzen. Die dafür erforderlichen weiteren Kosten können derzeit noch nicht abgeschätzt werden, es muss jedoch mit einem weiteren 7-stelligen Betrag gerechnet werden.

Hinzu kommt, dass in den dortigen Hangbereichen offensichtlich Eingriffe in Lebensraumtypen des Anhangs 1 der FFH-Richtlinie erfolgen müssen, so dass eine FFH-Prüfung durchzuführen ist. In FFH-Gebiete darf nur unter bestimmten Voraussetzungen eingegriffen werden, entscheidend ist die Art und Intensität des Eingriffs, sowie die Frage, ob Alternativen zur Verfügung stehen, die dann grundsätzlich den Vorrang haben. Dabei kann sich auch die Frage stellen, inwieweit Parallelstrecken in Anspruch genommen werden können. Das weitere Vorgehen wird zwischen dem Landratsamt Waldshut und dem Regierungspräsidium Freiburg derzeit abgesprochen, insbesondere in welcher Art und Weise eine FFH-Prüfung vollumfänglich oder schwerpunktmäßig durchgeführt werden kann, damit auch geklärt werden kann, unter welchen Voraussetzungen die Baumaßnamen überhaupt möglich sind.

„Das Gefährdungspotential ist aus geologischer Sicht relativ hoch. Die Kosten sind deshalb so hoch, da es sich um eine längere, gefährdete Strecke handelt und die Eingriffe nicht nur punktuell erfolgen können, damit die Verkehrssicherheit wieder hergestellt werden kann“, so

Landrat Dr. Kistler. „Bei so hohen Kosten wird sich immer für den Baulastträger, das Land Baden-Württemberg, die Frage stellen, ob unter Berücksichtigung der Verkehrsfrequenz, der weiteren Unsicherheiten hinsichtlich des finanziellen Aufwandes sowie unter Berücksichtigung der FFH-Relevanz eine derartige Maßnahme begonnen und in der Folge umgesetzt werden kann. Hinzukommen die kostenmäßigen Auswirkungen auf andere dringende Maßnahmen im Landkreis Waldshut, da nur beschränkte Finanzmittel jährlich zur Verfügung stehen und auch in anderen Tälern bzw. im oberen Bereich des Albtals Bau- und Sanierungsmaßnahmen anstehen.“

Mit den Bürgermeistern der Gemeinden, die von der derzeitigen Sperrung besonders betroffen sind (Albbruck, Dachsberg, Görwihl, St. Blasien), wurde die Situation und das weitere Vorgehen heute im Landratsamt ausführlich besprochen. Gemeinsam mit Landrat Dr. Kistler wurde die Auffassung vertreten, dass eine potenzielle dauerhafte Sperrung der Strecke nur die Ultima Ratio sein darf, d.h. alle Maßnahmen der Sanierung zu einem noch darstellbaren Preis scheitern. Insbesondere müsse auch das Thema FFH-Verträglichkeit sauber und transparent aufgearbeitet werden, damit Klarheit bestehe, welche Eingriffe damit verbunden sind, diese Eingriffe noch als vertretbar und genehmigungsfähig dargestellt werden könnten und welche weiteren finanziellen Folgen ggf. daraus resultieren.

„Die Albtalstraße mit ihren Tunneln als Denkmal und Wahrzeichen der Baukunst und der Baufertigkeiten des 19. Jahrhunderts liegt uns alle am Herzen. Wir sind im Ländlichen Raum auf gute Verbindungen zwischen „Tal und Berg“ angewiesen, damit die Gemeinden „auf dem Berg“ nicht abgehängt sind. Jeder Einwohner zählt, jeder Abbau von Infrastrukturen ist ein weiterer Mosaikstein, der den Ländlichen Raum in seinem Bestand und seiner Entwicklung benachteiligt. Auch wenn die verkehrliche Frequenz für eine Landesstraße gering ist, lohnt es sich für den Erhalt der Albtalstraße einzusetzen“, so das einheitliche Votum als Ergebnis der Gesprächsteilnehmer.

Die weitere Abklärung mit dem Regierungspräsidium Freiburg als Straßenbaulastträger und Finanzier wird ergeben, ob damit gerechnet werden kann, dass die Sanierungsmaßnahme umgesetzt werden kann oder auch mit einer dauerhaften Sperrung der Albtalstraße in diesem Abschnitt gerechnet werden muss.

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