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Etrusker - Antike Hochkultur im Schatten Roms

Sie gelten als eines der innovativsten Völker der Antike und haben lange vor den Römern die erste grosse Zivilisation Italiens geschaffen: die Etrusker. In einer umfassenden Sonderschau präsentiert das Museum zu Allerheiligen das faszinierende Volk in seiner ganzen Vielfalt.

Rom war eine noch unbedeutende Siedlung, als die Etrusker im 6. und 5. Jh. v. Chr. in der Blüte ihrer kulturellen Entfaltung standen. Dank üppigen Metallvorkommen, einer blühenden Landwirtschaft und florierendem wirtschaftlichem und kulturellem Austausch mit anderen Mittelmeerkulturen entwickelten sich die Etrusker zu einem der wichtigsten Völker der Antike. Ihr Stammland umfasste die heutigen Provinzen Toskana, Umbrien und nördliches Latium.

Ein Panorama der etruskischen Kultur und Lebenswelt

Die Ausstellung entfaltet auf rund 750 m 2 Ausstellungsfläche ein Panorama der etruskischen Kultur und Lebenswelt. Schmuck, Vasen, Skulpturen und kunstvoll gearbeitete Gebrauchsgegenstände erzählen von weitläufigen Handelsbeziehungen und einer ausgeprägten Festkultur, aber auch von Wahrsagekunst, Totenkult und Ahnenverehrung. Die rund 250 Exponate stammen mehrheitlich aus der museumseigenen Sammlung, die knapp 40 ausgesuchten Leihgaben reisen aus dänischen, deutschen und Schweizer Museen nach Schaffhausen. Verschiedene Medienstationen vertiefen die Informationen zu den sorgfältig inszenierten Exponaten.

Beim Eintritt in die Ausstellung wirft die Marmorbüste des ersten römischen Kaisers Augustus seinen Schatten symbolisch voraus. Sie versinnbildlicht das Aufgehen der etruskischen Kultur im römischen Reich: Im Jahr 27 v. Chr. wird Etrurien offiziell in die römische Verwaltung eingegliedert und die Etrusker, Begründer der ersten Hochkultur Italiens, verschwinden im Dunkel der Geschichte. Hochkarätige Preziosen, aber auch zahlreiche schlichte, bisher nie ausgestellte Alltagsobjekte – etwa verzierte Garnspulen aus Ton – lassen die Besucher in die Welt der Etrusker eintauchen. Dort begegnen siezahlreichen Meisterwerken der etruskischen Metallbearbeitung wie zum Beispiel einem achtteiligen

Kerzenhalter mit Aufsatz in Form eines Pferdebändigers oder dem Griff eines kostbaren Behälters, der in Form eines Satyrn und einer nackten Frau gestaltet ist. Dass die Etrusker zu den begnadetsten Goldschmieden der Antike zählten, beweisen nebst vielen anderen Kostbarkeiten eine goldene Fibel mit Glasbügel oder ein in aufwändiger Granulations-Technik gefertigtes Ohrringpaar.

Ein vergessener Schaffhauser Etruskologe

Aus Kopenhagen nach Schaffhausen reist ein Faksimile einer weltberühmten tarquinischen Grabmalerei. Es entstand 1895 und stammt aus der Hand des vergessenen Schaffhauser Künstlers Enrico Wüscher-Becchi (1855 – 1932), der es innerhalb eines etruskologischen Grabmalerei-Projekts im Auftrag des dänischen Kunstsammlers Carl Jabosen anfertige. Es gehört heute zum Bestand der Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen.

Das Faksimile führt den Besucherinnen und Besuchern nicht nur eindrücklich die Dimensionen der etruskischen Grabmalereien vor Augen. Es ist gleichzeitig auch eine Reverenz an den Schaffhauser Maler, der mit dem Museum zu Allerheiligen auf besondere Weise verbunden ist: Er war es, der in den 1920er Jahren die Umgestaltung des damals baufälligen Klosters in ein Museum anregte.

Der Ausstellung kommt noch eine zusätzliche Bedeutung zu: Erstmals seit 60 Jahren wird in einem Schweizer Museum wieder ein umfassender Einblick in die Kultur der Etrusker geboten. Die letzte grosse Ausstellung zu den Etruskern fand 1955 im Kunsthaus Zürich statt.

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