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Einzigartige Elfenbeinschnitzerei wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert

Das von der Sturzenegger-Stiftung für das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen erworbene filigrane Kunstwerk aus Elfenbein darf zu den schönsten und bedeutendsten Elfenbeindrechslereien des 18. Jahrhunderts gezählt werden. Es stammt aus der Hand des bekannten, in Schaffhausen geborenen Kunstdrechsler Lorenz Spengler (1720-1807). Anlässlich einer Führung präsentiert Kurator Daniel Grütter am Donnerstag, 6. April, um 12.30 Uhr das Meisterwerk erstmals der Öffentlichkeit.

Es darf als ausserordentlicher Glücksfall bezeichnet werden, dass der Sturzenegger-Stiftung Schaffhausen im Herbst 2014 ein einzigartiges tempelförmiges Elfenbeinkunststück zum Kauf angeboten wurde. Dank der Weitsicht des Stiftungsrates gelang es in der Folge dieses filigrane Meisterwerk aus der Werkstatt Lorenz Spenglers (1720-1807) für Schaffhausen zu erwerben. Als Depositum der Sturzenegger-Stiftung ziert es nun nach aufwendigen Vorarbeiten die Dauerausstellung des Museums zu Allerheiligen und mehrt dessen Ruf als Hort einzigartiger Kunstschätze. Mit seinen feingliedrigen, elfenbeinernen Ketten, gerippten und konzentrischen Sphären sowie Blumensträussen stellt das Kunststück ein typisches und zugleich herausragendes Werk von Lorenz Spengler dar.

Der 1720 in Schaffhausen geborene Lorenz Spengler absolvierte ab 1734 eine Lehre beim Kunstdrechsler Johann Martin Teuber in Regensburg. 1739 kehrt er in die Schweiz zurück, hielt sich kurz in Schaffhausen auf, um noch im selben Jahr in Bern als Geselle zu arbeiten. Im Frühjahr 1743 reiste er von Basel aus über Rotterdam nach London. Da er dort kein Auskommen fand, zog er im Schlepptau zweier Künstlerfreunde im Herbst 1743 nach Kopenhagen weiter, wo er für den Rest seines Lebens sesshaft blieb. Schnell erhielt Spengler eine Anstellung, machte durch seine Arbeit auf sich aufmerksam und besass ab Mai 1744 Zugang zum dänischen Hof.

Im Februar 1745 ernannte ihn König Christian VI. (1699-1746) zum Hofkunstdrechsler. Zu Spenglers Tätigkeiten gehörten vor allem das Unterrichten der königlichen Familie in der Kunst des Drechselns sowie das Anfertigen von kostbaren Elfenbeinkunststücken für die Kunstkammer. Den Höhepunkt seiner beruflichen Karriere bildete die Ernennung zum Leiter der Königlichen Kunstkammer 1771.

Lorenz Spengler war es ab den 1740er Jahren gelungen, sich am dänischen Hof als Meister seines Fachs zu etablieren. Der Schaffhauser Johann Conrad Fischer (1773-1854) resümierte 1794 anlässlich eines Besuchs bei seinem Grossonkel Lorenz in Kopenhagen: «Von einem [….] armen Drechslergesellen wurde er nach und nach durch seine grossen Talente und seinen unermüdlichen Fleiss [….] Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften in Europa. Er genoss die Gunst aller Könige unter denen er gelebt.»

Das neu erworbene höfische Kunststück besitzt die Form eines zweigeschossigen Rundtempels und ruht auf sechs geriffelten Kugelfüsschen. Das untere Geschoss tragen dünne, sich nach oben windende Stäbe, während die schmalen Säulen des zweiten Geschosses durch miniaturisierte Wendetreppen verstärkt sind. In der Mitte jedes Geschosses steht jeweils eine Vase mit farbig gefassten Blüten und Gräsern. Überall sind durchbrochene Kugelelemente angebracht: gerippte Sphären und dünne Scheiben, die sich kugelförmig um eine zentrale Achse anordnen. Diese phantasievollen Gebilde verzieren die zwei Böden und das Gebälk des Tempels. Sie hängen aber auch an äusserst dünngliedrigen Elfenbeinketten zwischen den Säulen. Sieht man sich das erste Geschoss genauer an, so zeigt sich, dass ähnliche kugelförmige Scheibenelemente zwischen den gedrehten Säulenstäben stehen beziehungsweise als bewegliche Glieder herabhängen. Über dem zentralen Blumenstrauss erhebt sich ein halbkreisförmiges Dach im Flechtkorbmuster, das von dem kreisförmigen Gebälk und sechs kleinen Voluten getragen wird. Als Krönung dient wiederum eine hochgestellte, durchbrochene Kugel mit konzentrischen Sphären, eine sogenannte Contrefaitkugel. Diese Kugel ist mit erhabenen Blüten bereichert, die aus den Zwickeln der durchbrochenen Sphären spriessen.

Dass es sich bei dieser Elfenbeindrechslerei um ein Werk von Lorenz Spengler handelt, belegt die stilistische und kompositorische Verwandtschaft zu den wenigen signierten Werken des Künstlers. So finden sich etwa immer wieder feingliedrige Elfenbeinketten und volutenartige Gebilde als Gestaltungselemente. Ebenfalls typisch scheint das Korbflechtmuster, mit dem das Dach des Rundtempels verziert ist.

Das von der Sturzenegger-Stiftung für das Museum erworbene Tempelchen ist nun neu und prominent in die Dauerausstellung integriert. Es ergänzt die bereits ausgestellten Elfenbeinarbeiten Spenglers. Schaffhausen besitzt hiermit die bedeutendste Sammlung an Drechselarbeiten Spenglers ausserhalb Dänemarks. Anlässlich einer Führung präsentiert Kurator Daniel Grütter am Donnerstag, 6. April, um 12.30 Uhr das Meisterwerk erstmals der Öffentlichkeit.

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