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„Das Glücksgefühl fließt in die Musik“

Albert Würsch, 44, aufgewachsen in Guatemala und der Schweiz,  ist der Kopf der Band „Al-Berto & The Fried Bikinis“. Der Elektrotechnik Ingenieur ist jeweils ein halbes Jahr auf Reisen, zum Surfen oder zum Bouldern. Dort am rauschenden Meer oder in spannender Höhe mit bester Aussicht entsteht seine Musik, die nichts anderes ist, als die Wiedergabe des jeweiligen Glücksmoments.

Interview mit mit dem Guatemala-Schweizer Albert Würsch von „Al-Berto & The Fried Bikinis“ anlasslich des Folktreff Bonndorf

Beim Folktreff spielt am 23. Februar eine Band namens „Al-Berto & The Fried Bikinis“, die mit dem Guatemala-Schweizer Albert Würsch an der Spitze reine Urlaubsstimmung verbreitet, heißt es beim Folktreff. Wir haben uns mit dem Band-Leader Ihre Band heißt Al-Berto And The Fried Bikinis. Wie sind Sie darauf gekommen?
Während eines Surftrips im 2006 haben wir beim Kochen mit lustigen Band Namen rumgespielt, dabei ist der Ausdruck 'Kentucky Fried Bikini' gefallen. Wir mussten lachen, da wenn man den Namen ausspricht, ein guter Rhythmus mitschwingt. Al-Berto wurde ich von meinem Bassisten getauft, als er meine ersten Demos gemastered hat. Als er eine Hülle für die Master CD suchte, fand er eine, die mit 'All Stars' beschriftet war. Er hat kurzerhand mit wasserfestem Filzstift daraus 'Al-Berto' gemacht. Bikinis beschreibt einerseits das Bikini Atoll, da es bekanntlich durch Atomtests frittiert wurde. Es beschreibt aber auch unsere Songs. Wie das Kleidungsstück, werden die Songs auf das Minimum reduziert.

Wer seid Ihr und wenn ja wie viele?
In Bonndorf sind wir zu viert unterwegs: Beat Barmettler, Bass und Gesang (The Toenails), Raphael Walker, Gitarre (Pas de Roi) Roli Würsch, Schlagzeug und Gesang (The Hydden), Albert Würsch, Gitarre und Gesang . Unser Mischer Erich Schneider wird leider nicht dabei sein, da er treu nach unserem Motto auf Reisen ist.

Seit wann gibt es die Band?
Unser erstes Konzert als Fried Bikinis haben wir 2006 gegeben. Damals noch mit einem Schlagzeug Computer, durch unseren Bassisten Barmy per Fusspedal bedient. Düla spielte die Melodie Gitarre. Beide spielten damals in der Stoner Rock Band 'The Toenails'. In den ersten Jahren haben viele Freunde aus anderen Bands geholfen, die Songs live zu spielen. Wenn es terminliche Überscheidungen gab, sprang dann ein anderer Freund ein. So hatten wir während zwei Jahren zwei Schlagzeuger und drei Gitarristen um alle Konzerte abzudecken. Seit etwa sieben Jahren spielen wir in der jetzigen Formation.

Sie hegen einige Leidenschaften. Was ist die größte?
Die größte Leidenschaft ist jeweils diejenige, welche ich gerade ausübe. Am Meer ist es das Surfen, auf der Bühne die Musik, bei der Arbeit das Lösen von Software Herausvorderungen und zuhause in den Bergen ist es das Klettern draußen am Fels.

Was hat Ihre Musik mit Ihren sportlichen Aktivitäten zu tun?
Die Bilder und das Glücksgefühl fließen zurück in die Musik. Manchmal in den Texten, häufig in den Melodien. Während einem Konzert, wenn alles zusammenpasst und wir als Band im Flow sind, dann macht es Spass wie wenn ich eine Welle runter brettere, dann kommt das Feeling rüber.

Wieviel Zeit im Jahr verbringen Sie mit Surfen und Klettern?
Ich habe das Glück sechs Monate pro Jahr Surfen oder Klettern gehen zu können. Aber eigentlich Klettere oder Surfe ich das ganze Jahr. Denn wenn ich zuhause am Arbeiten bin, kann ich zwei bis drei Mal pro Woche draußen klettern gehen.

Wie würden Sie für Nicht-Surfer Ihre Musik denn beschreiben?
Ferien-Musik! Wer an unsere Konzerte kommt, wird sich sofort im Ferienstimmung wieder finden. Die Songs sind abwechslungsreich, mal Spanisch mal Englisch gesungen. Man kann gemütlich dazu was trinken oder tanzen.

Wie entstehen Texte und Melodien?
Auf 1000 unergründlichen Wegen. Eine Theorie ist, dass Songs seltene Wesen sind, welche aus Melodie und Text bestehen. Sie leben an ganz speziellen Orten wo man nur zufällig während Surf oder Klettertrips hinkommt. Einige dieser Songs wollen ebenfalls die Welt erkunden und so passiert es, dass sie sich dann in die Ohren der Musiker schleichen um dann mit Ihnen die Welt zu bereisen.

Würden Sie sich als Freak bezeichnen?
Hahaha. Ist das eine Anspielung auf den Song "We are the outlaws, we are the freaks?" Ich selber würde mich nicht Freak nennen. Verstehe aber, wenn andere mich so wahrnehmen, wenn sie von meiner Lebensweise hören. Als Person falle ich aber bestimmt nicht auf, bin eher vom Typ 'der freundliche Nachbar'.

Wie schaffen Sie es mit, diesen Leidenschaften wirtschaftlich durchzukommen?
Viele denken, ich verdiene Geld mit der Musik, aber ich kann gerade mal die Produktionskosten der Alben damit decken. Ein großer Faktor ist das Glück. Das Glück diese Leidenschaften überhaupt zu haben, das Glück, dass meine Partnerin die gleichen Leidenschaften hat, das Glück, bei der coolsten Firma der Welt, bei Bsi-Software, zu arbeiten. Nach jedem Trip freue ich mich, dort wieder Software zu entwickeln. Wenn wir lange weg sind, können wir die Wohnung untervermieten. Auf diese Weise haben wir unter dem Strich gleich oder weniger Kosten als wenn wir in der Schweiz sind.

Sie kommen viel herum in der Welt. Hat das Ihre Sicht auf die Dinge sehr verändert?
Nicht wirklich. Ich hatte das Glück in zwei Kulturen aufzuwachsen (Guatemala und Schweiz). Von früh auf konnte ich lernen, verschiedene Kultur Brillen zu tragen. Als Kind geht das irgendwie automatisch. Später auf den Reisen lernte ich neue Kulturen kennen und sah die gleichen Unterschiede, die ich schon kannte, in einer anderen Form.

Wenn Sie sich als Schweizer zum vollkommenen Auswandern entschließen würden. Wohin würden Sie gehen?
West Australien, wegen den Wellen und des Lifestyles. Die perfekte Mischung zwischen der Schweiz und Guatemala.

Gibt es Themen, die Ihnen wichtig sind, außer Sport und Musik?
Ich lese gerne Sachbücher über Psychologie, Wissenschaft und Software. Mein lieblings Podcast ist Dr. Karl auf Radio Triple J (Australien). Da können die Hörer wissenschaftliche Fragen stellen und er versucht sie zu beantworten, oder geht den Fragen nach. Nicht unwichtig dabei ist der australische Groove in der Sendung. Dann höre ich fast jeden Tag das 'Echo der Zeit', meine Lieblings Schweizer Radio Sendung. Sie besteht aus den normalen Nachrichten plus 30-40 Minuten sehr gut recherchierten Beiträgen mit Hintergründen zu den Tagesgeschehen.

Worüber können Sie sich richtig aufregen?
Über mich. Wenn ich eine Situation falsch eingeschätzt habe und sie nicht verstehe und mich dabei ohnmächtig fühle.

Worüber wirklich lachen?
Über das Leben. Über mich und meine Fehler am liebsten. Über den Hund meiner Schwester.

Ihre Konzerte: Hat sich ein bestimmter „Fantypus“ herauskristallisiert?
Ich glaube diesen Fantypus gibt es für unsere Musik nicht wirklich. Unser Publikum ist meistens bunt durchmischt, egal welches Alter, Mann oder Frau, mit oder ohne Kinder. Regelmässige Konzertgänger oder Ausgeh-Muffel.

Was war das netteste Kompliment, das Sie über Ihre Musik gehört haben?
Am schönsten finde ich die glücklichen Gesichter, welche gespannt zu schauen und hören.

Tags: Folk, Musik

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