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Machbarkeitsstudie empfiehlt Brasilien Aufbau einer Solarproduktion

Foto: Fotolia / Matyas Rehak.

Solar Cluster untersuchte mit Partnern Idee einer CO2-freien Herstellung von Photovoltaikmodulen.

Eine Photovoltaik-Produktion in Brasilien ist wirtschaftlich aussichtsreich, technisch umsetzbar und auch sozial-ökonomisch vorteilhaft. Zu diesem Schluss kommt eine Machbarkeitsstudie aus Baden-Württemberg. Der Aufstieg in die Liga der Solarhersteller könnte für das derzeit krisengeplagte Brasilien eine konjunkturelle Belebung bedeuten, zumal der lateinamerikanische Solarmarkt boomt, heißt es in der Untersuchung. Das nötige Investitionsvolumen für die Solarfabrik an der Grenze zu Paraguay beträgt demnach umgerechnet 1,3 Milliarden Euro.

5.500 zukunftsfähige Arbeitsplätze könnten entstehen und noch einmal weitere 5.900 Jobs in der Zulieferindustrie. Hergestellt werden sollen die Solarmodule völlig CO2-frei – mit Hilfe von Ökostrom aus einem nahe gelegenen Wasserkraftwerk. Für die Expertise aus dem Südwesten Deutschlands hatten sich die Branchenvereinigung Solar Cluster Baden-Württemberg und drei Forschungsinstitute aus dem Land zusammengetan.

Der Auftraggeber für die Studie im Rahmen des Projektes „Green Silicon“ sind der brasilianisch-paraguayische Energieversorger ITAIPU und der Industrieverband FIEP. Hintergrund ist der mit hohen zweistelligen jährlichen Wachstumsraten emporstrebende lateinamerikanische Solarstrommarkt. Die hier entstehende Wertschöpfung will sich die brasilianische Industrie nicht entgehen lassen. Den ersten Schritt machte das Projekt mit einer Anfrage an das Solar Cluster Baden-Württemberg im Jahr 2013. Ende des darauffolgenden Jahres startete das südwestdeutsche Expertennetzwerk aus Forschung und Wirtschaft die Untersuchung. Nach einem guten Jahr ist sie nun abgeschlossen.

Module made in Brasil

In seiner maximalen Ausbaustufe umfasst der Plan die Errichtung einer Solarfabrik mit einer Produktion von jährlich gut 1.700 Megawatt im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Brasilien. Die gesamte Wertschöpfungskette von der Siliziumherstellung bis hin zur Produktion von Solarmodulen soll in dem Photovoltaik-Großprojekt abgedeckt werden. CO2-frei wird die Produktion durch das nebenan gelegene brasilianisch-paraguayische Wasserkraftwerk ITAIPU. Es ist das Wasserkraftwerk mit der weltweit größten Jahresenergieproduktion. Die Solarmodule lassen sich mit einem Bruchteil des dort erzeugten Ökostroms völlig kohlenstoffdioxidfrei produzieren.

Das Ergebnis der Studie aus dem Südwesten: Sowohl die in der Photovoltaikfabrik hergestellten Solarzellen und Module als auch das Silizium selbst wären weltweit wettbewerbsfähig. Der Strom aus dem Wasserkraftwerk ist mit umgerechnet weniger als 5 Cent pro Kilowattstunde besonders günstig – für die stromintensive Silizium-Produktion ist das ein großer Wettbewerbsvorteil. Positiv zu werten ist auch die gut ausgebaute Infrastruktur inklusive Technologiepark in der Umgebung sowie der ausgezeichnete Zugang zu dem lokalen und dem gesamten südamerikanischen Markt, so die Untersuchung. Brasilien und Paraguay würden von neuen Arbeitsplätzen, steigenden Steuereinnahmen, mehr lokaler Wertschöpfung, einem verstärkten Technologiezufluss in die Region inklusive dem Ausbau von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen profitieren. Die Region könnte sich rasch zum Zentrum der Solarbranche in Südamerika entwickeln.

Die Autoren der Studie schlagen vor, die Kapazität der Photovoltaik-Fabrik an den Markt anzupassen. So werden die Investitionen reduziert und Überkapazitäten vermieden, zudem gibt es mehr Zeit, die Beschäftigten auszubilden. Der Nachteil höherer Modulpreise bei einer anfangs noch recht kleinen Produktion kann der Studie zufolge von den brasilianischen „Local Content“-Regelungen aufgefangen werden. Käufer brasilianischer Produkte erhalten von der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES eine günstigere Finanzierung. Wächst die lateinamerikanische Nachfrage in den folgenden Jahren wie prognostiziert weiter, könnte die Solarfabrik schrittweise vergrößert werden und die Stückkosten entsprechend sinken, so die Autoren.

Solarexperten aus dem Südwesten erstellten Studie

Beteiligt an der Studie waren die Solar-Cluster-Mitglieder Fraunhofer IPA, Fraunhofer ISE und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Das Solar Cluster Baden-Württemberg koordinierte die Arbeiten, beteiligte sich an der Marktanalyse und fasste die Ergebnisse zusammen. „Wird die Solarfabrik realisiert, gibt es sicher den einen oder anderen Auftrag für Know-how aus Baden-Württemberg an eines unserer Mitglieder“, sagt Solar-Cluster-Geschäftsführer Carsten Tschamber.

Tags: Regenerativ, Solar

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