Regionalportal und Internetzeitung für Pressemeldungen!

 

Nah- und Fernwärmenetze 3.0

Technische Fortschritte, höhere Förderung und Initiativen sollen Wärmewende voranbringen

Kompetenzzentrum Wärmenetze der KEA: Neue Entwicklungen helfen dem klimafreundlichen Strukturwandel.

Haushalte, die an ein Wärmenetz angeschlossen sind, müssen sich nicht um ihre Heizungsanlage kümmern und profitieren in vielen Fällen von günstigen Wärmekosten. Die höhere Energieeffizienz durch die mögliche Nutzung von Abwärme und erneuerbarer Energien schont außerdem das Klima. Technische Fortschritte können die leitungsgebundene Wärmeversorgung jetzt weiter voranbringen, berichtet das Kompetenzzentrum Wärmenetze der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Dreifach gedämmte Stahl-Doppelrohre etwa, die erst kürzlich auf den Markt gekommen sind, reduzieren die Wärmeverluste gegenüber konventionellen Rohren auf die Hälfte und sparen Betriebskosten. Bessere Steuerungs- und Regelungstechniken sowie eine größere Temperaturspreizung minimieren die Netzverluste zusätzlich. Das kommt den angeschlossenen Haushalten und den Betreibern neuer Wärmenetze zugute. Eine bessere Förderung seit diesem Jahr senkt im Süd-westen zudem die Investitionskosten.

Mehr Informationen: www.energiekompetenz-bw.de/waermenetze.

Wärmenetze können erneuerbare Energien, energieeffiziente Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärme kostengünstig integrieren. Sie sind daher besonders geeignet, die Energiewende auch im Wärmesektor umzusetzen. Den Beteiligten bieten sie viele Vorteile: „Hauseigentümer müssen sich nicht um ihre Heizungsanlage kümmern, sind weniger abhängig von Preissteigerungen bei fossilen Energieträgern und zahlen, wenn richtig geplant wird, geringere Wärmepreise“, so Helmut Böhnisch, Leiter des Kompetenzzentrums Wärmenetze. „Kommunen erhöhen ihre Versorgungssicherheit und halten die Wertschöpfung im Ort, für Energieversorger ist die langfristige Kundenbindung interessant.“

Technische Verbesserungen reduzieren Wärmeverluste und Kosten

Jüngste technische Fortschritte könnten die Wärmenetze künftig attraktiver machen und den Anteil der Fernwärme am Endenergieverbrauch der deutschen Haushalte von bisher sechs Prozent steigern. Mit dreifach gedämmten Stahl-Doppelrohren beispielsweise, die seit kurzem von den Herstellern angeboten werden, lassen sich gegenüber Stahl-Einzelrohren mit Standarddämmung 54 Prozent Wärmeverluste einsparen. Die Energie- und Kosteneinsparung erfolgt langfristig, da Wärmenetze aus Stahlrohren eine Lebensdauer von 40 oder sogar 50 Jahren aufweisen.

Auch bei der Steuerungs- und Regelungstechnik hat sich zuletzt einiges getan. So lässt sich der hydraulisch bisher als schwierig eingeschätzte Betrieb von Wärmenetzen mit mehreren Einspeisepunkten oder mit dezentralen Pufferspeichern durch Einsatz moderner Regelungstechnik mittlerweile gut beherrschen. Dadurch ist es möglich, die Rohrleitungsquerschnitte zu reduzieren. Das spart Material, senkt die Netzverluste und verringert die Kosten.

Ein Forschungsprojekt, das die Hochschule München in Kooperation mit den Stadtwerken München durchgeführt hat, brachte ebenfalls gute Ergebnisse. Dort konnte die Rücklauftemperatur von Hausstationen in Mehrfamilienhäusern sehr deutlich reduziert werden. Im Rahmen des Projekts wurden Anlagen zur Trinkwarmwasserbereitung in Mehrfamilienhäusern optimiert. Die von der Hochschule entwickelten Anlagen schaffen es trotz Zirkulation, Rücklauftemperaturen im Bereich zwischen 16 und 30 Grad Celsius zu erreichen. Bislang waren oft 50 bis 60 Grad üblich. Ist die Differenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur, die sogenannte Temperaturspreizung, größer, kann mit weniger Pumpstrom mehr Energie transportiert werden und sowohl die Netzverluste als auch die Kosten sinken.

Förderung ist gestiegen, regionale Initiativen gründen sich

Die staatliche Förderung erleichtert die Finanzierung von Wärmenetzen enorm: Der Bund bietet zinsgünstige Darlehen der KfW und Tilgungszuschüsse an. Das Land Baden-Württemberg gibt für den Ausbau der Wärmenetzinfrastruktur seit diesem Jahr insgesamt 8,8 Millionen Euro Fördergeld hinzu. Investitionen von Landkreisen, Städten und Gemeinden etwa werden vom Land mit bis zu 400.000 Euro unterstützt. Hinzu kommen Gelder für regionale Netzwerkinitiativen und Klimaschutzteilkonzepte mit dem Schwerpunkt Wärmenetze. Das Förderprogramm soll mit dazu beitragen, den Anteil erneuerbarer Wärme von heute 14 Prozent auf 21 Prozent im Jahr 2020 anzuheben.

Die Nachfrage ist hoch. In den ersten beiden Antragsrunden bewilligte das Land von 22 Anträgen insgesamt elf. Unter anderem werden mit dem Förderbetrag von insgesamt 1,72 Millionen Euro sieben Bioenergiedörfer unterstützt, in denen überschüssige Wärme aus bestehenden Biogasanlagen in neu errichtete Nahwärmenetze eingespeist werden soll. Damit ist ein weiterer kleiner Schritt getan, die mangelnde Effizienz vieler Biogasanlagen, in denen bisher nur der Strom genutzt wird, zu verbessern.

Nicht zuletzt bringen engagierte regionale Initiativen den Ausbau der Wärmenetze in Städten und Gemeinden voran. In Baden-Württemberg etwa gibt es inzwischen acht solcher Initiativen, drei weitere stehen vor ihrer Gründung. Sie erhalten vom Land eine finanzielle Förderung über einen Zeitraum von drei Jahren. Das Kompetenzzentrum Wärmenetze unter dem Dach der KEA führt die Arbeit der regionalen Initiativen in einem landesweiten Netzwerk zusammen. Damit können Personalkapazität und Ressourcen gebündelt und die Wirksamkeit insgesamt erhöht werden.

Wärmenetze: So selbstverständlich wie Abwasserleitungen

Die jüngsten technischen und finanziellen Fortschritte werden die klimafreundliche Wärmeversorgung ein gutes Stück voranbringen, glaubt Helmut Böhnisch. „Wärmenetze könnten künftig in den Kommunen so selbstverständlich werden wie die Abwasserleitungen – hier besteht ja auch niemand auf eine eigene Kläranlage im Keller.“

Tags: Regenerativ

Kommentare powered by CComment

1. Fotoausstellung würdigt die ältesten Hochschwarzwälder

Jan 25, 2019
Hochschwarzwälder
- „Hoch leben die Wälder“ Nirgendwo in Deutschland können Menschen auf ein längeres Leben hoffen als im Hochschwarzwald. Diesen statistischen Befund nimmt die Hochschwarzwald Tourismus GmbH zum…

Wie ernst ist es den Parteien mit dem Klimaschutz?

Mai 07, 2019
Freitagsproteste
Wahlprüfsteine der „Parents for Future“ sollen vor der Europawahl Aufschluss geben Seit 2018 demonstriert die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg für eine konsequentere Klimapolitik. Die von…

Gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirtschaft ist beispielhaft.

Mär 27, 2019
 Michael Kaufmann, Hanspeter Bachthaler, Josha Frey.
In Inzlingen besteht seit gut 30 Jahren eine selbst verwaltete Jagdgenossenschaft, d.h. dass alle bejagbaren Flächen der Gemeinde ein Jagdbezirk bilden, in dem aktuell vier Jagdpächter zusammen mit…

Bildvortrag mit Erzählungen von Nadine Kiefer

Mai 13, 2019
Nadine Kiefer mitten im Canyon
Weltnomadin auf Reisen - 15 Monate um die Erde (Teil II) Wehe — Nadine Kiefer aus Gersbach machte sich im September 2014 auf zu einer Weltreise: 15 Monate durch über 16 Länder nur mit einem kleinen…

NEIN zum Neubau «Naturhistorisches Museum und Staatsarchiv»

Apr 12, 2019
Konzeptlos – Überteuert – Verfehlt: An einer Pressekonferenz hat sich heute das Überparteiliche Komitee «Nein zum Neubau!» der Öffentlichkeit präsentiert. Das breit abgestützte Komitee, mit…

Wasserrettung

Feb 02, 2019
Wasserrettung
Alarmiert zu einer Wasserrettung wurden Feuerwehr, DLRG, Polizei und der Rettungsdienst am Freitagmorgen, nachdem ein Zeuge eine Person im Seerhein entdeckt hatte. Vor Ort wurde festgestellt, dass…

se:fit bringt Bewegung ins Büro

Feb 26, 2019
se:fit für Mobilität im Büroalltag
Dogern (Landkreis Waldshut) – Bewegung ist nicht nur gut für den Körper, Bewegung beflügelt auch den Geist. Sedus se:fit ermöglicht vitales, aktives Sitzen und Lehnen – am Stehpult, am Schreibtisch…

»FinsterWald – Finde Deinen Weg durch den Märchenwald zur magischen Lichtung«

Feb 01, 2019
Finsterwald (c) GRIMMWELT Kassel
Die GRIMMWELT Kassel eröffnet am 10.04.2019 die Märchenwald-Ausstellung »FinsterWald«. In der multimedialen Rauminstallation können Besucher nachempfinden, wie sich die Helden aus Grimms Märchen…

Die Hauptstadt der Region Grand Est entdecken

Jun 05, 2019
Jo Berlien, Sabina Paries 111 Orte in Straßburg, die man gesehen haben muss Mit zahlreichen Fotografien von Sabina Paries Broschur Köln: Emons Verlag 2019 ISBN 978-3-7408-0576-0 240 Seiten € [D] 16,95 € [A] 17,50
In welchem ehemaligen Pferdestall kann man vorzüglich essen? Wo versteckt sich das weltgrößte Voodoo-Museum? Und in wel- chem Konsulat kann man übernachten? Es gibt ein Straßburg jen- seits von…

Insekten, Windräder & die Interessen der Agrochemie-, Kohle- & Atomlobby

Apr 02, 2019
Windräder
Eine neue Studie des DLR besagt, dass pro Jahr möglicherweise ca. 1.200 Tonnen Insektenbiomasse in Deutschland an Windrotoren verloren gehen. "Die aufgrund vereinfachter Annahmen hochgerechnete Zahl…

Schweizer Botschafter zu Gast bei den Landräten der Region

Feb 07, 2019
Der schweizer Botschafter
Die deutschen Grenzregionen haben eine besondere und enge Beziehung zur Schweiz. Diese Sonderstellung wurde am Donnerstag unterstrichen durch den Besuch des Schweizer Botschafters in Berlin, Dr. Paul…

Azteken - Vortrag im Museum zu Allerheiligen im Februar

Feb 07, 2019
Sonnenstein
Donnerstag, 28. Februar 2019, 18:30 Uhr im Museum zu Allerheiligen SchaffhausenMenschenopfer bei den Azteken - alte Riten oder moderne Mythen?mit Dr. Peter Hassler, Altamerikanist in St. Gallen Immer…
Immobilien am Hochrhien
Jun 21, 2018 2612

Immobilien am Hochrhein

Das Topthema seit langen Zeiten ist das Wohnen zwischen Basel und Konstanz. Wohnen und…
Megaphone
Aug 23, 2018 12088

Ihr Artikel bei uns!

Weit gestreute Pressemeldungen und Inhalte bleiben im Trend. Schließlich kann man die…
Content Rakete
Aug 09, 2017 7313

Web-Content & Web-System

Medienkompetenz nicht nur für das Regionalportal! Werben Joomla & Co auch mit…
joyetech-ego-aio-silber
Mai 12, 2019 2434

Sind POD-Systeme die Zukunft der E-Zigarette?

Klein, handlich und komfortabel in der Anwendung - das sind die Eigenschaften, mit denen…
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok