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Moderne Gesundheitsversorgung überwindet (Gemeinde-)Grenzen!

Kommentar zu den Bürgerinformationsveranstaltung über die Zukunft der Krankenhausversorgung im Landkreis Konstanz

Nachdem weitgehende Einigkeit darüber herrscht, dass das Klinikum Konstanz als ein Standort des Gesundheitsverbundes erhalten bleiben dürfte, bleibt die Frage offen, ob ein weiteres Zentralkrankenhaus für den restlichen Landkreis im Hegau entstehen wird – am bisherigen Platz am Rande von Singen oder an einer gänzlich anderen Stelle.

Zwischen Radolfzell, Engen und Gottmadingen scheint viel möglich. Die Städte haben unterschiedliche Faktoren, die für eine Ansiedlung eines zweiten Kreiskrankenhauses sprechen würden. Von der Verkehrsanbindung von Radolfzell an die B33 und die Bahnlinie einerseits, die möglichen Freiflächen Richtung Hochrhein oder die Versorgungssicherheit für den nordwestlichen Kreis und die dortige Bevölkerung anderseits, die bisher längere Fahrtstrecken für eine stationäre Behandlung auf sich nehmen musste. Bestehende Infrastruktur am Hohentwiel würde wiederum den Singenern in die Hände spielen. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht vergessen, dass das Gesundheitssystem als Ganzes im Wandel ist.

Sektorenübergreifende Behandlung und alternative Formen der Patientenabsicherung: Möglicherweise können einige Gemeinden im Landkreis zufrieden gestellt werden, indem man ihnen interdisziplinäre Versorgungszentren in Aussicht stellt und das Konzept von medizinischen Ambulanzeinrichtungen eröffnet, welche zumindest auch eine teilstationäre Behandlung sicherstellen könnten und daneben die elektive Therapie garantieren. Die Akutversorgung muss gewährleistet bleiben. Das heißt, dass jeder Bürger im Kreis Konstanz innerhalb von maximal 30 Minuten in ein Krankenhaus gebracht werden kann, das eine grundlegende Notfallbehandlung bietet und im Zweifel auch bei Staus und Verkehrsüberlastung zügig ansteuerbar ist. Natürlich muss über die Kreisgrenzen hinaus gedacht werden.

Auf eine etwaige Sicherstellung der Versorgung durch anliegende Schweizer Krankenhäuser dürfen wir nicht bauen, sie bleiben bei der Regelbetreuung für baden-württembergische Patienten unberücksichtigt. Gleichsam muss überlegt werden, inwieweit die Kooperation nach Tuttlingen, Sigmaringen, Donaueschingen und Waldshut intensiviert wird. Das bedeutet keinesfalls, dass sich Konstanz zulasten der anderen Landkreise zurücklehnen und sich auf deren medizinische Präsenz verlassen kann. Allerdings wird es fortan immer häufiger Synergien bedürfen, bestimmte Fachrichtungen und Abteilungen werden nicht mehr in allen Krankenhäusern im Südwesten bestehen bleiben. Die Zusammenarbeit mit anderen Häusern ist ein elementarer Bestandteil zukunftsfähiger Gesundheitsversorgung, die innovativ und ohne Scheuklappen zu denken ist. Keinesfalls darf der hiesige Verbund dem Zuspruch des Landessozialministers verfallen, der sich für einen Rückbau der

Kliniken in der Peripherie ausspricht und Einrichtungen mit geringer Bettenzahl offenbar schnellstmöglich schließen will. Dass das Radolfzeller Krankenhaus nicht mehr rentabel gewesen ist und daher dem Rotstift zum Opfer fällt, war weitgehend erwartbar. Trotzdem ist die Stadt als geografischer Mittelpunkt des Kreises weiterhin idealer Standplatz für eine Gesundheitseinrichtung, deren Ausgestaltung auch der Phantasie der Bürger überlassen bleibt. Insofern begrüße ich die Veranstaltungen zur Information der Bevölkerung, denn „Brainstorming“ kann angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die Krankenhauslandschaft in ganz Deutschland steht, keinesfalls schaden. Vielmehr ist es Chance, bisher Unmögliches zu realisieren.