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  • 20. Januar 2011

Richtige Weichen für die Zukunft der Pflege stellen

Von DIHK

Die Zeit für einen Umbruch in der Pflege drängt: Der demografische Wandel wird spürbar, Fachkräfte werden knapp - die Altersstruktur in der Gesellschaft verschiebt sich. Künftig gibt es mehr Ältere, die im Pflegefall von weniger jungen Menschen gepflegt werden müssen. Damit kommen gleich mehrere Baustellen auf die Tagesordnung.

Die Basis muss stabil sein
Eigentlich weiß es jeder: In die Soziale Pflegeversicherung werden weniger Leute einzahlen, aber mehr Leute werden Leistungen erhalten. Die Versicherten werden mit immer höheren Beiträgen belastet, die Lohnzusatzkosten werden steigen und damit den Arbeitsmarkt unter Druck setzen. Ein wichtiger Reformschritt steht dazu bereits im Koalitionsvertrag: es soll eine individuelle, verpflichtende, ergänzende Kapitaldeckung geben. Denn künftige Beitragszahler werden die Kosten nicht alleine stemmen können. Wenn dann noch die Beiträge von den Löhnen entkoppelt werden, und pauschale Pflegeprämien mit einem sozialen Ausgleich erhoben werden, wäre viel geschafft.

Arbeiten und pflegen – Flexibilität ist nötig
Gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels kann Deutschland es sich kaum leisten, dass Beschäftigte über einen längeren Zeitraum ihre Arbeit aufgeben, um Angehörige zu pflegen. Betriebe und Mitarbeiter werden daher ein Interesse daran haben, Pflegeaufgaben mit Berufstätigkeit zu kombinieren. Gerade für pflegende Angehörige ist es häufig wichtig, ein ausgleichendes Element neben der anstrengenden Pflege zu haben. Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gibt es viele gute Ansätze, die es bekannter zu machen gilt. Die Zahl der Betriebe, die flexible Arbeitszeiten bieten, finanzielle Zuschüsse zahlen oder auch einen Tagesplatz in einer Pflegeeinrichtung buchen, wächst, und andere können hiervon lernen. Wichtig ist, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, die beiden Seiten gerecht werden.

Kreativität nicht bremsen
Mit dem Vorhaben der Familienpflegezeit droht hingegen unnötige Regulierung. Die Regierung arbeitet an einem Gesetzesentwurf, der vorsieht, dass Mitarbeiter in Betrieben ab 16 Beschäftigten zur Pflege eines Angehörigen für zwei Jahre bei halber Arbeitszeit 75 % des Lohns erhalten können. Anschließend soll dieser „Lohnkredit“ bei voller Arbeitszeit und reduziertem Lohn abgegolten werden. Weitreichender Kündigungsschutz, unklare Anspruchsvoraussetzungen und neue Bürokratie – im Wesentlichen gibt es Belastungen für die Betriebe. Der großen Vielfalt der unterschiedlichen Situationen bei Unternehmen und Beschäftigten – je nach Betriebsgröße, Branche, persönlicher Situation der Beschäftigten etc. – kann der Vorschlag dabei nicht gerecht werden. Und: Gesetzliche Vorgaben bremsen das Engagement und die Kreativität der Betriebe – und die wird bei diesem Thema besonders dringend benötigt.

Hausaufgaben für alle
Die Politik muss den im Koalitionsvertrag vorgezeichneten Weg zur Stabilisierung der Pflegeversicherung auch tatsächlich gehen – ergänzende Kapitaldeckung ist dringend notwendig – gerade weil die vielen künftigen Pflegebedürftigen angemessen versorgt werden sollen. Die Politik muss auch erkennen, dass Betriebe nicht die „Ausputzer der Nation“ sein können, die die großen gesellschaftlichen Umbrüche auffangen. Die Unternehmen ihrerseits werden aber auch mehr als bislang erkennen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben hilft, Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen. Dieser Antrieb wird für wichtige Umbrüche und Entwicklungen sorgen.


Ressort: Uncategorised