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31. Oktober 2011
Akademische Jahrfeier dokumentiert dynamische Entwicklung der HTWG
Zukunftsweisende Studiengänge, beeindruckende Erweiterungen und Studierende, die hervorragende Leistungen erbrachten: Hochschulangehörige und Gäste – darunter Minister Peter Friedrich - blickten bei der Akademischen Jahrfeier der HTWG zurück wie auch in die Zukunft: Festredner Thomas Sigi, Vorstandsmitglied der Audi AG und Hochschulratsvorsitzender, stellte die Anforderungen an Führungskräfte von morgen vor.
4279 Studierende zählt die Hochschule Konstanz im Wintersemester 2011/12 – mehr als je zuvor. Eine Rekordzahl jagte beim Jahresrückblick von HTWG-Präsident Dr. Kai Handel die andere: Mehr als 6000 Bewerbungen sind im vergangenen Sommer am Seerhein eingegangen. „Die Hochschule wächst kontinuierlich weiter – an Studierenden, an Mitarbeitern und auch am Fächerspektrum“, sagte der Präsident. Die Hochschule werde weiterhin ihr Angebot am gesellschaftlichen Bedarf orientieren, kündigte er an. So sollen im nächsten Jahr die neuen Studiengänge Gesundheitsinformatik sowie Umwelttechnik und Ressourcenmanagement an den Start gehen. Die HTWG werde die internationale Ausrichtung ausbauen. Schon jetzt hätten 53 Prozent der Absolventen während ihres Studiums einen längeren Aufenthalt im Ausland absolviert.
Für jeden Besucher des Campus am Seerhein sei die dynamische Entwicklung der Hochschule beim Blick auf den Neubau ersichtlich, in den zum Wintersemester der Studiengang Kommunikationsdesign eingezogen ist. „Die Bauarbeiten werden weiter gehen“, blickte Handel voraus. Im Sommer 2012 soll der Spatenstich für den nächsten Neubau erfolgen. Desweiteren führte der Präsident Höhepunkte wie die wiederholte Auszeichnung der Bibliothek als „Beste Hochschulbibliothek“ im Bix-Ranking sowie die führende Rolle der Hochschule in der Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung an. Ein wichtiger Baustein in der Entwicklung der Hochschule sei auch die weitere Integration von Doktorandinnen und Doktoranden. „Es war ein erfolgreiches Jahr“, resümierte Dr. Kai Handel.
Peter Friedrich, Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, würdigte die Entwicklung der Hochschule: „Die HTWG verbindet in exzellenter Weise nicht nur große Praxisnähe und akademische Ausbildung, sondern sie ist auch eng am Puls der Zeit. In der baden-württembergischen Hochschullandschaft zeichnet sie sich durch ihre hohe Internationalität sowie die enge Vernetzung mit der Wirtschaft aus.“ Er hob hervor, dass der Ausbau der Hochschulplätze für die Landesregierung Priorität habe und deshalb das Ausbauprogramm „Hochschule 2012“ aufgestockt werde.
Dem Minister zufolge müssten die zusätzlich geschaffenen Studienplätze aber auch für jede und jeden zugänglich sein, so dass der Abschaffung der Studiengebühren bis zum Sommersemester 2012 eine besondere Bedeutung zukomme. Durch den finanziellen Ausgleich aus Mitteln des Landeshaushalts gehe dies allerdings nicht zu Lasten der Universitäten.
Vortrag des Hochschulratsvorsitzenden zu „Generation Y = Führung 2.0“
Wie können Unternehmen hervorragend ausgebildete Berufsanfänger und Hochschulabsolventen gewinnen und halten? Welche Anforderungen werden schon jetzt und zukünftig an Führungskräfte gestellt? Thomas Sigi, Vorsitzender des Hochschulrates der HTWG und Personalvorstand der Audi AG, beleuchtete in seinem Festvortrag die sogenannte „Generation Y“, die nun mit hohen Erwartungen an ihre Arbeitgeber vor den Werkstoren stehe. Einerseits sei sie global orientiert und über soziale Medien wie Facebook oder Twitter außerordentlich gut vernetzt. Andererseits spiele für sie persönliche Entfaltung und Individualität eine große Rolle. Auch Familie und Freizeit hätten einen hohen Stellenwert. „Sie erwartet von ihrem Arbeitgeber herausfordernde Aufgaben bei möglichst individuell gestalteten Entwicklungsmöglichkeiten“, weiß der Personalvorstand. Belohnt werde diese Haltung mit einer ausgeprägten Leistungsorientierung und hoher fachlicher Qualifikation. „Ein solches Profil stellt besondere Anforderungen an das Führungsverhalten“, betonte Sigi. Dazu gehöre zum Beispiel die Erwartung der „Ypsiloner“ an Führungskräfte, stärker in die Rolle eines Coaches zu gehen und auch möglichst oft Feedback zu geben. Umgekehrt werden Führungskräfte mit mehr Feedback durch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rechnen müssen, blickte der Personalvorstand voraus. „Die Generation Y fordert nicht nur Rückmeldung ein. Sie gibt sie auch – und das durchaus selbstbewusst“, so Sigi. Aus Unternehmenssicht müsse der hohen Werteorientierung der Generation Y Rechnung getragen werden. Zunehmend an Bedeutung gewinnen laut Thomas Sigi hier soziale Verantwortung des Unternehmens und nachhaltiges Handeln. Ihre Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber fällten die Ypsiloner nicht zuletzt aufgrund dieser Kriterien. „Es ist richtig, die eigene Unternehmenskultur rechtzeitig daran auszurichten. Uns bei Audi beispielsweise sind diese Themen so wichtig, dass wir sie zum zentralen Bestandteil unserer Unternehmensstrategie gemacht haben“, sagte der Personalvorstand.
Auszeichnung für hervorragende Leistungen im Studium
Dass das Selbstbewusstsein der Hochschulabsolventen gerechtfertigt ist, zeigten die jungen Frauen und Männer, die mit Preisen der Hochschule für hervorragende Leistungen ausgezeichnet wurden. Für die Preisträger sei charakteristisch, dass sie Lernen nicht als Pflicht, sondern als ein großes Vergnügen empfinden würden, sagte Prof. Andrea Steinhilber, Vizepräsidentin Lehre und Qualitätssicherung. Für überragende Leistungen in ihrem Fachgebiet erhielten die Architektin Helena Hanser und der Kommunikationsdesigner Tobias Hoss den Alfred-Wachtel-Preis, der an den Gründer der Hochschule Konstanz – im Jahr 1906 als „Technikum“ – erinnert. Laudator Prof. Leonhard Schenk würdigte Helena Hanser als außerordentlich begabte, engagierte und zuverlässige Studentin. Sie erhielt das beste Master-Zeugnis, das in der Fakultät Architektur und Gestaltung bislang verliehen worden ist. Ihre Masterarbeit wurde mit einer glatten 1 bewertet. Die geborene Lörracherin entwickelte darin unter dem Titel „compact living“ Wohnkonzepte zur Innenentwicklung von Konstanz.
Tobias Hoss erhielt den Alfred-Wachtel-Preis für seine hervorragenden Leistungen während des Bachelor-Studiums Kommunikationsdesign. Laudator Prof. Andreas Bechtold skizzierte Hoss als einen engagierten und ernsthaften Studenten, der sich stets mit großer Sorgfalt gestellten Aufgaben gewidmet habe. Insbesondere hob er hervor, dass Tobias Hoss in zahlreichen Auslandsaufenthalten (England, USA, Kanada, China) seine interkulturellen Kompetenzen erweitert habe. „Er ist dabei stets offen und neugierig auf fremde Menschen geblieben“, sagte er. Die Neugierde und Offenheit habe ihn schließlich eher zufällig zum Thema seiner Bachelorarbeit geführt: Die Neukonzeption des Bambusmuseums in Anji in China.
Nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch außerordentliches soziales Engagement an der Hochschule wurde ausgezeichnet: Katrin Jödicke erhielt den Rosa-Rödelstab-Preis für ihr kontinuierliches Engagement in verschiedenen Hochschulgremien sowie ihre aktive Beteiligung in Theaterprojekten der EventProduktion. So war die Master-Studentin des Studiengangs Maschinenbau Verfahrens- und Umwelttechnik unter anderem Mitglied in Senat, Fakultätsrat, ASTA, in der Fachschaft Maschinenbau sowie Semestersprecherin. Sie war Hauptorganisatorin der Absolventenfeier des Maschinenbaus 2010 wie auch in der Hauptorganisatorin des Bildungsstreiks 2009. Parallel zu Studium und Gremienarbeit hat sie in verschiedenen Projekten der EventProduktion der Hochschule mitgewirkt, führte Laudator Gerhard Dressel, Leiter der EventProduktion, aus. Dabei hob er ihren unermüdlichen Einsatz, ihre vielfältige schauspielerische Begabung und ihre Bescheidenheit hervor. „Selbstinszenierung war nie ihr Ziel, sie hat sich für das Wohl der Gruppe engagiert und die Aufgaben gerne übernommen, die sonst keiner erledigen wollte“, sagte Dressel.
Auch ausländische Studierende wurden für fachliche Leistungen und soziales Engagement ausgezeichnet: Die Georgierin Nato Menabde erhielt den DAAD-Preis für ihre sehr guten Leistungen im Studiengang Wirtschaftssprache Deutsch und Tourismusmanagement und ihr Engagement als Semestersprecherin. Laudatorin Prof. Andreas Steinhilber verlieh ihr den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, der aus Mitteln des Auswertigen Amtes finanziert wird. Nato Menabde konnte an der Feier jedoch nicht teilnehmen, da sie bereits in Georgien eine Arbeitsstelle angetreten hat.
Den Thurgaupreis – ein Preis, den die IHK Thurgau seit 1996 jährlich an den besten Schweizer HTWG-Absolventen aus dem Thurgau verleiht – erhielt Nicole Baumann. Sie hatte zunächst an der Universität Konstanz ein Bachelor-Studium mit Schwerpunkten im Bereich „Informatik der Systeme“ und „Angewandte Informatik“ absolviert. Nach einem Praxisjahr schloss sie das Master-Studium an der HTWG an, an der auch schon ihr Vater studiert hatte. Hier verfasste sie in ihrer Masterarbeit ein „Kursmodul zum Verständnis sicherer Webanwendungen“, das heißt, sie hat sich mit verschiedenen Bedrohungen auseinander gesetzt, denen User in Webanwendungen ausgesetzt sind und ein Modell entwickelt, wie Studierende im Praktikum Auswirkungen von Schwachstellen erfahren können. Laudator Prof. Jürgen Neuschwander, Dekan der Fakultät Informatik, hob ihren Elan und ihren breiten Überblick über ihr Themengebiet hervor und bescheinigte ihr zudem manche positive Charaktereigenschaft, die Thurgauern nachgesagt werden: Freundlichkeit, Verlässlichkeit und Arbeitsamtkeit. Nicole Baumann erzählte, dass sie in der Schweiz gelegentlich gefragt worden sei, weshalb sie in Konstanz studiere. Für sie sei nach ihren Erfahrungen klar, dass die Frage falsch gestellt werde. Vielmehr sollten sich andere fragen, weshalb sie nicht in Konstanz studierten. (aw)