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18. Januar 2012
Kann Deutschland die Kriechspur der Datenautobahn verlassen?
Neue exklusive Zahlen zeigen, dass Deutschland immer noch durch mangelnde FTTH-Akzeptanz ausgebremst wird und in der europäischen Breitband-Liga Schlusslicht bleibt.
BRÜSSEL - Mit nur einer Million Haushalten, die mit Fibre-to-the-Home versorgt werden könnten, hinkt Ende 2011 Deutschland im europäischen Breitband-Vergleich nach wie vor hinterher. Nach den vorläufigen Daten, die vom FTTH Council Europe heute auf einer Pressekonferenz in München bekannt gegeben wurden, dominieren bei Glasfaseranschlüssen in Deutschland alternative Anbieter, die von Versorgern und Gemeinden unterstützt werden und sich zumeist auf die großen Städte beschränken.
Die Breitband-Statistiken, die zweimal pro Jahr vom Analysten IDATE für das FTTH Council Europe erhoben werden, weisen nur 166 000 Abonnenten für Fiber-to-the-Home- oder Fiber-to-the-Building-Accounts aus. Das sind gerade einmal 0,4 Prozent aller deutschen Haushalte - nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Hierzulande bleiben der großen Mehrheit die vielfältigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile eines FTTH/B-Zugangs weiterhin verwehrt.
Die Verbraucher nehmen das Angebot einer Highspeed-Anbindung in einem Fiber-to-the-Home-Netz aber auch nur sehr zögerlich an. In Gegenden, in denen FTTH (Fibre to the Home) oder FTTB (Fibre to the Building) bereits angeboten wird, nutzt gerade einmal einer von sechs Haushalten das innovative Netz. Die geringe Akzeptanz beruht zum Teil auf bestehenden langfristigen Verträgen, die den Konsumenten bis zu 24 Monate an einen Provider binden. Aber auch die fehlende - oder schlechte - Marketing- und Kommunikationsstrategie in Bezug auf den Endanwender tragen zur geringen Verbreitung bei.
Dabei kann nur FTTH/B kontinuierlich und verlässlich große Upload- und Download-Bandbreiten zur Verfügung stellen und dabei eine hohe Servicequalität gewährleisten. Aber FTTH/B ist viel mehr als nur schnelles Internet: Glasfaser-Verbindungen eröffnen beim Home-Entertainment eine ganz neue Servicewelt, sie bieten Kranken und Senioren neue Möglichkeiten bei der Gesundheitsversorgung und Pflege. Hier können herkömmliche Technologien auf der Basis veralteter Kupfernetze nur in sehr beschränktem Umfang weiterhelfen - kein Vergleich zu den zukunftssicheren Glasfaser-Netzen.
Dass Breitband-Kommunikation - insbesondere mit sehr hoher Übertragungsrate - ein wichtiger Standortfaktor für Produktivität und Wachstum ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Während Politiker, Netzbetreiber, und Organisationen in Deutschland immer noch über die Bedeutung eines Glasfaser-Netzes diskutieren, wird die neue Kommunikationstechnik in anderen Ländern längst angewandt. In Schweden, Norwegen und Litauen nutzen bereits zehn Prozent aller Haushalte einen FTTH/B-Anschluss. Auch Frankreich, Holland, Russland und die Türkei haben einen klaren Vorsprung.
"Es muss sich erst noch erweisen, ob das Jahr 2012 den Wendepunkt bei der FTTH-Positionierung Deutschland markiert", sagt Prof. Hartwig Tauber, Director General beim FTTH Council Europe. "Ein großes Land wie Deutschland darf sich nicht so viel Zeit lassen. Es müssen nun endlich die Weichen für eine zukunftssichere Kommunikation gestellt werden - ganz besonders, wenn Deutschland seine Rolle als Lokomotive der europäischen Wirtschaft behalten will."
Die nächste FTTH Konferenz findet vom 14. - 16. Februar 2012 im International Congress Centre Munich (ICM) statt und steht unter dem Motto "Creating a Brighter Future". Dabei wird die Vielzahl der Vorteile beleuchtet, die FTTH für Ökonomie und Ökologie sowie im sozialen Bereich bringt, aber auch viele andere Themen, zum Beispiel Finanzierung und gesetzliche Grundlagen.
Die FTTH Konferenz ist die weltweit größte FTTH-Veranstaltung. Die Teilnahmegebühr beinhaltet den Eintritt zur Konferenz mit allen Sessions, das Catering, die gesamte Dokumentation sowie den Online-Zugang zu allen Präsentationen nach dem Event.
Das FTTH Council Europe ist eine Unternehmensorganisation mit dem Ziel, die Verfügbarkeit Glasfaser-basierender Ultra-High-Speed-Zugänge für Firmen und Privatkunden voranzutreiben. Das Council setzt auf diese Technologie, weil sie eine Fülle neuer Services ermöglicht - und damit mehr Lebensqualität, mehr Umweltschutz und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Im FTTH Council Europe haben sich mehr als 150 Unternehmen zusammengeschlossen.
www.ftthcouncil.eu