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12. November 2008
Bonifatiuswerk eröffnet Diaspora-Aktion
Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken hat am Sonntag in Berlin seine diesjährige bundesweite Diaspora-Aktion eröffnet. Damit will das Hilfswerk auf die Probleme von Pfarrgemeinden in der Diaspora aufmerksam machen, also in Gebieten, in denen Katholiken in der absoluten Minderheit leben. Zum Abschluss wird am kommenden Wochenende in allen katholischen Gottesdiensten für die Arbeit des Bonifatiuswerks in Deutschland, Nordeuropa sowie Estland und Lettland gesammelt. Bei der Kollekte im vergangenen Jahr kamen rund drei Millionen Euro zusammen. "Werdet nicht müde, von IHM zu sprechen" heißt in diesem Jahr das Motto der Aktion, die auch neugierig machen soll auf Gott, Glauben und Religion.
Beim Eröffnungsgottesdienst in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale erklärte der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky, trotz kleiner werdender Gemeinden sei Kirche in den Diaspora-Gebieten der neuen Bundesländer nicht flächendeckend verschwunden. "Gotteslob und die Stimme der Zeugen Gottes sind nicht verstummt, das Ewige Licht ist nicht überall erloschen", so Sterzinsky wörtlich. Zwar seien die katholischen Kirchen sehr versteckt und manchmal nicht sonderlich ansehnlich, aber es "verbergen sich in ihnen und um sie herum geistliche Oasen". Zugleich würdigte der Kardinal das Bonifatiuswerk. Es stünde um die Diasporagemeinden und Diasporabistümer viel schlechter, wenn sie nicht immer die Hilfe und Unterstützung der Organisation gehabt hätten.
Bei der anschließenden Festversammlung im Bernhard-Lichtenberg-Haus begrüßte der Vizepräsident des Bonifatiuswerkes, Hermann Fränkert-Fechter, mehr als 250 Gäste, unter ihnen Berlins Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky sowie der Präsident des Zentralkommitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Hans-Joachim Meyer.
Generalsekretär Monsignore Georg Austen dankte den Spendern des Bonifatiuswerkes für die beachtliche Unterstützung im vergangenen Jahr, die vielfältige missionarische Projekte erst auf den Weg gebracht habe. Er betonte, die Basis für die Weitergabe des Glaubens sei vor allem das persönliche Vorbild der Eltern und Großeltern, das Erzählen von den Hoffnungen, Träumen, Wünschen, Ängsten und der Zuversicht aus dem Glauben. "Wir stellen heute jedoch fest, dass viele Erwachsene fremd geworden sind in der Heimat des Glaubens. Und so erfahren die Kinder und Jugendlichen den Glauben oft wie eine Konservendose, deren Inhalt längst das Verfallsdatum überschritten hat. Das kann und darf nicht sein", unterstrich der 49-jährige Generalsekretär.
Der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Dr. Peter Frey, ermunterte die katholischen Pfarreien bei der Veranstaltung dazu, sich stärker als bisher in die gesellschaftlichen Debatten einzumischen. Die "schönen Fernsehbilder von den Päpsten" dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kirche vor Ort "an Boden verloren" habe in den letzten Jahren. Frey, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist, forderte die Pfarreien auf, zu einem "praktischen Rettungsanker" in schwierigen Situationen zu werden. Gerade in Zeiten zunehmender Mobilität müssten sie Anlaufstelle und Plattform für gegenseitige Hilfe sein. Ein "Sonntagscafe" zwischen den Gottesdiensten könne beispielsweise ein guter Startschuss für neue Netzwerke vor Ort sein.
Im Anschluß an die Festrede fand die Verleihung des diesjährigen Bonifatiuspreises statt.
(KNA/cm)