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14. Dezember 2008
Will die RWE AG die AKW-Pleite von Mülheim-Kärlich duplizieren?
Offener Brief an die Aufsichtsratsvorsitzenden der RWE AG
Sehr geehrter Herr Aufsichtsratsvorsitzender Fischer,
Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Dr. Großmann,
Ein Atomkraftwerk, das nach deutschen Sicherheitsbestimmungen niemals ans Netz gehen dürfte, mitten in einem Erdbebengebiet zu bauen, ist schlicht unverantwortlich und eine Gefahr für Millionen Menschen in Europa. Wir, das heißt: 876 organisierte Atomkraftgegner aus CDU und CSU, sind entsetzt, dass RWE immer noch als Investor in das höchst umstrittene bulgarische Atomkraftwerk Belene einsteigen will. Wir hatten nach der letzen Hauptversammlung erleichtert gelesen, dass RWE dieses Engagement überdenken wollte. Wir fragen uns, warum Sie nun doch weiter an dem fraglichen Projekt interessiert sind, denn an den Grunddaten hat sich nichts geändert:
In Belene soll ein bisher noch nirgends erprobter
russischer Reaktortyp im erdbebengefährdeten Nordbulgarien gebaut werden.
1977 sind bei einem Erdbeben nur 14 km vom geplanten Reaktorstandort
entfernt 120 Menschen umgekommen. Deshalb haben Wissenschaftler schon zu
kommunistischen Zeiten vor dem Standort Belene gewarnt und es gab vehemente
Proteste gegen das Projekt, die dazu führten, dass es nach der Wende
eingestellt wurde.
Das für Belene gewählte Reaktordesign besteht aus Reaktoren, die
weltweit nirgendwo industriell betrieben werden, einzig ein Vorläufermodell
wird in der kommunistischen Volksrepublik China gebaut. Dem entsprechend
gibt es bisher weder Sicherheitsanalysen noch Betriebserfahrung für den
geplanten Reaktortyp. Selbst der ehemalige Leiter der bulgarischen
Atomaufsicht, Dr. Guergui Kastchiev, hat jede Menge Sicherheitsbedenken:
Neben dem unsicheren Standort sind dies Designprobleme, Mangel an
qualifiziertem Personal, eine mangelhafte Sicherheitskultur, gravierende
Schwächen bei der bulgarischen Atomaufsicht und die fehlende Strategie für
den a t o m a r e n Abfall. Wie erschreckend die institutionellen
Rahmenbedingungen in Bulgarien sind, beweisen aktuelle Berichte über die
nach wie vor weit verbreitete Korruption, über Auftragsmorde,
Menschenhandel und Drogen- sowie Waffenschmuggel. Die EU-Kommission sieht
dies mit so großer Sorge, dass sie angedroht hat, weitere EU-Programme
einzustellen.
Auch warnte der weltberühmte bulgarisch-stämmige Literaturpreisträger Ilija
Trojanow davor, sich mit der "roten Mafia Rußlands" einzulassen und das
Ausmaß an "Korruption und Kleptokratie" im bulgarischen Atomsektor zu
unterschätzen. Ernstzunehmende Experten nennen es vor diesem Hintergrund
schlicht verantwortungslos, wenn RWE unter diesen erschreckenden
Rahmenbedingungen in eine Hochrisikotechnologie an einem
erdbebengefährdeten Standort investieren sollte. Möchten Sie, Sehr geehrter
Herren dem Unternehmen RWE AG ein fragwürdiges Image verpassen?
Schon einmal haben Sie in einem Erdbebengebiet ein Atomkraftwerk in den
Sand gesetzt, nämlich in Mülheim-Kärlich!
errare humanum est, perseverare diabolicum!
Deshalb fordern wir Sie, sehr geehrter Herr Aufsichtsratsvorsitzender
Thomas R. Fischer und sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Jürgen
Großmann, dringend auf, Ihr Unternehmen auch von diesem wenig seriösen und
gefährlichen Projekt in Nordbulgarien abzubringen.
Mit freundlichen Grüßen
(Dr. Stegmayer)
- Geschäftsführung -
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