- 29. Oktober 2026
Kanada bietet Chancen für die Südwestwirtschaft
Exportmärkte breiter aufstellen
die anhaltenden handelspolitischen Unsicherheiten im US-Geschäft zeigen, wie wichtig es für exportorientierte Unternehmen ist, ihre Absatzmärkte breiter aufzustellen. Die IHK Südlicher Oberrhein spricht sich deshalb dafür aus, internationale Handelsbeziehungen zu stärken und neue Märkte zu erschließen. Kanada bietet dafür interessante Perspektiven.
Von Januar bis August 2026 exportierten baden-württembergische Unternehmen Waren im Wert von 21,3 Milliarden Euro in die USA. Das entspricht einem Plus von gut zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, liegt aber zehn Prozent unter dem Wert von 2024. Die USA bleiben damit ein zentraler Absatzmarkt, zugleich erschweren politische und zollbedingte Unsicherheiten die Planung.
„Unsere Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und dürfen sich nicht zu stark von einzelnen Märkten abhängig machen. Gerade für den industriell geprägten Mittelstand ist es wichtig, Chancen weltweit zu nutzen und Risiken breiter zu verteilen“, sagt Dr. Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein.
Kanada als Partner für neue Absatzmärkte
Der Handel mit Kanada entwickelt sich positiv: In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 exportierte Baden-Württemberg Waren im Wert von rund 1,6 Milliarden Euro dorthin – knapp acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders gefragt waren Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen sowie pharmazeutische Erzeugnisse. Darüber hinaus eröffnen sich Potenziale bei kritischen Rohstoffen, Batterietechnologien, Wasserstoff, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
„Kanada ist kein Ersatz für den US-Markt. Das Land kann aber helfen, Absatzmärkte zu diversifizieren und Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Entscheidend ist, dass unsere Unternehmen leichter Zugang zu neuen Märkten erhalten und Kooperationen unkompliziert aufbauen können“, betont Salomon.
EU-Kanada-Gipfel: Chancen in konkrete Ergebnisse übersetzen
Beim EU-Kanada-Gipfel am 29. und 30. Oktober in Montreal stehen unter anderem digitaler Handel, kritische Rohstoffe sowie Technologie- und Innovationspartnerschaften auf der Agenda. Eine wichtige Grundlage bildet das Freihandelsabkommen CETA, das seit 2017 vorläufig angewendet wird und Zölle weitgehend abgebaut hat. Unterschiedliche Standards und regulatorische Vorgaben verursachen jedoch weiterhin zusätzlichen Aufwand.
„Der Gipfel sollte konkrete Fortschritte bringen: weniger Bürokratie, einfachere Marktzugänge und eine engere Zusammenarbeit bei Zukunftstechnologien und kritischen Rohstoffen. Freihandelsabkommen müssen sich im Geschäftsalltag bewähren – gerade für kleine und mittlere Unternehmen“, so Salomon.
Unterstützung beim Einstieg in den kanadischen Markt bietet seit November 2025 die Wirtschaftsrepräsentanz Baden-Württembergs in Toronto, die von der AHK Kanada betreut wird. Sie begleitet insbesondere mittelständische Unternehmen beim Markteintritt und beim Aufbau von Innovationspartnerschaften.





