
- 02. November 2026
Kommunale Wärmeplanung: Ein Plan wirkt nur mit guter Kommunikation
KWW-Befragung unter 778 Kommunen: 83 Prozent sehen hohen Kommunikationsbedarf – trurnit Pressewerk gibt vier Tipps für die Praxis
Die kommunale Wärmeplanung hat vielerorts eine neue Phase erreicht: Die Pläne stehen häufig, nun sollen daraus konkrete Projekte werden. Während Kommunen und Stadtwerke die Wärmeversorgung von morgen planen, fragen sich jedoch viele Menschen: Was bedeutet das für mein Zuhause? Wie groß der Kommunikationsbedarf ist, zeigt die im September veröffentlichte Kommunenbefragung 2026 des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW): 83 Prozent der 778 teilnehmenden Städte, Gemeinden und Landkreise sehen zusätzlichen Bedarf, um die Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern zu steigern. Die Kommunikationsexpertinnen und -experten der trurnit Pressewerk GmbH empfehlen deshalb, die Wärmeplanung und ihre Umsetzung verständlich zu begleiten und haben vier Tipps für die Praxis erstellt.
„Wer über eine neue Heizung nachdenkt, trifft eine Entscheidung für viele Jahre. Dabei geht es um hohe Investitionen und eine verlässliche Versorgung“, erklärt Bianca Böttcher-Hüfner, Geschäftsführerin der trurnit Pressewerk GmbH. „Die Menschen brauchen klare Informationen über ihre Möglichkeiten, Kosten und Zeitpläne. Wo noch keine Antworten möglich sind, müssen Kommunen und Stadtwerke offen sagen, was geprüft wird und wann Entscheidungen fallen. Das schafft Orientierung und Vertrauen.“
Nach der Planung beginnt die Umsetzung
Bis 2045 soll die Wärmeversorgung in Deutschland treibhausgasneutral sein. Für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern endete die gesetzliche Frist zur Erstellung eines Wärmeplans am 30. Juni 2026. Kleinere Kommunen haben grundsätzlich noch bis Mitte 2028 Zeit. Laut KWW-Befragung befinden sich bereits 40 Prozent der teilnehmenden Kommunen in der Umsetzungsphase, weitere 32 Prozent erarbeiten ihre Pläne noch.
Wo Wärmepläne vorliegen, stehen häufig noch Machbarkeitsstudien, Wirtschaftlichkeitsprüfungen und politische Entscheidungen an. Wie groß die Herausforderungen sind, zeigt eine weitere Zahl der KWW-Befragung: 54 Prozent der Befragten halten das Zielszenario ihres Wärmeplans für eher unrealistisch oder unrealistisch. Ein kommunaler Wärmeplan zeigt zunächst mögliche Wege für die künftige Versorgung auf. Er verpflichtet Eigentümer nicht zum Heizungstausch und garantiert keinen späteren Wärmenetzanschluss.
Rolle als Ansprechpartner vor Ort stärken
Die Wärmeplanung bietet Kommunen und Stadtwerken zugleich die Chance, sich als Gestalter der künftigen Wärmeversorgung zu positionieren. Während Kommunen die langfristige Entwicklung planen, bringen Stadtwerke vielerorts ihr technisches Wissen ein und setzen konkrete Versorgungsprojekte um.
„Die Wärmewende wird vor Ort entschieden und umgesetzt. Kommunen und Stadtwerke können gemeinsam zeigen, wie aus Wärmeplänen konkrete Projekte werden“, sagt Bianca Böttcher-Hüfner. „Wer frühzeitig den Dialog sucht, Entscheidungen erklärt und Verantwortung übernimmt, stärkt seine Rolle als verlässlicher Ansprechpartner und Daseinsvorsorger. Nicht erst, wenn die ersten Bagger anrollen.“
Wichtig ist dabei eine enge Abstimmung zwischen Kommune, Stadtwerken, Netzbetreibern und Planungsbüros. Ein gemeinsames Kommunikationskonzept klärt Zuständigkeiten, legt zentrale Botschaften fest und regelt, wann und über welche Kanäle die Öffentlichkeit informiert wird. So können alle Beteiligten mit einer Stimme sprechen und widersprüchliche Erwartungen vermeiden.
Vier Empfehlungen für die Kommunikation vor Ort
Aus ihrer Beratungspraxis leitet die trurnit Pressewerk GmbH vier Empfehlungen ab, mit denen Kommunen und Stadtwerke die Wärmewende verständlich begleiten können.
1. Früh ins Gespräch kommen statt fertige Pläne präsentieren
Die Kommunikation sollte bereits während der Wärmeplanung beginnen. Informationsveranstaltungen und Dialogformate helfen, Fragen und Anliegen der Menschen frühzeitig aufzugreifen. Wichtig ist auch, anschließend zu zeigen, wie Rückmeldungen berücksichtigt werden.
2. Wärmeplanung in Alltagsfragen übersetzen
Technische Karten und Fachbegriffe allein bieten wenig Orientierung. Was bedeutet der Wärmeplan für mein Zuhause? Welche Heizlösungen kommen infrage? Mit welchen Kosten muss ich rechnen? Kommunen und Stadtwerke sollten solche Fragen verständlich beantworten und auf Beratungs- und Förderangebote hinweisen.
3. Klar zwischen Planung und Zusage unterscheiden
Ein mögliches Wärmenetzgebiet ist noch keine Anschlusszusage. Deshalb sollten Kommunen und Stadtwerke zwischen beschlossenen Maßnahmen, laufenden Prüfungen und langfristigen Perspektiven unterscheiden. Öffentlich zugängliche Projektstände zeigen, was geplant ist und wann Entscheidungen anstehen.
4. Kontinuierlich informieren und erreichbar bleiben
Eine Pressemitteilung oder Bürgerversammlung allein reicht nicht aus. Eine zentrale Website mit aktuellen Informationen, lokale Pressearbeit und soziale Medien halten die Menschen auf dem Laufenden. Bei konkreten Bauvorhaben ergänzen Anwohnerschreiben und Veranstaltungen im Quartier die Kommunikation. Feste Ansprechpartner helfen bei individuellen Fragen.





