
- 19. Oktober 2026
Beim ersten Gastgeber Zukunftstag stellt sich der Hochschwarzwald den Herausforderungen
Haltung und Mut statt Verwaltung und Wehmut
Der erste Gastgeber Zukunftstag machte deutlich, dass die Zukunft des Tourismus im Hochschwarzwald von Mut, Innovation, Digitalisierung und regionaler Identität geprägt sein wird. Die positive Resonanz und der Wunsch nach einer Fortsetzung sprechen sowohl für den Erfolg des neuen Veranstaltungsformats als auch für die Offenheit der Menschen und Unternehmen in der Region.
Hinterzarten - Mit dem ersten Gastgeber Zukunftstag hat die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) ein neues Kongresskonzept erarbeitet, das am Montag, 12. Oktober 2026, erstmals als ganztägiges Veranstaltungsformat im Kurhaus Hinterzarten vorgestellt wurde. Gastgeber:innen aus der Region waren eingeladen, sich einen Tag lang gemeinsam anhand verschiedener Keynotes, Podiumsdiskussionen sowie in einzelnen Workshops intensiv mit drängenden Zukunftsfragen und gegenwärtigen Trends im Tourismus auseinanderzusetzen.
Zum Auftakt holte HTG-Geschäftsführer Patrick Schreib die Teilnehmenden mit einer – die rasante Entwicklung in der Branche veranschaulichenden – Szene aus der Vergangenheit ab. So habe der Tourismusdirektor, vormals auch Kurdirektor genannt, die Gäste in früheren Zeiten persönlich am Bahnhof in Empfang genommen, die Blaskapelle habe gespielt, die Gastgeber:innen seien mit dem Leiterwagen gekommen und die Touristen wurden auf die lokalen Unterkünfte verteilt. Dann seien die Gäste eine Weile geblieben und schließlich, wenn der neue Zug ankam, wieder abgereist. Heute sei alles spontaner und immer mehr Urlauber:innen kämen. Gastgeber:innen müssten immer mehr und immer schnellere Entscheidungen treffen und sich den ständig steigenden Erwartungen und kürzeren Prozessen anpassen. Genau deshalb sei es wichtig, sich nicht an Vergangenes zu klammern, sondern Strategien zu finden, um die Zukunft zu meistern. Es gehe auch darum, sich gemeinsam Impulse von Expert:innen zu holen und miteinander im Austausch zu bleiben: „Jeder muss wissen, was er kann, jeder muss wissen, was er hat“, sagte Patrick Schreib und bekräftigte, dass man in der Kooperation und voneinander lernend die beste Zukunft für die Region gestalten könne. Mit dieser Motivation übergab der Geschäftsführer das Wort an die erste Referentin.
Trend- und Zukunftsexperin Andrea Grudda eröffnete das Programm mit einem Inspirierenden Vortrag über Veränderungen, die evolutionär bedingt seien und die man als Unternehmen strategisch nicht außer Acht lassen könne. So sei der Encephalisationsquotient innerhalb von einer Generation von 6.3 auf 7.0 gestiegen, habe es also einen signifikanten Fortschritt in der Leistungsfähigkeit des Gehirns gegeben, was der Grund dafür sei, dass Transformationen aktuell maßgeblich von jungen Leuten auf den Weg gebracht würden. Die Kernthese von Gruddas Vortrag lautete: „Die Jungen führen die Alten und die Alten werden immer jünger.“ Dieses Phänomen, so Grudda, sei ein Trend, keine Modeerscheinung, weil es auf mehreren Ebenen zu beobachten sei – etwa in der rasanten Entwicklung neuer Technologien, aber auch im Tourismus. So würden die älteren Gäste heute bereits die jüngere Generation um Rat fragen, wenn es beispielsweise um die Buchung von Unterkünften ginge, und auf diesen Trend müsse man reagieren. Außerdem habe der Gast von Morgen andere Erwartungen an die Aufenthaltsqualität, weil sich Welt und Markt permanent verändern. „Und dann kommt der Moment, in dem du mutige Entscheidungen treffen musst. Und dann kann es sein, dass du das komplette System verändern musst“, lautete Gruddas Rat an die anwesenden Entscheider:innen. Man müsse auch seine jeweilige „Stilgruppe“ kennen, um das Angebot den Bedürfnissen anzupassen und sich zukunftsfähig aufzustellen. „Was wir brauchen, ist Mut“, so das Fazit der Speakerin.
Darius Abde-Yazdani, Vice President Strategy & Operations des Buchungsportals Holidu, gab fünf konkrete Handlungsempfehlungen, wie Gastgeber:innen sich zukunftsfähig aufstellen können, um Anfragen und Bedürfnisse ihrer Gäste auch in einem Jahrzehnt noch bedienen zu können. Im Jahr 2036 würden Tourist:innen zu 100 Prozent digital agieren. Das gehe beim Diktieren der Urlaubswünsche los: Man müsse im Zeitalter von KI-Assistenzsystemen sicherstellen, dass man gefunden wird. Deshalb sei eine solide Datenpflege unerlässlich. Das eigene Alleinstellungsmerkmal zu kennen und für Unverwechselbarkeit zu sorgen, sei ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft. „Am Ende des Tages wird es darauf ankommen, wie Sie aus der Masse hervorstechen und für Ihre Zielgruppe einen besonderen Aufenthalt bieten, so dass man sich an Sie erinnert“, war die zentrale Botschaft des Experten zum Thema digitaler Wandel an das Auditorium.
Bei der Talkrunde „Wie sieht die Zukunft des Gastgeberseins im Hochschwarzwald aus?“ diskutierten Diana Cieri vom Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverband e. V. (DEHOGA), Gründer Andreas Tuffentsammer (Culinary & Business Consulting), der Architekt Alexander Meissl sowie die Kommunikations- und Markenspezialistin Silke Lerch über aktuelle und zukünftige Fragestellungen des Gastgewerbes. Wenn Mitarbeiter:innen in Hotels mit elendig langen Wegen zu kämpfen hätten, sei die innovativste Architektur kontraproduktiv, so der Blick des Architekten. Wenn Geschäftsführer:innen ihre Assistent:innen zu Seminaren wie „Vom Mitarbeiter zur Führungskraft“ schickten, ohne selbst eine Transformation vorzuleben, sei das ebenfalls ein Riesenproblem, so Diana Cieri. Silke Lerch pflichtete bei: „Je höher man in der Hierarchie steht, desto energischer und rasanter sollte man Veränderungen vorantreiben. Es geht aber in vielen Fällen tatsächlich darum, bestimmte Privilegien abzugeben“, so Lerch. Andreas Tuffentsammer sensibilisierte für das Thema Trends im Bereich der Gastronomie. So sei der Umgang damit „eine der größten Herausforderungen überhaupt. Manche Trends muss man mitmachen, weil sie mittlerweile Standards geworden sind, aber nicht jeder Trend ist für einen selbst geeignet. Der größte Trend, den wir in Zukunft sehen werden und den wir auch ernst nehmen sollten, ist die Rückbesinnung auf das, was uns einzigartig macht“, so Tuffentsammer.
Nach der Mittagspause, in der die Teilnehmenden durch das Hotel Schwörer kulinarisch umsorgt wurden, ging es in Einzel-Workshops mit den Expert:innen um Themen wie Betriebswirtschaft und Innovation, Markenpositionierung sowie um nachhaltige und zukunftsorientierte Architektur.
Anschließend kamen Gastgeber:innen aus der Region zu Wort: Josephine Lindner vom Hotel Vier Jahreszeiten in Schluchsee, die beiden „Apartmentglück“-Gründer:innen Samuel und Jennifer Bick aus Schluchsee, Petra Hettich vom Sigmundenhof in Schonach und Felix Dünnebacke vom Hotel Schlehdorn in Feldberg diskutierten mit Moderatorin Andrea Grudda über mutige und zukunftsweisende Entscheidungen anhand persönlicher Fallbeispiele. Alle vorgestellten Wege und Umsetzungen zeigten auf, dass persönliche Haltung und unternehmerischer Mut die Grundlage für Transformation und Zukunft in Betrieben sind.
Zum krönenden Abschluss des Gastgeber Zukunftstags gewährte Sternekoch Tobias Bätz detaillierte Einblicke in seine persönliche Mut- und Erfolgsgeschichte: „Uns ging es darum, die Region zu entwickeln und dabei eine Kulinarik zu machen, die nicht vergleichbar ist.“ Sein Appell an die Zuhörerschaft war eindringlich: „Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir es tun. Nicht zuschauen, nicht beschweren, sondern machen.“
Nach der dankenden Verabschiedung der Referent:innen durch Patrick Schreib blieb schließlich Zeit für den wichtigen Austausch der Anwesenden zu den gemeinsam gehörten und erlebten Impulsen. Viele Besucher:innen äußerten den Wunsch nach einer Fortsetzung des Veranstaltungsformats. Bei Livemusik klang der Abend aus.








