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  • 31. August 2009

Das Deckenbild als Ausdruck der Träume der Menschen

Von Alejandro Roquero

Was treibt den Menschen, unabhängig von dessen geografischer Herkunft oder politischer Gesinnung, an? Und wie lässt sich diese starke Antriebskraft künstlerisch darstellen? Diese Fragen stehen im Zentrum der fotografischen Abschlussarbeit (Medienkunst, FHNW(Basel)) „Die Meme: Samarkand“ des 27jährigen Lörracher Künstlers Alejandro Roquero. Sie besteht aus neun A0-Bögen und zeigt, einem Deckenbild nachempfunden, eine Gesellschaft, die ihre verbindenden Merkmale über die Trennenden erhoben hat.

Andersartigkeit ist in der heutigen Gesellschaft zum Regelfall geworden. Wo territoriale Grenzen zu schwinden beginnen, besinnen sich die Menschen auf die Besonderheiten der eigenen Nation oder Ethnie als identitätsstiftenden Schutzwall. Gibt es entgegen diesen Entwicklungen Antriebe, die unabhängig davon einen Menschen und eine Gesellschaft prägen?
Die Memetik befasst sich mit jenen Bestandteilen einer Kultur, die ein Mensch über Nachahmung erwirbt, im Gegensatz zu den Genen, die ihn aus lediglich biologischer Sicht einzigartig machen. Nach der Begründerin dieser Theorie, Susan Blackmore, bestimmen die sogenannten Meme, die Elemente einer Kultur, das kulturelle Verhalten des Menschen. Sie verbreiten sich demnach im Gegensatz zu den Genen nicht vertikal, sondern breit und horizontal über verschiedene Medien, zum Beispiel über die Sprache als Träger. Sie vereinen sich über die Imitation vieler Personen zu einer Art kollektiver kultureller Wahrnehmung.



Die Entstehung der Abschlussarbeit „Die Meme: Samarkand“

Das Phänomen der Berührungspunkte zwischen verschiedenen Kulturen vertiefte Alejandro Roquero auf einer Reise durch Marokko, während fotografischen Projekten in Tirano und Venedig sowie während einem Besuch des UNO-Sitzes in Genf. Er hielt Szenen, die Zeugnis dieser Vermischungen ablegen, fotografisch fest. 
Besonders erwähnenswert während dieser Recherchephase ist das Gemälde „Day 6“  von Vidmantas Ilciukas in der Kunstsammlung des Völkerbundpalastes. Die Betrachtung dieses Bildes kam für den Künstler dem Fund eines Schlusssteins gleich. Ab da nahm die Arbeit immer konkretere Formen an. In Kletterseilen hängend und durch eine Sicherheitsglasplatte hindurch fotografierte Roquero über 30 Menschen verschiedenster Herkunft von unten und in wallende Stoffe gehüllt. Dies in Anlehnung an die barocken Deckenmalereien. Auf neun A0-Bögen zeigt Alejandro Roquero eine Gemeinschaft unterschiedlichster Menschen, deren verbindendes Mem (kulturelle Informationseinheit) die Hybridisierung; die Verschmelzung kultureller Identitätsmerkmale, als Ausdruck ihrer Hoffnungen und Träume interpretiert werden kann.

Samarkand als Sinnbild für das, was die Menschen verbindet

Samarkand ist der Name der einst reichsten Stadt der Welt. Sie war einer der ersten Schmelztiegel eurasischer Kulturen, der sich im Kreuzpunkt der Handelsrouten der Seidenstrasse befand.
Samarkand als Mem in dieser Abschlussarbeit unterstreicht die Sichtweise des Künstlers:
,,In meine Deckenkunst fliesst die Ablehung der Religion als Alleinaktionär des Glaubens ein. Ich möchte nahelegen, sie als ein transitives Weltanschauungsmodel zu betrachten. Der Glaube dagegen ist eine unwiderlegbare Eigenschaft des Menschen. Diese Hoffnung, die Fähigkeit zu Träumen und den Blick zu erheben, sind die Merkmale, welche Menschen über innere und äussere Grenzen über sich selbst hinaus wachsen lassen und zu einigen vermögen“


Ressort: Uncategorised