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Obsterzeuger am Bodensee setzen koordiniert Maßnahmen um
Nicht nur Futtermangel, sondern auch fehlende Nistplätze machen Wildbienen zu schaffen. Obsterzeuger helfen ihnen mit Nisthilfen aus Holz wie auch mit Totholzhaufen und Sandarien ©Bodensee-Stiftung/Sabine Sommer
  • 21. Mai 2025

Obsterzeuger am Bodensee setzen koordiniert Maßnahmen um

Von Anja Wischer | Bodensee-Stiftung

Anzahl der Wildbienenarten und -individuen nachweislich gestiegen

Es summt und brummt in Obstanlagen am Bodensee – auch außerhalb der Obstblüte: Obstbaubetriebe am Bodensee setzen seit 15 Jahren insektenfördernde Maßnahmen um. Sie pflanzen zum Beispiel Ankerpflanzen, legen Blühflächen an, pflanzen Hecken und Gehölze und installieren Nisthilfen für Wildbienen und Vögel, um für die wertvollen Helfer ein reichhaltiges Nahrungsangebot, Rückzugsgebiete und charakteristische Habitate zu schaffen.

Regelmäßige Wildbienenmonitorings bestätigen den Erfolg im zweitgrößten Obstanbaugebiet Deutschlands: Sowohl die Anzahl der Insektenarten als auch der -Individuen hat sich inzwischen auf einem hohen Niveau eingependelt. 2021 zählte das Monitoring 112 verschiedene Wildbienenarten – nahezu eine Verdopplung der Arten gegenüber dem ersten Monitoring von 2010. Darunter gelten 26 Arten als landesweit im Bestand bedroht, oder sie sind in der Vorwarnliste aufgeführt.

Weltweit alarmierender Rückgang von Insekten

Mit ihrem Engagement arbeiten die teilnehmenden Betriebe gegen den bundesweiten Trend an: Verschiedene Studien zeigen einen alarmierenden Rückgang von Fluginsekten, im Hinblick auf Arten wie auch Individuen. Er geht unter anderem auf intensive Landwirtschaft, Stoffeinträge wie Nähr- und Schadstoffe oder Flächenverbrauch zurück. Dabei sind Insekten von enormer Bedeutung: Sie sichern 35 Prozent des weltweiten Ertrags in der Nahrungsmittelproduktion. In Deutschland wird der volkswirtschaftliche Nutzen von Bestäubung auf ca. 3,8 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Rund 80 Prozent der Wildpflanzen- und 75 Prozent der bedeutendsten Kulturpflanzenarten hängen von Bestäubung durch Insekten ab. Wildbienen-Förderung ist auch aktives Bestäubungsmanagement und damit eine Maßnahme zur Sicherung und Förderung der funktionalen Biodiversität.

„Wildbienen sind für uns besonders bei der frühen Blüte wichtige Bestäuber. Während Honigbienen erst zu milderen Außentemperaturen aktiv sind, lassen sich die Wildbienen von kühleren Temperaturen nicht schrecken“, sagt Michael Wieland vom Hof Wieland in Friedrichshafen-Ailingen. Der Landwirt, der auf 20 Hektar acht Apfelsorten anbaut, ist seit Beginn an, also seit 15 Jahren, im Biodiversitätsprojekt engagiert. Warum er so lange dabei ist? „Nur wenn es den Insekten gut geht, geht es auch uns Menschen gut. Es ist eine Freude zu sehen, dass Wildbienen, Heuschrecken und Schmetterlinge auch außerhalb der Obstblüte den gesamten Sommer über in den Anlagen unterwegs sind.“

Blühflächen, Nisthilfen, Bäume, Sträucher und Hecken

Wurde 2010 noch auf elf Pilotbetrieben zwischen Stockach, Friedrichshafen und Ravensburg getestet, wie Apfelanlagen zur Nahrungssicherung für Insekten in der futterarmen Sommerzeit beitragen können, beteiligten sich 2013 bereits 80 Betriebe. Im Jahr 2024 zählte das Projekt 117 teilnehmende Betriebe. Sie legten 52,1 Hektar Blühflächen an, davon 33,6 Hektar mit einjährigen und 18,5 Hektar mit mehrjährigen Mischungen. Sie pflanzten 903 Bäume, Sträucher und Hecken und installierten im Jahr 2024 weitere Nisthilfen für Wildbienen (91) und Vögel (632). Der Fokus der Maßnahmen liegt auf der Insektenförderung. Mit den Maßnahmen werden auch Vögel und Fledermäuse und die biologische Vielfalt insgesamt unterstützt.

„Es ist außerordentlich motivierend, wenn man sieht, wie sich die Wildbienenbestände in den vergangenen 15 Jahren verbessert haben“, sagt Sabine Sommer von der Bodensee-Stiftung und ergänzt: „Um die Wildbienen dauerhaft zu fördern, sind zudem Anstrengungen auch von weiteren Akteuren wie von Kommunen, Firmen und Privatpersonen nötig.“ Die Initiative wurde 2010 von der Bodensee-Stiftung, der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft, dem Imkerverein Tettnang-Friedrichshafen e.V. und der REWE Group gestartet und wird seitdem von den Initiatoren begleitet. Die Erzeugergemeinschaft Marktgemeinschaft Bodenseeobst e.G. (MaBo) und die Württembergische Obstgenossenschaft Raiffeisen e.G. (WOG) beraten die Obsterzeuger und geben das Material (Saatgut, Nistkästen etc.) aus.

Hohe intrinsische Motivation

Die Betriebe erhalten hochwertige Saatgutmischungen aus heimischen Wildblumen, Gehölzpflanzen, Nisthilfen sowie die naturschutzfachliche Beratung kostenlos, die Obsterzeuger stellen ihre Flächen und ihre Arbeitskraft für die Maßnahmenumsetzung zur Verfügung. „Obstbau bedeutet Verantwortung über Generationen hinweg – für Natur, Umwelt und die Zukunft unserer Kinder. Biodiversität ist dabei zentral für einen nachhaltigen, zukunftsstarken Obstbau“, erklärt Tim Strübing, Geschäftsführer der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft.

Die Initiative hat bereits internationale Würdigung erfahren: Im Dezember 2019 wurde das Projekt in Brüssel mit dem European Bee Award ausgezeichnet. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im EU-Parlament konnten die Projektpartner Bodensee-Stiftung, Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft, REWE Group und der Kreisimkerverein Tettnang-Friedrichshafen den European Bee Award in der Kategorie „Land Management Practices“ entgegennehmen.

Weitere Informationen auf der Website: https://www.bodensee-stiftung.org/biodiversitaetsprojekt/
Hier stehen auch die Monitoringberichte zum Download zur Verfügung.


Ressort: Konstanz

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