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Kirche will auf „Sinnsuchende im Etwasismus“ zugehen

Freiburg (pef) Nach Überzeugung von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch sind viele Menschen in Deutschland nicht überzeugte Atheisten, „sondern vielmehr Sinnsuchende, die mit der traditionellen Sprache und den Symbolen unseres christlichen Glaubens nicht mehr vertraut sind“. Dies sagte der Erzbischof von Freiburg am Mittwoch (19.) bei einem „Tag der pastoralen Dienste“, zu dem das Erzbistum Freiburg den Religionsphilosophen Tomáš Halík eingeladen hatte. Professor Halík spricht in diesem Zusammenhang von einem „religiösen Analphabetismus“ und einem „weitverbreiteten Etwasismus“.

Erzbischof Zollitsch erklärte: „Die Menschen glauben vielleicht nicht an einen personal verstandenen Gott, aber irgendetwas Höheres über die Welt hinaus wird es schon geben.“ Diese Menschen seien die Adressaten der Botschaft des Evangeliums in unserer Zeit. Zollitsch verwies auf Tomáš Halíks Aufforderung: „Wir müssen mit den Suchenden auf der Suche sein, sonst wird der Glaube zur Ideologie“ (Herder Korrespondenz 2/2013, S. 73). Diese verdeutliche  „die ganze Weite des Katholischen“ und zugleich die „Ernsthaftigkeit der Herausforderung heutiger Glaubensverkündigung.“ Eine religiöse Gemeinschaft, die nur mit den Hundertprozentigen rechne, ist nach Überzeugung von Professor Halík eine Sekte. „Genau das wollen und dürfen wir nicht sein, wenn wir Jesu Auftrag ernst nehmen, das Evangelium bis an die Enden der Erde und an die Grenzen menschlicher Existenz zu tragen“, sagte Erzbischof Zollitsch beim „Tag der pastoralen Dienste“. Ob eine religiöse Überzeugung für andere Menschen nachvollziehbar und attraktiv ist, ist nach den Worten Zollitschs „weit mehr als die rein theoretische Frage nach dem guten Argument“. Die Glaubwürdigkeit einer Religion hänge aber oft noch „weitaus mehr von ihrer Glaubenspraxis ab und von der Glaubwürdigkeit ihrer Glaubenszeugen“. Hier seien „alle Christen gefordert und in besonderer Weise wir Hauptberuflichen in der Kirche“, sagte Zollitsch im Freiburger Münster.

„Raum für Suchende anbieten“

Tomáš Halík erklärte in seinem Impulsvortrag in der Katholischen Akademie Freiburg (www.katholische-akademie-freiburg.de), der Grundunterschied bestehe heute nicht mehr zwischen Gläubigen und Nicht-Gläubigen, „sondern zwischen ‚dwellers‘ (Heimisch-Gewordene) und ‚seekers‘ (Suchende)“. Nicht die Zahl derer, die glauben, nehme ab, sondern derer, die sich heimisch fühlen. Dabei steige gleichzeitig die Zahl der Suchenden. „Soll die Kirche nicht zu einer Sekte werden, dann sollte sie einen Raum öffnen für die, die am Glauben der Kirche noch nicht beteiligt sind. Es geht nicht darum, ein gemütliches Heim für ‚dwellers‘ zu sein, sondern ein Raum für Suchende!“ Konkret werde das, wo Seelsorger Kranke, Soldaten oder Studenten begleiten und ihnen in ihrem Alltag begegnen. „Wenn Menschen sich die Frage nach dem Sinn stellen, müssen wir ihnen die Freiheit geben, ihre eigenen Wege zu suchen und sie dabei begleiten“, sagte Halík. Dafür sei eine „neue Sprache der Theologie und Verkündigung“ zu suchen, „um den Kern des christlichen Glaubens im Dialog mit den wesentlichen Fragen der heutigen Zeit zum Ausdruck zu bringen und den Entfremdungsprozess zwischen modernem Denken und Theologie zu stoppen“.

Halík, der während des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei als Psychotherapeut arbeitete und 1978 heimlich zum katholischen Priester geweiht worden war, ist nun Professor an der Karlsuniversität Prag und ein auch in Deutschland erfolgreicher Buchautor. Zum „Tag der pastoralen Dienste“ waren mehr als 200 Seelsorgerinnen und Seelsorger nach Freiburg gekommen. Am 27.6. wird es einen weiteren „Tag der pastoralen Dienste“ in Kirrlach geben, zu dem Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) erwartet wird.

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