Zum Hauptinhalt springen
Regionalportal und Internetzeitung für Pressemeldungen!
Vera Perkovic - Meine Hynose
Aug. 10, 2026

Willenlos bei Hypnose? Keineswegs!

Expertin klärt über die unbegründete Angst vor Hypnose auf „Es ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren, etwas zu sagen oder zu denken,…
Juni 09, 2026

Hohe Auszeichnung für zwei Pfarrer

Erzbischof Burger ernennt Thomas Holler und Markus Miles zu nicht residierenden Ehrendomkapitularen Freiburg (pef). Freiburgs Erzbischof…
Investitionen verlassen Deutschland
Energie ©Gerald Kaufmann
  • 17. August 2026

Investitionen verlassen Deutschland

Von Ulrike Beland | DIHK Berlin

Energiewende-Barometer 2026

Hohe Energiekosten stellen für immer mehr Unternehmen eine ernsthafte Belastungsprobe dar: Investitionen werden verschoben, Produktionskapazitäten wandern ins Ausland ab, und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland gerät unter Druck. Das geht aus dem aktuellen Energiewende-Barometer der IHK-Organisation hervor. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von rund 3.100 Unternehmen aller Branchen und Regionen im Juni 2026.

Dabei steht für die Betriebe nicht die Energiewende als solche infrage. Sie unterstützen das Ziel der Klimaneutralität grundsätzlich, erwarten jedoch gleichzeitig eine Klimapolitik, die Transformation und Wettbewerbsfähigkeit verbindet. Nach Einschätzung vieler Unternehmen besteht hier erheblicher Handlungsbedarf. Vor allem energieintensive Betriebe sehen sich mit steigenden Belastungen konfrontiert, die durch internationale Krisen und anhaltende strukturelle Schwächen des hiesigen Standorts zusätzlich verschärft werden.

Energiewende beeinträchtigt Wettbewerbsfähigkeit

In den vergangenen zwölf Monaten sind die Energiekosten weiter in die Höhe geschossen: 49 Prozent der Unternehmen berichten von höheren Strompreisen, 67 Prozent von gestiegenen Kosten für Wärme, vor allem Gas und Heizöl. Entsprechend verschlechtert sich auch der Wert des Energiewende-Barometers, das die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit misst. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung liegt der Wert 2026 auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 bei minus 11,5 Punkten.

Besonders kritisch fällt die Bewertung in Industrie und Handel aus. Beide Branchen kommen auf einen Wert von minus 22 Punkten. Während die Industrie direkt unter hohen Energiekosten leidet, wirken sich diese im Handel eher indirekt über steigende Material-, Transport- und Logistikkosten aus. Gleichzeitig schwächt die sinkende Kaufkraft vieler Verbraucherinnen und Verbraucher die Nachfrage.

Regional zeigt sich ein differenziertes Bild. In Norddeutschland werden die Auswirkungen der Energiewende teilweise positiver beurteilt, da erneuerbare Energien dort zunehmend selbst zum Wirtschaftsfaktor geworden sind. In West-, Süd- und Ostdeutschland hat sich die Bewertung dagegen gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.

Deindustrialisierung wird zur Realität

Problematisch ist die Entwicklung bei den Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Ausgaben für ihre Kernprozesse, weil hohe Energiekosten finanzielle Spielräume einschränken. Auch Klimaschutzmaßnahmen sowie Forschungs- und Innovationsprojekte werden vertagt. In der Industrie ist die Zurückhaltung besonders ausgeprägt: Hier geben 35 Prozent der Betriebe an, eigentlich notwendige Investitionen wegen der hohen Energiekosten aufzuschieben.

Die finanziellen Belastungen wirken sich zudem unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus: Mehr als 40 Prozent von ihnen sehen ihre Marktposition durch die ungünstigen Kostenstrukturen geschwächt, in der Industrie sind es sogar rund zwei Drittel. Gleichzeitig setzen sich Betriebsschließungen fort: Rund 20 Prozent aller Unternehmen prüfen, ob sie wirtschaftliche Tätigkeit in Deutschland einstellen, beziehungsweise haben entsprechende Schritte bereits eingeleitet oder umgesetzt. In der Industrie gilt das für 40 Prozent der Betriebe, bei großen Industrieunternehmen sogar für fast 60 Prozent. Die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung wächst.

Politische Gegenmaßnahmen gewünscht

Vor diesem Hintergrund befürworten viele Unternehmen Maßnahmen zur Stärkung der Energieinfrastruktur, einen beschleunigten Ausbau der Netze sowie eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Strom. Kritisch bewertet werden dagegen zusätzliche Belastungen durch regulatorische Vorgaben oder steigende CO₂-Kosten. Die Diskussion über die Reform des europäischen Emissionshandels zeigt zugleich, dass das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Folgen der Transformation wächst und die Frage nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Kontakt:
Ulrike Beland, DIHK Berlin, +49 30 20308 2204


Ressort: Energie und Umwelt

Weitere Nachrichten