
- 30. September 2026
Tag der Deutschen Einheit: Kirchen rufen zu Mut, Liebe und Besonnenheit auf
Bischöfe und Bischöfin erinnern an die friedliche Revolution und werben für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Stuttgart/Rottenburg/Freiburg/Karlsruhe. In einem ökumenischen Wort zum Tag der Deutschen Einheit rufen die Bischöfe und die Bischöfin der vier großen Kirchen in Baden-Württemberg zu Mut, Zusammenhalt und verantwortungsvollem Handeln auf. Angesichts von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen, wirtschaftlichen Unsicherheiten, den Folgen des Klimawandels sowie des rasanten technischen Fortschritts werben sie dafür, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht von Ängsten leiten zu lassen. Orientierung gebe das Wort aus dem zweiten Timotheusbrief: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Die Deutsche Einheit sei ein Zeichen dafür, was Menschen erreichen können, wenn sie Hoffnung bewahren und Verantwortung übernehmen, schreiben Stephan Burger, Erzbischof der Erzdiözese Freiburg, Ernst-Wilhelm Gohl, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, und Prof. Dr. Heike Springhart, Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, in ihrer Botschaft.
Die friedliche Überwindung der deutschen Teilung bleibe ein herausragendes Beispiel für gesellschaftlichen Mut und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen ermutigen die leitenden Geistlichen dazu, diesen mit Kraft, Liebe und Besonnenheit zu begegnen.
Kraft sei notwendig, um die Zukunft aktiv zu gestalten und Verantwortung für die Demokratie und das gesellschaftliche Zusammenleben zu übernehmen. „Die Geschichte der Deutschen Einheit erinnert uns daran, dass Veränderung möglich wird, wenn Menschen Mut zeigen und sich nicht von Angst bestimmen lassen.“
Besonnenheit schließlich helfe dabei, in Zeiten des Wandels Orientierung zu behalten. Sie bewahre vor vorschnellen Urteilen und einfachen Antworten. „Besonnenheit bedeutet, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen und Entscheidungen im Blick auf das Gemeinwohl zu treffen.“
Die Kirchen danken allen Menschen, die sich in Kirchen, Vereinen, Verbänden, sozialen Einrichtungen, Unternehmen und Politik für das Gemeinwohl engagieren. „Ihr Engagement zeigt, dass unser Zusammenleben von Menschen lebt, die bereit sind, Verantwortung zu tragen und Hoffnung weiterzugeben.“
Lesen Sie in der Anlage das gemeinsame Wort zum 3. Oktober in voller Länge.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger in Baden-Württemberg,
am Tag der Deutschen Einheit blicken wir mit Dankbarkeit auf die Geschichte unseres Landes. Die friedliche Überwindung von Teilung und Unfreiheit bleibt ein herausragendes Zeichen dafür, was Menschen erreichen können, wenn sie Hoffnung bewahren, Verantwortung übernehmen und gemeinsam den Mut finden, neue Wege zu gehen.
Wir begehen diesen Tag in einer Zeit großer Veränderungen. Kriege, gesellschaftliche Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, die Herausforderungen des Klimawandels und die rasanten Entwicklungen von Wissenschaft und Technik lösen bei vielen Menschen Fragen und Sorgen aus. Viele blicken mit Sorge in die Zukunft.
In diese Situation hinein spricht das biblische Wort: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Kraft brauchen wir, um die Herausforderungen unserer Zeit nicht passiv zu erdulden, sondern aktiv zu gestalten. Unsere Demokratie, unser gesellschaftliches Zusammenleben und die Zukunft kommender Generationen sind darauf angewiesen, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Die Geschichte der Deutschen Einheit erinnert uns daran, dass Veränderung möglich wird, wenn Menschen Mut zeigen und sich nicht von Angst bestimmen lassen.
Liebe ist die Kraft des Zusammenhalts. Sie bewährt sich besonders in der Solidarität mit den Armen, Schwachen und Bedürftigen. Der Zustand unserer Gesellschaft bemisst sich zuerst daran, wie sie den Menschen begegnet, die auf Hilfe und Beistand angewiesen sind. Christliche Nächstenliebe drängt dazu, Not wahrzunehmen, Einsamkeit zu durchbrechen und Verantwortung für diejenigen zu übernehmen, deren Stimme leicht überhört wird. Wo Menschen füreinander einstehen und Lasten miteinander tragen, wächst Vertrauen. So wird Liebe zur tragenden Kraft eines solidarischen Gemeinwesens und zu ei- nem unverzichtbaren Fundament gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Besonnenheit schließlich hilft uns, in Zeiten tiefgreifenden Wandels Orientierung zu bewahren. Sie bewahrt vor vorschnellen Urteilen und einfachen Antworten. Besonnenheit bedeutet zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen und Entscheidungen im Blick auf das Gemeinwohl zu treffen. Gerade in einer von Unsicherheit geprägten Zeit brauchen wir die Fähigkeit, verantwortungsvoll und mit klarem Blick die Zukunft zu gestalten.
Kraft, Liebe und Besonnenheit sind damit mehr als persönliche Tugenden. Sie sind Haltungen, die unser Gemeinwesen tragen. Sie stärken den Mut zur Gestaltung, fördern den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und befähigen uns, Verantwortung füreinander und für die Zukunft unseres Landes zu übernehmen. Wir danken allen, die sich in Kirchen, Vereinen, Verbänden, sozialen Einrichtungen, Unternehmen und der Politik für das Gemeinwohl einsetzen. Ihr Engagement zeigt, dass unser Zusammenleben von Menschen lebt, die bereit sind, Verantwortung zu tragen und Hoffnung weiterzugeben. Am Tag der Deutschen Einheit bitten wir Gott um seinen Segen für unser Land. Möge er uns Kraft schenken, die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen, Liebe, die Brücken zwischen Menschen baut, und Besonnenheit, die den Weg in eine gute Zukunft weist. Die Bischöfe und die Bischöfin der Kirchen in Baden-Württemberg






