
- 08. September 2026
Bundesrat Rösti heizt dem Rhein ein
Basel - TRAS fordert bei der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) verbindliche Regeln für Wärmeeinleitungen ein. Grund dafür: der Schweizer Umweltminister Albert Rösti hat erlaubt, dass Leibstadt auch dann erwärmtes Kühlwasser in den Rhein einleitet, wenn dieser bereits über 25 Grad warm ist. Laut des Schweizerischen Fischereiverbands eine potentielle Todesgefahr für die bereits bedrohten Fischarten. Diese Aufweichung wurde per Verfügung gelockert; also ohne parlamentarische Debatte. «Es ist nicht akzeptabel, dass eine so wichtige Schutzvorgabe gelockert wird, ohne dass Parlament und Öffentlichkeit darüber diskutieren können. Hier wurden wieder einmal die Spielregeln zugunsten der AKW verändert – damit diese auch bei grosser Hitze weiterlaufen können, statt ihre Leistung zu drosseln oder den Betrieb einzustellen. Das spart den Betreibern Kosten, während die zusätzliche Belastung der Gewässer die Allgemeinheit trägt. Solche Entscheidungen gehören nicht ins Hinterzimmer, sondern in die öffentliche Debatte», sagt Marionna Schlatter, Präsidentin des TRAS.
Der Rhein am Limit, die Fische am Ende
Die Klimakrise heizt die Flüsse auf. Die Einleitung von erwärmtem AKW-Kühlwasser erhöht die Hitzebelastung zusätzlich. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, und Fische und andere Wasserorganismen geraten weiter unter Druck. Wärmeres Wasser begünstigt zudem wärmeliebende invasive Arten, die heimische Lebensgemeinschaften verdrängen können. In der Schweiz sind bereits drei von vier Fischarten vom Aussterben bedroht: «Der Rhein ist schon heiss genug. Für viele Fische kann die zusätzliche Wärme buchstäblich der letzte Hitzetropfen sein. Wir können es uns nicht leisten, unsere Flüsse für den Weiterbetrieb alter Atomkraftwerke noch weiter aufzuheizen», sagt Marionna Schlatter. Zusätzlich wird so die Wiederansiedlung des Lachses und anderer Langdistanzwanderfische im Rheinsystem beeinträchtigt.
«Der Rhein kennt keine Landesgrenzen – und auch die Folgen seiner Erwärmung machen nicht an der Schweizer Grenze halt. Wenn die Schweiz ihre Schutzvorgaben für Leibstadt lockert, braucht es umso dringender gemeinsame internationale Regeln.», sagt Marionna Schlatter weiter. «Die IKSR muss dafür sorgen, dass die Schutzstandards am Rhein nicht von Land zu Land unterschiedlich aufgeweicht werden». Das Programm «Rhein 2040» der IKSR enthält bisher nur allgemeine Ziele, aber keine konkreten Temperaturgrenzen. TRAS ist der Meinung: Nach der Durchmischung des Kühlwassers darf der Rhein höchstens 25 Grad warm sein. Wird dieser Wert überschritten, muss die Wärmeeinleitung gestoppt werden.
Die Wärmebelastung bleibt im Dunkeln
Auch für die Aare, in die die AKW Beznau und Gösgen erwärmtes Kühlwasser einleiten, fehlt bislang eine Gesamtübersicht über die thermische Belastung. Die Einträge aus Atomkraftwerken, Industrie und Kläranlagen werden nicht in einem gemeinsamen, öffentlich zugänglichen Kataster erfasst. Dadurch bleibt unklar, wie stark Aare und Hochrhein insgesamt durch zusätzliche Wärme belastet werden. TRAS fordert deshalb ein Abwärmekataster für Aare und Hochrhein, das die wichtigsten Wärmequellen systematisch erfasst. Nur wenn sichtbar ist, wer wie viel Wärme in die Gewässer einträgt, kann die Belastung wirksam reduziert werden.






