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Kritik am ZDF Fußballstrand auf Usedom

Vielleicht wollte das ZDF einfach nur den Erfolg von Bregenz wiederholen. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz hatte es ebenfalls eine Bühne und Leinwand im Wasser des Bodensees aufgebaut und war damals hochgelobt worden. Der Standort Bregenz hatte allerdings einen geografischen Bezug zu den Gastgeberländern und zu Deutschland. Für die Euro 2012 hat der Sender sein Quartier auf Usedom aufgeschlagen, nicht weit weg von Polen, aber in erheblicher Distanz zur Ukraine. Das Szenenbild ähnelt dem von vor vier Jahren, nur dass Bühne und Großbildschirm diesmal in der Ostsee stehen und das Publikum am Strand in Liegestühlen Platz nehmen darf. Es findet keine Berichterstattung aus den Städten statt, in denen die Spiele laufen.

In den letzten Tagen ist fast die gesamte deutsche Tages- und Wochenpresse über das ZDF hergefallen. Es hagelte Kritik, Hohn und Spott von allen Seiten. Die "Süddeutsche Zeitung" sprach von einer "Art AOK-Kongress", weil das Publikum fast nur aus Rentnern bestand, die auf Usedom zur Zeit Urlaub machen. Auch die Zuschauerzahlen ließen bisher zu wünschen übrig. Wenn Deutschland nicht spielte, blieb die Hälfte der Stühle leer. Die "Bild"-Zeitung titelte gar in Anspielung auf das Motto des Senders: "Mit dem Zweiten sieht man Wasser."

Der Großteil der negativen Kritik bezog sich auf die Wahl des Sendeortes. Bei vergangenen großen Turnieren war das ZDF meistens ganz nah am Geschehen, bei der WM 2006 am Potsdamer Platz in Berlin mit einer Arena in Miniaturform für 3.000 Zuschauer, bei der WM 2010 in Südafrika direkt in den Stadien. Ein Sprecher rechtfertigte die Festlegung auf Usedom damit, man habe sich ein Publikum gewünscht, das Deutsch versteht. Von der Seebühne werden auch noch andere Sendungen des ZDF übertragen. Zudem glaubte man wohl, dass viele Touristen sich die Gelegenheit zur Teilnahme nicht entgehen lassen würden. Allerdings spielen die Temperaturen auf der Insel zur Zeit nicht so richtig mit – im Gegensatz zur Hitze in Polen und vor allem in der Ukraine ist es auf Usedom zur Zeit eher kühl und regnerisch, weswegen ein großes Festzelt vielleicht angebrachter wäre.

Die vernichtende Berichterstattung der Presse bezieht sich aber auch auf die Inhalte der Sendung, auf die langweilige Atmosphäre und auf die beiden Hauptakteure: Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn. Viele Vergleiche werden zum Team der Konkurrenz ARD gezogen, nämlich Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl. Auch an die EM 2008 wird immer wieder erinnert, als mit Johannes B. Kerner und vor allem der Trainer von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, ein sehr unterhaltsames Rahmenprogramm zu den Fußballspielen geboten wurde.

Der "Stern" spricht Oliver Kahn jegliche Kompetenz zu Analysen ab. Und auch allzu großer Charme wird dem ehemaligen Torhüter von Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft nicht nachgesagt. Das Duo Müller-Hohenstein und Kahn bewegt sich laut "Stern" am "Rande der wohlfeilen Aussagelosigkeit".

Der Sender verteidigt sich. Man habe Usedom wegen der Nähe zu Polen ausgesucht, denn man wolle neben Urlaubs- und Strandfeeling auch eine politische Botschaft vermitteln. Das klingt bei einer Entfernung von etwa 1.500 Kilometern zur Ukraine, die wegen ihrer Menschenrechtspolitik umstrittenen ist, dann doch recht dürftig. Die beiden Moderatoren reagierten mit Unverständnis auf die Kritik der Presse. KMH, wie sie kurz genannt wird, sprach von Häme und Respektlosigkeit der Medien. Kahn verwies darauf, dass alle Kommentare reine Polemik seien, mit der er sich nicht auseinandersetzen würde.

Rundum zufrieden ist nur Lars Petersen, der Bürgermeister von Heringsdorf. Er schwärmt für den unbezahlbaren Marketingeffekt und erhofft sich für die Zukunft größere Touristen- und Besucherströme, die Urlaub in einer Ferienwohnung auf Usedom machen möchten. Vorher allerdings muss die Gemeinde erst mal tief in die öffentlichen Taschen greifen. Mehrere Reinigungsdienste und Sicherheitsunternehmen wollen bezahlt werden. Petersen schätzt die Mehrausgaben auf 60.000 Euro, im Tourismus-Ausschuss der Stadt geht man von 130.000 Euro aus. Trotzdem werde der Effekt der Verbreitung des Namens von Heringsdorf sich langfristig bezahlt machen, so Petersen.

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