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Offener Brief

Enttäuschung an Umgangsformen
in der VHS Konstanz-Singen

Gastkommentar von Dennis Riehle

Sehr geehrter, lieber Herr Landrat,

als Vorsitzender der Mitgliederversammlung der Volkshochschule Konstanz-Singen möchte ich mich heute mit Enttäuschung über die Umgangsweise mit mir als ehemaligem Dozenten an einer der wichtigsten Bildungseinrichtungen des Landkreises an Sie wenden.

Die VHS ist in der Vergangenheit nicht nur durch finanzielle Turbulenzen in die regionalen Schlagzeilen gelangt. Auch aufgebrachte DozentInnen haben von sich hören lassen und teils erhebliche Kritik an den inneren Strukturen der Volkshochschule geübt.

Ich war über mehrere Jahre hinweg als Dozent an der VHS tätig. Von Beginn an begleitete mich ein Misstrauen, das seinen ersten Höhepunkt in einem Vorwurf meiner zuständigen Abteilungsleiterin fand, wonach „einer der Bürgermeister festgestellt habe, dass ich mein Studium nicht abgeschlossen habe“. Bemerkenswert einerseits, dass die Bürgermeister scheinbar darauf aus waren, die Dozenten der VHS auf ihre Abschlüsse hin zu überprüfen und Unklarheiten direkt an die zuständige Leitung weiterzugeben – ohne vorab den persönlichen Kontakt oder die Nachfrage zu suchen. Andererseits ist es empörend, dass ein Bürgermeister anhand meiner Webseite feststellen will, welches Studium ich wann, wo und wie überhaupt beendet habe. Abgesehen davon, dass der Umstand für die Tätigkeit an der VHS von keiner Relevanz war (zumal zum damaligen Zeitpunkt noch keine festgelegten Voraussetzungen für die Arbeit als VHS-Dozent bestanden), lege ich auf meiner Homepage eindeutig klar, dass ich ein mehrsemestriges Studium an der FernUniversität ohne Abschluss zu Ende gebracht habe.

Was ein Bürgermeister hier feststellen möchte und überhaupt zum Ausdruck bringen will, war mir ebenso unklar wie der Umstand, dass die Abteilungsleiterin zunächst von der Ansetzung weiterer Veranstaltungen mit mir als Dozent Abstand genommen hatte. Alle für die folgenden Kurse notwendigen Abschlüsse waren in Form von Zeugnissen und Zertifikaten vorhanden – so, wie es die Vorgaben einfordern. Schon damals habe ich mit großer Unzufriedenheit geäußert, dass Bürgermeister scheinbar Dozenten hinterher spioniert hatten und Vorwürfe entwickelten, die Dozenten wie mir skandalisierend vor die Füße geworfen und in anschuldigender Form des abgrundtiefen Misstrauens ohne jegliche Vorabprüfung und Diskussion als Tatsachen unterstellt wurden. Nach meinen Informationen ging es mindestens 20 Dozentenkollegen ähnlich.

Erst vor kurzem hatte sich ein weiterer Vorfall ereignet, der schlussendlich offenbar zum Bruch zwischen der Abteilungsleitung beziehungsweise dem Vorstand und mir geführt hat. Eine Vortragsveranstaltung war bereits terminiert und mit Uhrzeit und Raum festgelegt worden – blieb schlussendlich im Veranstaltungsheft aber unerwähnt. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass ich den Termin aus meinem Kalender streichen könne. Eine weitere Begründung erhielt ich nicht. Erst nach Bekanntwerden über die Medien nahm der Vorstand Kontakt zu mir auf und lud zu einer klärenden Aussprache. Ich war und bin mir bis heute nicht bewusst, weshalb es dazu kommen sollte – ich sehe keinen Grund, weswegen eine Veranstaltung, die fest eingeplant war, kurzfristig aus dem Programm genommen wurde, während es keinerlei Vorfall oder Anhaltspunkt gegeben hatte, der dies nach meinem Empfinden gerechtfertigt hätte. Auch war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, dass zahlreiche andere Kollegen in die VHS vorgeladen wurden – und dann in großer Runde von leitenden Mitarbeitern zu einer, wie es Dozenten berichteten, „Standpauke“ aus unerfindlichen Gründen geladen wurden. Solch eine Situation wollte ich mir ersparen – sah ich auch keine Notwendigkeit, denn mit meinen überschaubaren durchschnittlich zwei Veranstaltungen pro Semester gab es keinen Grund zur Annahme, dass ich mir hätte eines Fehlers bewusst sein müssen. Außerdem erwarte ich von einem geordneten Miteinander eine zeitnahe und transparente Kommunikation, die nicht erst auf Nachfrage der Presse oder in einem ohne Angaben von Inhalten festgelegten Gesprächstermin erfolgt.

Ja, das Klima in der Volkshochschule hatte sich merklich geändert. Man muss durchaus von Furcht sprechen, wenn es um die emotionale Lage vieler Kollegen ging. Wann würde es die nächste Vorladung geben? Welche Anfeindungen muss man als nächstes erwarten? Drohen Rausschmiss oder Levitenlesen? Ich habe diese Wahrnehmungen der VHS mitgeteilt, auch die Entscheidung, dem genannten Gespräch nicht beizuwohnen, weil ich ohne Vorabkenntnis über Inhalte und Teilnehmer eine Aussprache für nicht sinnvoll erachtete. Gleichzeitig äußerte ich den Wunsch auf eine wieder von stärkerer Ehrlichkeit und Respekt geprägten Umgangsform und einem unbelasteten Arbeitsverhältnis in den folgenden
Semestern.

Dennis Riehle
Martin-Schleyer-Straße 27
78465 Konstanz


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