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Mythos "Dämmen fördert Schimmelbildung"

Welche Strategien gegen die Schimmelgefahr wirklich erfolgreich sind
Eine Aufklärungsserie von Zukunft Altbau zur Dämmung der Gebäudehülle, Teil 1.

Die Vorstellung hält sich beharrlich in den Köpfen der Menschen: Wärmedämmung soll die Schimmelbildung im Haus fördern, da sie die Abfuhr der feuchten Luft durch die Außenwand verhindert. Das ist falsch, so Petra Hegen vom Landesprogramm Zukunft Altbau des Umweltministeriums Baden-Württemberg. "Wände könnten gar keine Luft transportieren, ob gedämmt oder ungedämmt. Als Schimmelursache scheidet die Theorie der Luftdurchlässigkeit aus, sie ist seit über 90 Jahren widerlegt."

Der gesundheitsschädliche Pilz wächst dort, darin sind sich alle Bauexperten einig, wo warme, feuchte Raumluft auf kalte Oberflächen trifft und kondensiert. Eine fachgerechte Wärmedämmung sorgt daher für ein geringeres Schimmelrisiko, denn warme Außenwände der Wohnung verhindern einen Niederschlag von Feuchtigkeit aus der Luft. Dämmen sei deshalb eine wichtige Strategie gegen die Schimmelgefahr, so Petra Hegen. Regelmäßiges Lüften und richtiges Heizen seien natürlich gleichermaßen nötig.

Neben der Wanddämmung sollten Hausbesitzer auch einen Fenstertausch vornehmen lassen, rät Roland Falk vom Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg. Alte Fenster lassen zu viel Wärme nach draußen und Kälte hinein. Die Folge ist: Der angrenzende Wandbereich, auch wenn er gedämmt ist, kühlt aus und kann Schimmel ansetzen. Neue Wärmeschutzfenster und neu gesetzte Anschlüsse zur Wand verhindern diese Wärmebrücken zwischen den Bauteilen. "Besonders schlimm ist die Schimmelgefahr übrigens, wenn ein Fenstertausch ohne eine Wanddämmung und ohne eine Dämmung der Fensterlaibung erfolgt", so Fachmann Falk.

Eine wichtige Strategie gegen Schimmel ist auch richtiges Lüften: Die Feuchtigkeit in der Luft kann durch regelmäßiges Querlüften niedrig gehalten werden. Besonders wenn neue, dichte Fenster installiert wurden, ist das nötig, denn sie haben keine undichten Fugen mehr. Zwei- bis dreimal täglich für einige Minuten das Fenster ganz aufzumachen reicht völlig aus. Das vermindert das Schimmelrisiko noch weiter. Auf keinen Fall sollte das Fenster längere Zeit gekippt werden, auch nicht im Schlafzimmer oder der Toilette. Dadurch kühlen die Wände nur unnötig aus. Hilfreich ist ein Hygrometer, das den relativen Luftfeuchtegehalt misst. Liegt der Wert längere Zeit über 60 Prozent, ist Lüften angesagt. Besonders komfortabel ist eine Lüftungsanlage - sie besorgt den nötigen Luftaustausch automatisch.

Angemessen Heizen ist ebenfalls eine wirksame Waffe gegen den Schimmelpilz: Wohnräume sollten nicht zu stark runtergekühlt werden, unter 16 Grad dürfe die Temperatur nicht fallen, auch nicht bei gut gedämmten Häusern, so Roland Falk vom Fachverband der Stuckateure.

Infokasten: Eine Wand ist keine zweite Haut

Der Auffassung von der Schädlichkeit der Wärmedämmung liegt folgende Theorie zugrunde: Intakte Wände müssten, wie die menschliche Haut oder ein Kleidungsstück, atmen, sonst könne die feuchte Luft die Wohnung nicht verlassen. Wer die "Wandporen" verschließe, nehme Feuchtigkeit und als Folge Schimmel in Kauf. Doch: Der Austausch feuchter Luft erfolgt immer ausschließlich über das Lüften oder über alte, undichte Fenster. Wände selbst können grundsätzlich nicht atmen, es sei denn sie haben Löcher. Geprägt hat die falsche Vorstellung Max von Pettenkofer im 19. Jahrhundert. Von fehlerhaften Messergebnissen ausgehend kam der Wissenschaftler zu dem Schluss, Steinwände seien atmungsfähig. Seit 1928 ist die Theorie widerlegt.

Eine neutrale Auskunft zu Schimmel in Wohnhäusern gibt es beim kostenfreien Beratungstelefon von Zukunft Altbau 08000 12 33 33 oder unter www.zukunftaltbau.de.

 

Axel Vartmann, PR-Agentur Solar Consulting GmbH,
Solar Info Center, Emmy-Noether-Straße 2, 79110 Freiburg,

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