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Scheinheiligkeit, Mobbing und Konservativismus:

Riehle Dennis Nr7Auch in der evangelischen Kirche sind die Brüche zwischen Kirchenführung und der Basis nicht weniger stark ausgeprägt als bei den katholischen Christen. Diese Auffassung vertritt zumindest der frühere Vorsitzende der Christlichen Lebensberatung e.V. und evangelische Sachbuchautor, Seelsorger und Prädikant, Dennis Riehle (Konstanz). Er hatte im Dezember die Kirche verlassen, nachdem er als von vielen Seiten für evangelikal eingeschätzter Protestant über Jahre hinweg in der kirchlichen Arbeit eingebunden war und Einblicke in die Strukturen der badischen Landeskirche und der EKD bekam.

„Unter den Protestanten ist die Eigenständigkeit des Gläubigen noch stärker ausgeprägt, weshalb es öfter zu Zwist mit den Obrigkeiten kommt – ob mit Gemeindepfarrer, Dekanat oder Kirchenleitung. In der katholischen Kirche hat das Miteinander zwischen Haupt- und Ehrenamt weniger Tradition und daher auch geringere Reibungspunkte“, meint Riehle. „Schlussendlich kann dort, wo zunächst ein offenerer Umgang untereinander herrscht, der Rückfall im Vertrauen größer sein. Aufgrund der breiteren Mitbestimmungsebene sind egozentrische Macht- und Einflussbestrebungen wesentlich intensiver“.

Was Riehle als besonders auffällig konstatiert, sind die immensen Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber Homosexuellen, die auch unter Protestanten markant auffielen: „Eigentlich müsste man vermuten, dass die evangelische Kirche hier weiter sei. Ich persönlich habe das aber ganz anders erfahren – und ich bin hier nicht der einzige. Weil ich mit 20 Jahren noch keine Beziehung führte und angeblich mit Pfarrvikaren besser zusammenarbeitete als mit ihren weiblichen Kollegen, wurde die Vermutung über eine homosexuelle Neigung abgeleitet. Ohne jegliches Zutun oder gar Bestätigung meinerseits brach sich das Gerücht seinen freien Lauf“. Die fehlende Geradlinigkeit der Pfarrer sei enttäuschend: „Diejenigen, die ihren Beruf ausüben, weil sie sich auf einen Luther berufen, der zumindest in Sachen seiner – nicht nur guten – Überzeugungen standhaft war, dürften mehr Rückgrat an den Tag legen“.  

Riehle hebt aber auch die Oberflächlichkeit und fehlende Menschlichkeit unter vielen protestantischen Gläubigen hervor: „Dass man auf Grundlage von Mutmaßungen schlussendlich auch Mitchristen erlebte, mit denen man jahrelang vertrauensvoll zusammenarbeitete, die letztlich die Straßenseite wechselten oder im Gottesdienst einen anderen Sitzplatz suchten, ist eine schmerzvolle Erinnerung. In der letzten Reihe fand ich oftmals noch Platz, allerdings ohne jeglichen Blickkontakt oder Wahrnehmung. Letztlich war hinter der Vermutung über mein angebliches Schwulsein auch das Herausdrängen aus der Jugendarbeit begründet worden. Gerade in konservativen Kreisen der evangelischen Landeskirchen ist der Zwang zur stringent einheitlichen Sichtweise ungebrochen. ‚Kein Segen für Homosexuelle‘ waren gleichsame Parolen wie ein undifferenziertes Nein zu Schwangerschaftsabbrüchen oder Scheidungen“.

„Wer erlebt, dass am Sonntag von ‚Vergebung für alle‘ gepredigt wird – und am Montag ins Gesicht gesagt bekommt, das diese Gnade für die eigene Person nicht zählt, dem wird auch die Scheinheiligkeit der Protestanten bildlich vor Augen geführt“, resümiert Riehle und zeigt sich überzeugt: „ Auch wenn in der evangelischen Kirche möglicherweise nicht das Ausmaß an Erniedrigung existiert wie durch die katholische Dogmatik, so ist dafür modernes Mobbing allgegenwärtig. Für mich bedeutete das beispielsweise, dass in Gremiensitzungen ausdrücklich davor gewarnt wurde, mich in die Gemeinde aufzunehmen, um sich ‚Ärger zu ersparen‘. Durch meinen offenen Umgang mit psychischen Beschwerden wurde auch mein anfänglicher Wunsch nach einem Theologie-Studium relativiert. ‚Psychisch kranke Seelsorge kann die Kirche nicht gebrauchen‘, war die Aussage. Meine Ausbildung zum Prädikanten legte ich erfolgreich ab, scheiterte dann aber für einen praktisches Wirken an einer wohl persönlichen Abneigung der Bezirksvertreter, die mich hätten berufen müssen; der belegte Lehrgang bei der EKD wurde in der badischen Landeskirche nicht anerkannt“.

Und letztlich ist das Schweigen über die Anschuldigungen ebenso groß wie bei der katholischen Seite: „Meinen Austritt habe ich mit einem umfangreichen Schreiben begründet, das allen Ebenen der evangelischen Kirche zuging. Regungen gab es von höherer Stelle dazu nicht“, zeigt sich Dennis Riehle wenig verwundert, der heute im säkular-humanistischen Bereich engagiert und aufgrund von Mehrfacherkrankungen zum Schluss gekommen ist: „Nicht das Leid an sich, sondern die ungerechte Verteilung dessen erschütterte mein Gottesbild erheblich. Ich habe es nicht geschafft, aus den Tiefen heraus mit einer wachsenden Überzeugung neu zu starten. Viel eher war die ‚Theodizée‘-Frage letztlich unumgänglich für mich. Intensives Gebet oder ein betont christlicher Lebensstil ließen mich dennoch Erfahrungen machen, die Skepsis an einem theistischen, aber auch deistischen Gott nährten. Ich muss nicht wissen, wer oder was den Anstoß für eine Entwicklung des Universums gegebenen hat und die ständige Dynamik der Evolution am Laufen hält. Betrachte ich mein menschlich begrenztes Verständnis, gehört es auch nicht zu meinen Aufgaben, hierfür eine endgültige Erklärung zu finden. Oftmals wurde ich in der Vergangenheit als ‚Vorzeigechrist‘ tituliert, heute lehne ich kirchliche Sonderwege im Arbeitsrecht, Dogmen menschenrechtlich umstrittene Rituale ebenso wie finanzielle und gesellschaftliche Bevorzugungen für Glaubensgemeinschaften ab.“

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