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„Regenwald zu Biodiesel ist nicht nachhaltig“

 

Oettinger-Suedwest-MesseMK2 6186Ausstieg aus der Kernkraft, rein in die Sonnenenergie, runter mit der Förderung für Solaranlagen, hoch mit den Strompreisen, Hausdämmung ja, aber keine Steuererleichterung– die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland fragen sich, wohin die energiepolitische Reise geht.

Villingen-Schwenningen – „Bei der Mobilfunkrechnung kennen wir uns in allen Tarifen aus. Bei Autos kennen wir uns aus und sparen mit Abschaltautomatik und Blue Efficiency. Aber bei der Stromrechnung sind wir im Tal der Ahnungslosen“, mahnte EU-Kommissar für Energie Günther Oettinger am Sonntag Abend auf der Südwest Messe bei der Diskussionsrunde mit Moderatorin und Journalistin Silke Thole, Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon sowie zahlreichen Journalisten und Bürgern. „Wir wissen nicht, wo Wärme- und Kältefresser sind. Wir brauchen intelligente Tarif-Regelungssysteme.

Die Waschmaschine sollte nicht am Montag Morgen um halb Acht angehen, wenn die Wirtschaft brummt, sondern dann, wenn der allgemeine Verbrauch geringer ist, vielleicht nachts um halb vier.“ Vor allem brauche man eine sachliche öffentliche Diskussion zum Thema Energie, die sich nicht nur auf den Strom beschränkt, sondern Wärme und Energieeffizienz einbezieht; eine Diskussion, die sich nicht nur reduziere auf „Kernkraft nein, Photovoltaik ja“. Und gerade bei der Wärmedämmung habe Deutschland große Erfahrungen. Dieser Markt lasse sich erheblich ankurbeln, indem man die Kosten bei der Einkommensteuer abziehbar macht. „Wir müssen bei der Energie raus aus der Romantik und weg von der Ideologie“. Solarstrom sei ideal für dezentrale Lösungen.

Das Energieeinspeisegesetz, das Solarstrom subventioniert, sei für den Start dieser Form der Energiegewinnung richtig gewesen. Aber: „Photovoltaik ist für das dunkle Schwarzwald-Seitental nicht effizient.“ Und: „Als Industrieland brauchen wir bezahlbare Energie rund um die Uhr. Wir wollen Bahn fahren und fernsehen, auch wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.“ Und der Bedarf eines Industrielands ist gewaltig: „Die BASF braucht mehr Strom als der Staat Dänemark.“ Auch bei der umstrittenen Technologie des Fracking, der Gewinnung von preiswertem Schiefergas aus großen Tiefen, die im Verdacht steht, das Grundwasser zu beeinträchtigen, rät Oettinger dazu, die Fachleute gesicherte Testprojekte durchführen zu lassen: „Ich sage nicht einfach Ja zum Fracking. Aber ich möchte es auch nicht ohne Information und Prüfung von vornherein ablehnen“. Angesprochen auf Energiegewinnung aus Wasserkraft, appellierte der EU-Kommissar an die Genehmigungsbehörden, den Antragstellern so weit wie möglich entgegenzukommen. In der Nachhaltigkeits-Bilanz habe Wasserkraft gute Werte. Allerdings warnte Oettinger vor Scheuklappen-Diskussionen in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit: „Wir verheizen und verstromen Gas, das umweltfreundlicher als Kohle verbrennt. Aber wer fragt nach den Bedingungen für Umwelt und Menschen, wo und wie das Gas produziert wird? Wir verfeuern Holzpellets, auch wenn nicht Abfallholz, sondern der Wald direkt in die Verbrennung geht. Biodiesel ist nicht nachhaltig, wenn dafür der Regenwald verschwindet.“

 

Großes Interesse an Energiefragen: Von EU-Kommissar Günther Oettinger (M) erhielten die zahlreichen Journalisten und Bürger bei der Diskussionsrunde auf der Südwest Messe Informationen aus erster Hand. Nicht nur Moderatorin Silke Thole (l) und Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon (r)hatten brennende Fragen mitgebracht.

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