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Glasfasernetze in Europa sind finanzierbar!

Das FTTH Council Europe hat das Argument schon oft gehört: "es gibt nicht genug Geld um den Ausbau von Glasfasernetzen bis zum Haushalt (Fibre to the Home, FTTH) zu finanzieren". Gerne wird auf unlösbare Problemstellungen verwiesen, z.B. die Erwartungen der Aktionäre, der steigende Wettbewerbsdruck oder die Wirtschaftskrise. Und sofort leiten Netzbetreiber - allen voran die ehemaligen Monopolisten daraus ab, dass sie sich den Bau von Glasfasernetze nicht leisten können. Wie im Chor stimmen Politiker in das Klagelied ein. Doch ähnlich wie die Behauptungen des Schneiders im Märchen "Des Kaisers neue Kleider" halten auch diese Argumente einer näheren Betrachtung nicht stand.

Dies beginnt schon mit einfachen Fakten. Der Verband der Europäischen Telekom-Netzwerkbetreiber (ETNO), der die ehemaligen Monopolisten in Europa vertritt, gibt an, dass seine Mitglieder in den letzten 6 Jahren im Durchschnitt 29 Milliarden EUR in Infrastruktur investiert haben - ungefähr 17 Milliarden EUR davon in das Festnetz. Zusätzlich haben die alternativen Anbieter knapp 16 Milliarden EUR pro Jahr investiert und wir schätzen, dass ungefähr derselbe Anteil für das Festnetz aufgewendet wurde. Nimmt man nun an, dass die Investitionen in den nächsten Jahren in derselben Höhe getätigt werden, würde dies einem Gesamtinvest von bis zu 210 Milliarden EUR bis 2020 entsprechen. Tatsächlich ist jedoch davon auszugehen, dass zusätzliche Investitionen in den Glasfaserausbau zum Anschluss von 4G/LTE Basisstationen getätigt werden. Auf Basis der daraus resultierenden Synergien ist das Investitionspotential sogar noch größer!

Es ist also Geld für Telekommunikations-Infrastruktur vorhanden. Es scheint allerdings klar, dass die ehemaligen Monopolisten wie die Deutsche Telekom ihre Glasfasernetze bis zum Haushalt (FTTH) vor allem in großen Städten bauen werden, wo die Kosten am geringsten und der Konkurrenzdruck am größten ist. Das Resultat ist, dass sich schon heute die ehemaligen Monopolisten nur für weniger als ein Viertel der FTTH-Anschlüsse verantwortlich zeigen und es keine Anzeichen gibt, dass sie FTTH flächendecken ausbauen werden. Ein Glasfaser-Investment in kleineren Städten und Gemeinden setzt eine langfristige Strategie voraus. Deshalb sind es vor allem Stadtwerke, Energieversorger und regionale Betreiber, die in diesen Gebieten die Führungsrolle übernehmen. Unglücklicherweise sind diese Projektbetreiber oft in einem "Niemandsland" gefangen, wenn es um die Finanzierung geht. Einerseits ist der Finanzbedarf der Projekte zu groß und spezifisch für lokale Banken. Andererseits sind die Vorhaben aber zu klein, um institutionelle Investoren ansprechen zu können.

Aufgrund dieser Situation ist es überraschend, dass die Europäische Kommission ihre Breitband-Politik bisher vorwiegend an den ehemaligen Monopolisten ausgerichtet hat. Aus unserer Sicht wird der Telekom-Sektor nicht in der Lage und nicht Willens sein, den Umstieg von Kupfer zu Glasfaser aus eigener Kraft zu finanzieren. Viele Netzwerkbetreiber kämpfen mit finanziellen Problemen und es gibt keine Garantie, dass ein verändertes regulatorisches Umfeld nicht zu höheren Kosten führen könnte. Es wäre deshalb unserer Meinung nach viel wichtiger, dass die Kommission Anreize setzt, damit "externes" Kapital in den Telekomsektor fließt

Ein erster diesbezüglicher Versuch war das "Connecting Europe Facility" (CEF). In dessen Rahmen wurden 7 Milliarden EUR für Breitband-Infrastruktur vorgesehen. Durch typische Hebeleffekte hätten diese nach Meinung der Kommision zu einem Investitionsvolumen von bis zu 50 Milliarden EUR zwischen 2014 und 2020 geführt. Leider haben die EU Mitgliedsstaaten die Initiative im Keim erstickt, als das CEF-Budget drastisch gekürzt wurde. Mitschuld daran waren viele der Europäischen Ex-Monopolisten, die deutlich gemacht haben, dass Sie diese Form der Finanzierung nicht wünschen.

Mit der Ablehnung des CEF als Finanzierungsquelle haben die Europäischen Mitgliedsstaaten wieder selbst die Verantwortung bekommen, die Finanzierung ihrer Breitband-Pläne sicherzustellen. Allerdings haben bislang nur wenige Länder diese Aufgabe ernst genommen, während ein Großteil immer noch hofft, dass die Zwischenlösungen mittels Kupfer-Upgrade oder Wireless das Problem lösen werden. Frankreich ist eines der wenigen positiven Beispiele. Dort wurde ein zukunftsweisender Breitbandplan mit Glasfaser-Schwerpunkt verabschiedet und ein milliardenschweres Finanzierungspaket bereitgestellt. Dies steht in scharfem Kontrast zu der Situation z.B. in Großbritannien, wo die nationale Politik den Ex-Monopolisten dabei unterstützt, in die nicht zukunftssichere Aufrüstung der veralteten Kupfernetze zu investieren.

In den letzten Jahren konnte man beobachte, dass jene Länder, die FTTH als Zielsetzung haben und ihre nationalen Pläne entsprechend ausrichten, die größten Fortschritte in Richtung Digitale Agenda Ziele machen. Die Mindestvoraussetzung ist, dass die Länder der EU Investitionen in Glasfasernetze als Top-Priorität definieren. Die Mitgliedsstaaten haben dazu ihre eigenen Finanzierungsquellen verfügbar, um den Ausbau der Netzwerke zu stimulieren. In der vergangenen Budgetperiode 2006-2013 haben die Mitgliedsstaaten 2,4 Milliarden Euro für den Ausbau von Breitbandnetzen verwendet und die neue Periode 2014-2020 enthält einen ähnlichen Finanzierungsrahmen. Wir sind davon überzeugt, dass es starke Argumente dafür gibt, Mittel aus den Struktur- und Kohäsionsfonds sowie Gelder für regionale Entwicklung für FTTH-Infrastruktur zu nutzen.

Gleichzeitig ist es aber auch unfair, immer die ehemaligen Monopolisten zu beschuldigen, nicht genug für den FTTH-Ausbau zu tun. Als börsennotierte Unternehmen ist es ihre Aufgabe, die Interessen der Aktionäre zu befriedigen - und nicht irgendwelche Ziele der Digitalen Agenda zu erfüllen oder die nationale Wirtschaft zu retten. Und ein Großteil der Aktionäre denkt leider nicht langfristig - für sie ist ein weiteres, gutes Quartalsergebnis wichtiger als die Frage, wie das Unternehmen in 10, 15 oder 20 Jahren positioniert sein wird. Wenn das Unternehmen nicht die gewünschte Performance zeigt, werden die Aktien einfach verkauft.

Diese Situation zeigt auf, wie wichtig es ist, Anreize für verschiedene Arten von Investoren zu schaffen. Längerfristig orientierte Investoren, die direkt in Anlagen wie Firmen oder Infrastruktur investieren und kurzfristig orientierte Investoren,  die nur Handelspositionen halten, können in der Bewertung von aktuellen, kurzfristigen Entscheidungen durchaus übereinstimmen. Bei längerfristiger Betrachtungsweise zeigen sich jedoch signifikante Einschätzungsunterschiede. Das gilt insbesondere für große Infrastrukturprojekte, bei denen Finanzierungs-Parameter in Jahren und Dekaden statt in Quartalen gemessen werden. Billige "Quick and Dirty" Lösungen generieren oft kurzfristig gute Dividenden können jedoch in gleichem Maße langfristig denkende Investoren schädigen.

Politiker sollten auch verstehen, dass es Investoren gibt, die verzweifelt nach relativ sicheren, langfristigen Investments suchen. Das Niedrigzinsniveau der letzten Jahre hat Staatsanleihen für Pensions- und Versicherungsfonds unattraktiv gemacht. Infrastruktur als eine neue Anlageklasse könnte ein attraktives Investment darstellen. Um dies zu ermöglichen, muss die Europäische Kommission einen kohärenten Ansatz entwickeln, der auf die Anforderung von Langfrist-Investoren Rücksicht nimmt. Gleichzeitig sollte dies mit eine entsprechenden Regulierung im Finanzbereich unterstützt werden.

Die gute Nachricht: eine Reihe von Investoren haben bereits ihr Interesse an FTTH-Investments bekundet - allerdings ist dafür eine Anpassung der Marktstruktur notwendig. Langzeit-Investoren haben eine Vorliebe für Projekte mit geringem Risiko und vertraglich abgesicherten Zusagen, um ein laufendes Einkommen sicherzustellen. Der vertikal integrierte Ansatz, der üblicherweise von ehemaligen Monopolisten bevorzugt wird, zerstört das geringe Risiko des Netzwerk-Investments, indem es eine hochriskante Komponente im Bereich der Aktivtechnologie hinzufügt. Die Trennung des passiven Netzwerks von der aktiven Technologie führt zu einer signifikanten Verringerung des Risikos beim Investment in das passive FTTH Netzwerk - das nationale Projekt in Neuseeland ist ein gutes Beispiel dafür. Würde es gelingen, die Netzwerk-Separation mit Zusagen der Netzwerkbetreiber zu kombinieren, eine Mindestanzahl an Verbindungen abzunehmen, würde dies umfangreiche neue Finanzressourcen für  den Sektor eröffnen.

Schließlich gibt es noch eine letzte Herausforderung: die Investoren müssen an die passenden Investment-Möglichkeiten herangeführt werden. Wie bereits erwähnt, sind viele Projekte schlicht zu klein, um von institutionellen Investoren direkt bedient zu werden. Deshalb müssen kleine Projekte in passende Gruppen aggregiert werden. Zusätzlich müssen die Businesspläne in eine Form gebracht werden, die den Anforderungen der Investoren entsprechen. Das FTTH Council Europe arbeitet aktiv an dieser Herausforderung.

Dazu haben wir 2012 unser "Investors Projekt" gestartet um offen die Herausforderungen der Finanzierung von FTTH Netzwerken zu diskutieren und gemeinsame Konzepte zu finden, die von Investoren und Projektbetreibern akzeptiert werden. Unser erster "FTTH Investors Day" im Februar dieses Jahres in London brachte mehr als 80 Experten zusammen. Diese repräsentierten institutionelle Investoren, Investitionsbanken und FTTH Projekte. Die Ergebnisse dieses Treffens sind vielversprechend: Institutionelle Investoren und Pensionsfonds sind bereit, passive Glasfasernetze als Anlage zu sehen, die für eine langfristige Investition geeignet ist. Die Projektbetreiber wiederum sind Willens, ihre Projekte den Anforderungen solcher Finanzierungspartner anzupassen. In Folge der Veranstaltung meldeten 10 Projekte einen Gesamtfinanzierungsbedarf von über 350 Millionen EUR an. Gleichzeitig bestätigte eine Reihe von institutionellen Investoren, im Prinzip bereit zu sein, über eine Milliarde EUR verfügbar zu machen. Das FTTH Council Europe hat bereits weitere "FTTH Investors Days" geplant, der nächste findet am 10. September 2013 in Helsinki statt. Ebenfalls für den Herbst steht Brüssel am Plan, gefolgt von Stockholm im Rahmen der großen FTTH Konferenz im Februar 2014. Weitere Veranstaltungen sind schon in Vorbereitung (http://www.investors.ftthcouncil.eu).

Die nächsten Schritte, um Glasfaser-Investments in Europa sicherzustellen, sind klar. Nachdem die Regierungen gegen das CEF-Budget gestimmt haben, müssen sie nun selbst die Verantwortung übernehme und nationale Finanzierungskonzepte für FTTH erstellen. Schließlich ist Glasfaser die einzige zukunftssichere Breitband-Zugangslösung. Gleichzeitig gilt es, institutionelle Investoren darüber aufzuklären, dass die passive Glasfaser-Infrastruktur ein sicheres, langfristiges Investment darstellt. Schließlich müssen die FTTH-Projekte selbst lernen, die Sprache der Investoren zu sprechen und ihre Business-Pläne entsprechend anpassen.

Wie es schon im Sinnspruch heißt: "Alle sagten, dass es unmöglich ist und deshalb versuchte es keiner - bis eines Tages einer kam der es nicht wusste und es einfach tat.", wendet sich das FTTH Council Europe an alle zukunftsgerichteten Entscheidungsträger in Europa, die daran glauben, dass ein umfassender und schneller Ausbau von Glasfasernetzen möglich ist - und es deshalb einfach tun.

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