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„Mit Papst Franziskus eine barmherzige Kirche erleben“

Erzbischof Robert Zollitsch: „Stärkung durch das Jahr des Glaubens“

Freiburg (pef). Vom „Jahr des Glaubens“ ist nach den Worten von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch „viel Stärkung, Ermutigung und Erneuerung“ ausgegangen. „Deshalb bin ich dankbar für jede Pfarrgemeinde, jede Gruppe und jede Gemeinschaft, die das Anliegen des Jahrs des Glaubens aufgegriffen haben“, sagte Erzbischof Zollitsch am Sonntag (24.) in einem Festgottesdienst zum Abschluss dieses Glaubensjahres im Freiburger Münster. Das „Jahr des Glaubens“, das auf Initiative von Papst Benedikt XVI. am 11. Oktober 2012 begann und nach seinem Rücktritt von Papst Franziskus fortgeführt wurde, endete offiziell an diesem Sonntag (Christkönigsfest). Es gehe „in einer veränderten Zeit darum, neu zu schauen, wie wir heute als Christen leben und Zeugen des Evangeliums sein können“ – so der Erzbischof von Freiburg. Er erklärte: „Es kommt darauf an, uns neu zu vergewissern, aus welchen Quellen wir leben. Gerade in diesem Sinne führt Papst Franziskus auf eindrucksvolle Weise das fort, was sein Vorgänger angestoßen hat. Er zeigt uns in seinen Gesten und in seinen Ansprachen, worauf es heute entscheidend ankommt: dass die Menschen Gottes Barmherzigkeit, eine barmherzige Kirche erleben; dass sie spüren, angenommen zu sein.“

„Auf die Fragenden und Suchenden, auf die Zweifelnden und Hoffenden zugehen“

Gerade „in einer oftmals gnadenlosen Welt, in der vor allem Leistung zählt“, sei es Auftrag der Kirche, „den Menschen die bedingungslose Liebe Gottes zu verkünden und zu erschließen“. Das „Jahr des Glaubens“ sei zu Ende, doch die Herausforderung bleibe: „Lassen wir uns von Papst Franziskus einladen und motivieren, auf die Fragenden und Suchenden, auf die Zweifelnden und Hoffenden zuzugehen, um ihnen von unserem eigenen Suchen und Fragen, von unserem Glauben und Hoffen zu erzählen, und sie einzuladen, mit uns gemeinsam den Pilgerweg des Glaubens zu gehen – mit dem Blick, der über diese Welt hinausweist und uns eine bleibende Perspektive und tragende Hoffnung gibt.“ Durch eigene Schwächen, „die unser Glaubenszeugnis verdunkeln“, könne „das Licht dieser frohen Botschaft nicht immer durchscheinen“, räumte Erzbischof Zollitsch ein. Immer wieder sei dann zu hören, dass der Glaube an Jesus Christus zwar wertvoll und wichtig sei, dass es dafür aber nicht die Kirche brauche, der es vor allem um die Selbsterhaltung und ihre eigenen Finanzen gehe. „Ich gebe zu, dass mich dieser Vorwurf gerade in dieser Pauschalisierung und Verallgemeinerung sehr trifft und gewaltig schmerzt. Denn das Anliegen der Kirche ist

genau das Gegenteil“, betonte Zollitsch. Es sei richtig, dass die Kirche dafür finanzielle Mittel brauche: „Aber eine Kirche, der es vor allem darauf ankäme, wäre selbst sehr arm. Denn unser Reichtum zeigt sich gerade in der lebendig gelebten Beziehung zu Jesus Christus, im Zeugnis der Nächstenliebe und in der Hinwendung zu den Menschen. Davon lebt die Kirche, dafür ist sie da.“ Die Kirche sei der Ort, an dem der Glaube von Generation zu Generation weiter gegeben werde. Der Erzbischof betonte: „So wenig wir alleine leben können, so wenig können wir alleine glauben.“ Im Miteinander und im „Getragen-Sein durch den anderen“ könne der christliche Glaube durch die Jahrhunderte getragen werden.

„Nikolaus nicht durch den Weihnachtsmann ersetzen“

„Ja, wir sind in der Kirche nicht die Perfekten, die wir manchmal vielleicht sein wollen und die manchmal auch in uns projiziert werden. Wir dürfen uns unsere eigene Schwachheit eingestehen“, sagte Erzbischof Zollitsch in seiner Predigt im Freiburger Münster. Es sei wichtig, dass Kirchen inmitten der Städte, inmitten der Ortschaften an die christliche Botschaft erinnerten: „Man denke sich einmal aus unserer Welt, unserer Gesellschaft und Kultur alles weg, was das Christentum gebracht hat, alles, was christlich geprägt ist. Wie arm wären wir dann! Werte wie Solidarität und Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Einsatz für Schwächere erwachsen dem christlichen Glauben und sind das Fundament unserer freiheitlichen Gesellschaft.“ Es habe unsere Mentalität tief geprägt, „dass wir von klein auf mit Menschen vertraut gemacht werden wie Sankt Martin, der den Mantel mit dem Bettler teilt, oder dem heiligen Bischof Nikolaus, der den Armen bringt, was sie brauchen“. Deshalb habe es wenig Sinn, „im Zuge falschverstandener Toleranz aus dem St.-Martins-Umzug ein Laternenfest zu machen oder den heiligen Bischof Nikolaus durch den amerikanischen Weihnachtsmann zu ersetzen“. Letztlich sei es „ein entscheidender Unterschied, ob ich mein Leben so verstehe, dass ich mich – zur Not auch auf Kosten anderer – selbst verwirklichen muss, oder ob ich es als Geschenk annehme, das mir anvertraut ist und mich einlädt, mich einzubringen, weil ich mich in der Verantwortung vor Gott weiß, dem ich mein Leben verdanke und der uns Erlösung schenken will“.

„Lebenslänglich ist für uns keine Strafe“

Das Erzbischöfliche Seelsorgeamt Freiburg gibt zum Ende des „Jahres des Glaubens“ neue Materialien und Anregungen zu zentralen Glaubensthemen heraus, die im Laufe des Jahres entstanden sind. Sie stehen den Pfarreien für das neu beginnende Kirchenjahr (ab erstem Advent / 1.12.) zur Verfügung. 16 Motivkarten, „ImpulsCards“ und Begleithefte: Bilder in Kombination mit einer überraschenden Aussage (z.B. „Lebenslänglich ist für uns keine Strafe, sondern ein Geschenk“ zum Thema Ehe) sollen zum Gespräch über Glaubensfragen anregen. Zu Beginn des neuen Kirchenjahres werden die Unterlagen auch online unter www.wir-glauben-an-gott.de zur Verfügung gestellt. Hier gibt es außerdem weiterführende Informationen und Materialien.

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