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„Integrative Medizin bietet viele Ansätze auch für die Prävention“
„Kneipps Ansatz einer ganzheitlichen Integrativen Medizin, die Körper, Geist und Seele berücksichtigt, ist aktueller denn je.“ Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag und früherer bayerischer Gesundheitsminister ©CSU-Fraktion
  • 03. November 2026

„Integrative Medizin bietet viele Ansätze auch für die Prävention“

Von Gesunde Vielfalt

- CSU-Politiker Klaus Holetschek zu komplementärmedizinischen Therapieoptionen

Die Kneipptherapie und ihre komplementärmedizinische Bandbreite haben sein Leben geprägt, er selbst hat drei Lehrstühle für Integrative Medizin in Bayern initiiert: Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag und früherer bayerischer Gesundheits- und Pflegeminister, setzt sich für mehr Prävention im Gesundheitssystem ein. In einem Interview mit der Initiative GESUNDE VIELFALT spricht Klaus Holetschek über die Bedeutung von Evidenz in der Medizin, Achtsamkeit und einen seiner größten Erfolge über den eigenen inneren Schweinehund.

„Ich würde mir wünschen, dass wir in der Gesundheitspolitik einen Paradigmenwechsel zu mehr Prävention hin schaffen“, sagt Klaus Holetschek. Die Gründe dafür liegen für den ehemaligen bayerischen Gesundheitsminister und langjährigen Bürgermeister des Kneippkurortes Bad Wörishofen auf der Hand: „Deutschland gehört zu den Ländern mit den häufigsten Arztbesuchen weltweit, trotzdem haben wir nicht die höchste Lebensqualität oder Lebenserwartung. Von daher müssen wir uns fragen: Wo sind die Prioritäten im System? Prävention sollte eine große Priorität haben.“ Auch in Zeiten hohen Kostendrucks ginge es letztlich nicht ums Sparen: „Wir haben sehr viel Geld im System. Es geht um die Frage, wo prioritär Mittel eingesetzt werden.“ Ein Lösungsansatz liegt für Klaus Holetschek in der Integrativen Medizin, die konventionelle Medizin und komplementärmedizinische Verfahren wie etwa die Kneipptherapie verbindet. Sie begleitet den Gesundheitspolitiker seit vielen Jahren.

„Integrative Medizin berücksichtigt ganzheitlich Körper, Seele und Geist“

„Ist jemand krank, möchte er Vertrauen in die Versorgung haben. Er möchte wahrgenommen werden in seiner gesamten Persönlichkeit“, so Klaus Holetschek. Die Menschen aber seien von unserem komplexen Gesundheitssystem und seinen Herausforderungen verunsichert: steigende Krankenkassenbeiträge, Arzttermine, die nicht zur Verfügung ständen, Ärzte, die möglicherweise zu wenig Zeit hätten, weil sie zu viel mit Bürokratie überlastet seien. „Deshalb müssen wir uns überlegen: Was können wir tun, um uns hier zu verbessern?“ Der Pfarrer Sebastian Kneipp habe mit seiner Kneipp-Therapie alle Aspekte des Menschseins im Zusammenhang gesehen und miteinander verbunden. „Sein Ansatz einer ganzheitlichen Integrativen Medizin, die Körper, Geist und Seele berücksichtigt, ist aktueller denn je. Eine ganzheitliche Betrachtung wird von der Bevölkerung zudem gewollt.“

Sebastian Kneipp als ,Visionär der Präventivmedizin’

„Kneipp ist der Vater der Naturheilverfahren in Deutschland und hat mich sehr geprägt“, ergänzt Klaus Holetschek. Der Gesundheitspionier stammte aus Bad Wörishofen und hat fünf Therapiesäulen etabliert: Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung, Pflanzenheilkunde und Ordnungstherapie. „Bei Letzterem sprechen wir heute von Mind-Body-Medizin, dazu gehört Achtsamkeit, und auch Spiritualität spielt eine wichtige Rolle bei der Gesundung. Was gibt einem Menschen Kraft?“ Kneipp war grundlegend davon überzeugt: ,Gesundheit bekommt man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel‘. Deshalb, so der langjährige Präsident des Kneippbundes, „ist Kneipp für mich ein Visionär der Präventivmedizin.“ Wenn es um Gewichtsreduktion gehe, um gesunde Ernährung, um Bewegung, Umgang mit Stress etwa durch mehr Achtsamkeit, heute Kernthemen der Integrativen Medizin, dann fänden sich diese Ansätze alle auch schon bei Kneipp. „Prävention ist aus meiner Sicht der Schlüssel, um manche Probleme im Gesundheitssystem zu lösen, bis hin zu der Frage, wie sich die Kosten reduzieren lassen, wenn die Menschen mehr in Eigenverantwortung auf ihre Gesundheit schauen: ,Wie kann ich selbst beitragen’, zusätzlich zu dem, was der Staat, die Krankenkassen und Gesundheitsinstitutionen für Prävention tun?“, sagt Klaus Holetschek.

Dem politischen Hamsterrad mit mehr Achtsamkeit begegnen

Wie wichtig der eigene Lebensstil ist und wie positiv sich Veränderungen auch im Rahmen von Tertiärprävention bei schon bestehenden Beschwerden auswirken können, hat der Politiker am eigenen Leib erfahren. „Es gab Zeiten, in denen ich selbst viel zu viel Gewicht hatte. Zudem war ich starker Raucher. Nach unzähligen Versuchen habe ich es schließlich geschafft, diese Sucht aufzugeben. Das halte ich bis heute für eine meiner größten Leistungen“, berichtet Klaus Holetschek. „Irgendwann hat’s Klick gemacht. Ich glaube, ich hatte tatsächlich das Gefühl, ich bewege mich sonst auf eine chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) zu. Später bin ich dann sogar zweimal Marathon gelaufen und fünfmal Halbmarathon.“ Das Thema Achtsamkeit würde er gerne für sich selbst noch ein bisschen mehr erschließen: „Zweimal war ich schon auf dem Jakobsweg. Ich wollte erfahren, was mit mir geschieht, wenn ich mal Zeit habe, wandere und meine Gedanken sich ganz anders sammeln können. Wir sind in der Politik ständig im Hamsterrad und zwischen Terminen gefangen. Insofern bietet die Integrative Medizin viele Ansätze auch für die Prävention.“

Evidenzbasierte Medizin fördern: drei neue Lehrstühle für Integrative Medizin in Bayern

Noch in seiner Zeit als bayerischer Gesundheitsminister von 2021 bis 2023 hat Klaus Holetschek drei Lehrstühle für Integrative Medizin selbst initiiert, in Augsburg, Würzburg und Erlangen. „Wir müssen Nachweise erbringen und belegen, was wir können. Und wie geht das am besten? Mit Lehrstühlen, mit Kompetenznetzwerken“, so Holetschek. Das Ziel sei Wissenschaft in ihrer höchsten Güte, mit doppelblind-randomisierter Forschung. Deswegen sei er auch ein Verfechter von Studien, um zu prüfen, „wie wir therapeutische Ziele wissenschaftlich fundiert erreichen.“ Wobei das bei Naturheilverfahren wesentlich schwieriger zu erfüllen sei, da sie sehr individualisiert angewendet würden. „Dem muss man Rechnung tragen. Denn natürlich spielt auch Volks- oder Klostermedizin mit ihrem jahrhundertelangen Erfahrungsschatz eine wichtige Rolle und sollte mit in die Bewertung einfließen.“ Evidenzbasierte Medizin, so wie es der kanadische Professor David Sackett definiert hat, schließt diesen Schatz mit ein, denn sie beruht auf den drei Säulen von Studienlage, ärztlichen Erfahrungen und aus Erfahrungen resultierenden Wünschen der Patienten.

VITA Klaus Holetschek

Klaus Holetschek ist seit 2023 Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag. Von 2021 bis 2023 war er Bayerischer Minister für Gesundheit und Pflege. Der gebürtige Landshuter und ausgebildete Jurist trat 1982 in die CSU ein. Er war von 1998 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, ehe er bis 2013 Erster Bürgermeister der Stadt Bad Wörishofen wurde. 2006 bis 2020 wurde er zum Vorsitzenden des Bayerischen Heilbäderverbandes gewählt, dessen Ehrenvorsitzender er bis heute ist. Von 2017 bis 2021 war er zudem Präsident des Kneippbundes. Klaus Holetschek setzt sich für eine evidenzbasierte Integrative Medizin ein und hat in Bayern unter anderem drei neue Lehrstühle für Integrative Medizin initiiert.

Über „Gesunde Vielfalt“

Die Initiative „Gesunde Vielfalt“ ist ein unabhängiger Zusammenschluss von Experten und Expertinnen unterschiedlicher Therapieformen. Unser Ziel ist, das Zusammenwirken von konventionellen und komplementären Therapien – sprich: die Integrative Medizin – stärker in den Vordergrund der Diskussion zu rücken, um notwendige Verbesserungen des Gesundheitssystems anzustoßen. Wir stehen dabei für den gegenseitigen Respekt der Therapieformen und Heilberufe. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Wir setzen uns für einen Paradigmenwechsel ein: Der Patient, die Patientin muss zum gleichberechtigten Akteur neben dem Arzt, der Ärztin werden, um das Gesundheitswesen nachhaltig zu reformieren. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Information und Aufklärung der Öffentlichkeit, der Nähe zur Praxis und Vernetzung von Ärztinnen, Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern und Heilberufen im Sinne der Patientinnen, der Patienten. Wir verstehen uns als Plattform und Impulsgeber für einen ideologiefreien, offenen Diskurs um die Verbesserung des Gesundheitswesens in Deutschland.


Ressort: Lifestyle & Wohlbefinden

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