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Flugtaxis in deutschen Großstädten – gibt es keine anderen drängenden Probleme?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer denkt an die Zukunft. So jedenfalls gab er sich vor einigen Tagen in Ingolstadt, als er der Vorstellung des ersten (noch flugunfähigen) Modells der Firma Airbus ministrablen Anstrich gab. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vergisst vor lauter Symbolpolitik, dass aktuelle Verkehrs- und Umweltprobleme eigentlich seine ganze Aufmerksamkeit erfordern. Der DBV hält den Einsatz von Flugtaxis in den Städten eher für das Ergebnis einer Symbolpolitik.

Natürlich ist es gut, wenn Unternehmen in neue Projekte investieren. Denn sie wollen damit später Geld verdienen. Das soll die Politik durchaus unterstützen. Den Optimismus, der durch Minister Scheuer versprüht wurde, täuscht. Denn Scheuer tut so, als ob Serienreife und Alltagstauglichkeit nur noch eine Frage von Wochen sei und im Moment keine Probleme zu lösen sind. Deutsche Städte brauchen in Sachen Verkehrs- und Umweltschutzpolitik dringendere Hilfe als die Einführung von Flugtaxis in 5, 10 oder 15 Jahren!

Dazu müsste sich Scheuer mehr um Lösungen kümmern, die kurzfristig wirken – um die Stärkung des innerstädtischen Nahverkehrs. Wo bleiben seine Gesetzesinitiativen, um beispielsweise die Straßenverkehrsordnung von ÖPNV-feindlichen Vorschriften zu entrümpeln? Warum wird die Finanzierung von Städten, Gemeinden, Kommunen und Bundesländern nicht auf eine ausreichende und verlässliche Basis gestellt? Hier bräuchte es Initiativen unter anderem auch von ihm. Der Investitionsstau ist enorm. Überall in Deutschland fahren Straßenbahnen, die dringend ersetzt werden müssten. In den deutschen Großstädten müsste das bestehende Straßenbahn- und Busnetz ausgebaut und neue Fahrzeuge angeschafft werden.

Stattdessen freute sich Minister Scheuer über einen Mini-Hubschrauber (der im Moment noch nicht fliegen kann) und das Vorhandensein der Bayerischen Landesfarben als Hinweis auf den Produktionsort.

Was gegen die Flugtaxis spricht:

1. Der Platz ist gar nicht vorhanden!

Großstädte zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr dicht bebaut sind. Wenn Flugtaxis hier wirklich ein ernstzunehmendes Verkehrsmittel werden sollen, stellt sich die Frage nach den Start- und Landeplätzen. Häuser abreißen? Straßen zeitweise sperren, wenn gelandet oder gestartet werden soll? Oder in luftiger Höhe Plattformen als Haltestellen bauen? An die Leistungsfähigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln reichen die Flugtaxis auf Grund ihrer Größe nicht heran. Die beste Alternative ist und bleibt der Bus und die Straßenbahn.

2. Unsere Städte sind heute schon laut genug!

Jedes Flugtaxi stellt eine weitere Lärmquelle in der Stadt dar. Die Lärmentwicklung eines Flugtaxis stellt eine weitere Belastung der Anwohner dar. Ein Flugtaxi wird kaum wesentlich leiser sein, als ein Hubschrauber.

3. Ein Verkehrsmittel für Reiche!

In ein Flugtaxis passen nur wenige Fluggäste. Die Kosten für jeden Taxiflug und die Infrastruktur am Boden müssen auf den Flugpreis pro Person umgelegt werden. Selbst wenn sie irgendwann autonom fliegen, wird sich kaum jemand so einen Flug leisten können.

4. Die technischen Voraussetzungen sind überhaupt nicht gegeben!

Solange Deutschland in Sachen Funk-Netzabdeckung Entwicklungsland ist, wird kein Flugtaxis ohne Piloten fliegen. Gerade für den Flugtaxi-Verkehr an und in der Nähe von Flughäfen und sicherheitsrelevanten Bauten gibt es schon heute besondere Sicherheitsvorgaben zu beachten. Warum wohl legen ferngesteuerte Drohnen schon heute ganze Flughäfen lahm?!

5. Umweltfreundliche Antriebe? Nicht in Fluggeräten!

Die Entwicklung von Batteriezellen und umweltfreundlichen Antrieben steckt bei Flugzeugen und Hubschraubern noch in den Kinderschuhen. Von Serienreife, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit sind sie Lichtjahre entfernt. Wer meint, die Umwelt in den Städten durch den Einsatz von energiefressenden Fortbewegungsmöglichkeiten zu entlasten, hat vielleicht die Zusammenhänge nicht ganz verstanden ...

Wo es möglicherweise tatsächlich eine interessante und lohnende Einsatzmöglichkeit für solche Mini-Hubschrauber gibt: die Warenzustellung in ländlichen Räumen. Für Unternehmen ist diese Einsatzmöglichkeit nicht interessant genug, hier lässt sich kein großes Geld verdienen. Der DBV ist skeptisch. Eine wirkliche Möglichkeit zur Entlastung der Innenstädte vom Autoverkehr wird es durch Hubschrauber im Miniformat nach jetzigem Stand nicht geben.

Pressekontakt: Frank Böhnke, Bundesvorstand Länderaufgaben, Telefon 01 77 / 8 93 43 94

Tags: Mobilität, Bahn

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