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26. Mai 2026
Über 500 Wissenschaftler*innen für Bundesweite Diskussions- und Themenwoche
Debatte über Faschismusbegriff
In den Feuilletons wird derzeit darüber diskutiert, ob es angesichts des Aufstiegs rechts-autoritärer Parteien und ihrer tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbaupläne begrifflich richtig und politisch notwendig ist, von Faschismus zu sprechen. Diese Debatte wird ab nächster Woche in über 120 Veranstaltungen an mehr als 70 Hochschulstandorten bundesweit an Universitäten weitergeführt.
Der bevorstehenden Aktionswoche „Wissenschaft gegen Faschismus – Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr“ schließen sich täglich neue Institute, Mitarbeitende und Studierendeninitiativen an. Über 500 Wissenschaftler*innen unterstützen inzwischen die Initiative. Im Rahmen der Aktionswoche präsentieren Wissenschaftler*innen, Studierende und Hochschulmitarbeitende diverse Veranstaltungsformate zu Faschisierung, autoritären Entwicklungen, den globalen Rechtsruck, die Gefährdung demokratischer Institutionen und die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft.
Zu den Highlights der Woche gehören unter anderem das bundesweit gestreamte Panel „Verantwortung in Zeiten faschistischer Gefahr: Wissenschaft zwischen Analyse und demokratischem Widerstand“ an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Prof. Dr. Rahel Jaeggi, Prof. Dr. Naika Foroutan, Maximilian Steinbeis und Prof. Dr. Margarita Tsomou, der Vorlesung „Intersectional Backtalking in Authoritarian Times“ mit Kimberlé Crenshaw an der Hochschule Fulda, der Diskussion „Can Courts Protect Democracy?“ mit Prof. Verena Madner, Vizepräsidentin des österreichischen Verfassungsgerichtshofs am Integrative Research Institute Law & Society, Berlin, sowie die Abschlussveranstaltung am 07.06. im Musikforum Katharinenkirche in Stendal mit Arne Semsrott zu seinem Buch „Gegenmacht: Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“.
Besondere Aktualität erhält die Aktionswoche durch die jüngsten wissenschaftspolitischen Debatten und Wahlprognosen in Sachsen-Anhalt. Es drohen massive Eingriffe in Wissenschaftsfreiheit, Hochschulautonomie und demokratische Mitbestimmung. Vor dem Hintergrund der Landtagswahl im September wird die Frage nach der demokratischen Resilienz wissenschaftlicher Institutionen inzwischen bundesweit diskutiert.
Die Aktionswoche knüpft ausdrücklich an den gesellschaftlichen Auftrag der Hochschulen an. Im Hochschulrahmengesetz heißt es: „Lehre und Studium sollen den Studenten […] zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat befähigen.“ Nach 1945 wurde die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft bewusst im Selbstverständnis der Sozialwissenschaften verankert. Heute gilt es, diesen Anspruch erneut praktisch werden zu lassen.
Mit dem Leitmotiv: „Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr“ wird die ausgeprägte gesellschaftliche Verantwortung wissenschaftlicher Institutionen in den Mittelpunkt gerückt. Wissenschaft ist nicht nur Beobachterin gesellschaftlicher Prozesse, sondern immer auch in diese eingebunden. In Situationen, in denen sich autoritäre Tendenzen verdichten, ist ihre Rolle etwa in Analyse, Kontextualisierung und öffentlicher Einordnung maßgeblich.
„Wissenschaft gegen Faschismus“ schafft Raum für die dringend notwendige Auseinandersetzung mit diesem Phänomen: Universitätsangehörige laden die interessierte Öffentlichkeit dazu ein, über die Konsequenzen, die sich aus der Faschisierung für gesellschaftliches Handeln, wissenschaftliche Praxis und demokratische Verantwortung ergeben zu diskutieren.
Zu den Unterstützer*innen gehören:
Studis gegen Rechts (bundesweit)
Kunsthochschule Weißensee Berlin
Freie Universität Berlin
Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt
Institut für Philosophie, Freie Universität Berlin
Institut für Soziologie, Georg-August-Universität Göttingen
Koordinierungsstelle Chancengleichheit Sachsen, Leipzig
Lateinamerika-Institut, Freie Universität Berlin
Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin
Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA)
sowie zahlreiche Professor*innen und Wissenschaftler*innen aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter:
Prof. Dr. Robin Celikates (Freie Universität Berlin)
Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (Alice-Salomon-Hochschule Berlin)
Prof. Dr. Rahel Jaeggi (Humboldt-Universität Berlin)
Prof. Dr. Tahani Nadim (Ruhr-Universität Bochum)
Prof. Michael Barenboim (Barenboim-Said-Akademie)
Dr. Eva von Redecker (HfBK Hamburg)
Prof. Dr. Margarita Tsomou (Hochschule Osnabrück)
Prof. Dr. Kai Koddenbrock (Universität Bielefeld)
Prof. Dr. Isabel Feichtner (Julius-Maximilians-Universität Würzburg)
Prof. Dr. Tilmann Reitz (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Prof. Dr. Frieder Vogelmann (Universität Freiburg)
Prof. Dr. Alex Demirović
Prof. Dr. Angela Harutyunyan (UdK Berlin)
Prof. Dr. Hanna Meißner (Technische Universität Berlin)
Prof. Dr. Ana Teixeira (HGB Leipzig)
Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja (Georg-August-Universität Göttingen)
Prof. Dr. Rainer Mühlhoff (Universität Osnabrück)
Prof. Dr. Milena Bister (Humboldt-Universität Berlin)
Prof. Dr. Friedemann Vogel (Universität Siegen)
Prof. Dr. Serhat Karakayali (Leuphana Universität Lüneburg)
Prof. Dr. Florian Butollo (Goethe-Universität Frankfurt)
Prof. Dr. Stefan Schmalz (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Prof. Dr. Isabella Weber (University of Massachusetts Amherst)
Prof. Dr. Klaus Dörre (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly (Humboldt-Universität Berlin)
Prof. Dr. Alice von Bieberstein (Humboldt-Universität Berlin)
Prof. Dr. phil. Martin Rolfs (Humboldt-Universität Berlin)
Prof. Dr. Lilian Haberer (Kunsthochschule für Medien Köln)
PD Dr. Patrick Eiden-Offe (Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung)
Prof. Dr. Pao-Yu Oei (Europa-Universität Flensburg)
Prof. Dr. Ravi Ahuja (Georg-August-Universität Göttingen)
Prof. Dr. Nikolai Roskamm (FH Erfurt)
Prof. Dr. Francis Seeck (TH Nürnberg)
Prof. Dr. Melanie Plößer (Hochschule Bielefeld)
Anbei senden wir Ihnen Pressezitate für Ihre Berichterstattung, die Sie gerne zitieren können.
Zitate von unterstützenden Professor*innen
- Dr. Morten Paul (Ruhr-Universität Bochum): “Die Universität kann kritische Haltung vermitteln, wenn sie ihre eigene gesellschaftliche Rolle hinterfragt. Diese Perspektive steht seit Jahrzehnten unter Druck. Sie ist jedoch nötig, um die Ursachen des Faschismus zu bekämpfen. Antifaschistisch ist es daher, die Wissenschaft gegen Angriffe und Kürzungen zu verteidigen und zugleich zu erneuern. Die Aktionswoche kann Anlass sein, diese spannungsreiche Doppelbewegung gemeinsam zu erproben."
- Prof. Dr. Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Goethe-Universität Frankfurt am Main): "Ich unterstütze Wissenschaft gegen Faschismus, weil die Wissenschaft kein Ort für Rassismus, Sexismus, Ableismus und Klassismus ist!"
- Prof. Dr. Matthias Schmelzer (Europa-Universität Flensburg): „Faschisierung beginnt nicht erst auf der Straße, sondern in der Normalisierung autoritärer Politik – und sie lässt sich nur zurückdrängen, wenn kritische Wissenschaft und demokratische Bildung sich offensiv einmischen. Ich unterstütze die Initiative Wissenschaft gegen Faschismus, weil Universitäten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nur gerecht werden, wenn sie zu Orten demokratischer Aufklärung und transformativer Praxis werden. Meine Lehre im Juni widmet sich genau dieser Aufgabe: antifaschistischer Transformationspolitik."
- Prof. Dr. Tilmann Reitz (Friedrich-Schiller-Universität Jena): "In der aktuellen Rechtsverschiebung gewinnen auch Akteure an Boden, die offen Herrschaft, Unterordnung und Gewalt gegen andere Menschengruppen propagieren, als Selbstzweck oder im Dienst völkischer Stärke und Reinheit. Wir müssen gemeinsam begreifen, ob und wie damit der Faschismus in die Politik zurückkehrt."
- Prof. Dr. Rahel Jaeggi (Humboldt-Universität Berlin): „Was wir heute erleben ist eine autoritär-faschistische gesellschaftliche Mobilisierung. Dagegen hilft nur emanzipative Gegenmobilisierung. "Wissenschaft gegen den Faschismus" hat die Aufgabe, die Lage zu analysieren, Gegenwissen zu aktivieren, Solidaritäten zu ermöglichen und den regressiven Blockaden der Krisenbewältigung, die zur Faschisierung der Gesellschaft führen, entgegenzuwirken. Sozialismus oder Barbarei."
- Prof. Dr. Ulrich Brand (Universität Wien): “Universität kann kritische Haltung vermitteln, wenn sie ihre eigene gesellschaftliche Rolle hinterfragt. Diese Perspektive steht seit Jahrzehnten unter Druck. Sie ist jedoch nötig, um die Ursachen des Faschismus zu bekämpfen. Antifaschistisch ist es daher, die Wissenschaft gegen Angriffe und Kürzungen zu verteidigen und zugleich zu erneuern. Die Aktionswoche kann Anlass sein, diese spannungsreiche Doppelbewegung gemeinsam zu erproben.“
- Prof. Dr. Margarita Tsomou (Hochschule Osnabrück): „Als Wissenschaftlerin und Kuratorin erlebe ich täglich: Autoritäre Kräfte greifen zuerst nach Kultur und Bildung. Wer das nicht verteidigt, hat nichts mehr zu lehren. Faschistische Entwicklungen zu benennen braucht keinen Alarmismus, aber wissenschaftliche Präzision. Was wir über Faschismus wissen — historisch, soziologisch, politisch — ist kollektives Schutzwissen. Es gehört nicht in die Bibliothek. Es gehört auf die Straße und in die Öffentlichkeit. Deshalb: Hochschulen öffnen, diskutieren, handeln. Jetzt, nicht irgendwann!"
- Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly (Humboldt-Universität Berlin): „Ich engagiere mich bei "Wissenschaft gegen Faschismus", weil es in dieser dringlichen Zeit keine Alternative ist, zu schweigen. Auch Nichtstun ist politisch. Wenn rechtsextreme Politik (wieder) normalisiert wird, möchte ich an einer Universität (mit)arbeiten, die Vielfalt und Minderheiten schützt, und somit einen physischen und diskursiven Raum bietet, um über Differenzen, Solidaritäts- und Gerechtigkeitsvorstellungen in einen konfliktgeladenen, aber respektvollen, demokratischen Austausch zu treten."
- Prof. Dr. Pao-Yu Oei (Europa-Universität Flensburg): „Hochschulen sind keine neutralen Räume - sie sind gesellschaftliche Verantwortungsträger der gelebten Demokratie. Ich unterstütze ‚Wissenschaft gegen Faschismus', weil Schweigen keine Option ist. Gerade in der Klimapolitik zeigt sich: Wer Ungleichheit ignoriert, riskiert nicht nur die Erde, sondern auch die Demokratie und den friedlichen Zusammenhalt."
- Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja (Universität Göttingen): „Ein Satz aus den Tagebüchern von Viktor Klemperer über die NS-Zeit ist mir in Erinnerung geblieben: „Wenn es einmal anders käme, und das Schicksal der Besiegten läge in meiner Hand, so ließe ich alles Volk laufen und sogar etliche von den Führern, die es vielleicht doch ehrlich gemeint haben könnten und nicht wussten, was sie taten. Aber die Intellektuellen ließe ich alle aufhängen, und die Professoren einen Meter höher als die andern; sie müssten an den Laternen hängen bleiben, solange es sich irgend mit der Hygiene vertrüge". (16. August 1936). Darum: Wissenschaft gegen Faschismus. Nie wieder ist jetzt."
Weitere Informationen und vollständiges Programm: https://wissenschaft-gegen-faschismus.de





