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Ein Stück Hochschwarzwälder Geschichte, die Dreiseenbahn, wird 100 Jahre alt
Dreiseenbahn ©Hochschwarzwald Tourismus GmbH
  • 06. Juli 2026

Ein Stück Hochschwarzwälder Geschichte, die Dreiseenbahn, wird 100 Jahre alt

Von Anna Freund | Hochschwarzwald Tourismus GmbH

„Ohne Mobilität kein Urlaub“

Die Dreiseenbahn ist weit mehr als eine Bahnstrecke: Sie ist ein wichtiges Zeugnis von Mobilitätsentwicklung, wirtschaftlichem Wandel und touristischer Infrastruktur im Hochschwarzwald. In diesem Jahr feiert die geschichtsträchtige Bahn ihren 100. Geburtstag. Reisende, die das besondere Flair früherer Zeiten erleben wollen, können vom 19. Juli bis 13. September 2026 wieder in den historischen Museumszug einsteigen, der jeweils an den Wochenenden verkehrt. Das historische Bahnhofsfest findet in diesem Jahr am 15. und 16. August auf dem Bahnhofsgelände in Seebrugg statt.

Schluchsee, 06.07.2026: Titisee, Windgfällweiher und Schluchsee – das sind die drei Seen, denen die historisch bedeutsame Zugstrecke durch den Hochschwarzwald ihren Namen verdankt. Die Planungen für die Dreiseenbahn, die ursprünglich als Zubringerlinie von Villingen zur Hochrheinbahn fungieren sollte, begannen bereits 1908, doch wegen des Ersten Weltkriegs und den damit verbundenen sozioökonomischen Veränderungen zogen sich die Bauarbeiten in die Länge, weshalb die Linie im Volksmund den Namen „Ewigkeitsbahn“ erhielt. Am 2. Dezember 1926 wurde die Nebenbahn schließlich eröffnet. Zum hundertjährigen Schienenjubiläum wird es am historischen Datum, 02. Dezember 2026, eine Bilderreise im Kurhaus Schluchsee geben. Für das Jahr 2027 sind zahlreiche Veranstaltungen und die Eröffnung des Museumsbahnhofs Seebrugg geplant.

Zwischen Event, Museum und touristischer Infrastruktur im Hochschwarzwald

Wer in Titisee einsteigt und mit der historischen Museumsbahn, der „Donnerbüchse“, bis zum Bahnhof Seebrugg fährt, kann den nostalgischen Charme einer Reise in die Vergangenheit genießen, spätestens dann, wenn das Zugpersonal in historischen Uniformen die Fahrkarten ausstellt. Besonders zwischen den Jahren bietet die Fahrt mit der Dampflokomotive vor der winterlichen Kulisse des Hochschwarzwalds ein beeindruckendes Schauspiel. Dafür, dass Passagiere die Fahrt in der Museumsbahn so entschleunigt antreten können, sorgen die Mitarbeitenden und Vereinsmitglieder der IG 3-Seenbahn, die vor 18 Jahren von Jens Reichelt in Leben gerufen wurde. Seit 2008 setzt er sich dafür ein, den historischen Bahnhof Seebrugg zu erhalten, Museumszüge auf die Strecke zu bringen und ein Museum zu entwickeln, das die Geschichte der Region zwischen Eisenbahn, Alltag und Tourismus lebendig macht.

Jens Reichelt über zwei Jahrzehnte Engagement, den historischen Bahnhof Seebrugg und die Bedeutung von Mobilität für Tourismus und Wirtschaft
Was einst als leidenschaftliches Hobby begann, ist heute ein umfangreiches Projekt mit touristischer, kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. Ausgangspunkt war der historische Bahnhof Seebrugg: ein nahezu vollständig erhaltener Bahnhof aus Reichsbahnzeiten mit Bahnhofsgebäude, Güterschuppen, Gleisanlagen, Rampen, Lokschuppen und weiteren Anlagen. Für Jens Reichelt, der aus dem Ruhrgebiet stammt und nach dem Studium in den Hochschwarzwald zog, war früh klar, dass dieser Ort Potenzial hat – nicht nur für Museumsfahrten, sondern als authentischer Erinnerungs- und Erlebnisort für die gesamte Region. „Ohne Mobilität kein Urlaub“, sagt der Gründer des Vereins IG 3-Seenbahn. Gerade im Hochschwarzwald habe die Eisenbahn wesentlich dazu beigetragen, dass sich Wirtschaft und Tourismus entwickeln konnten. Vor dem Siegeszug des Autos kamen Urlauber:innen überwiegend mit der Bahn in die Region; zugleich war die Bahn ein wichtiger Faktor für Güterverkehr, Handwerk, Holz- und Landwirtschaft. Und nicht zu vergessen: Noch bis in die 1970er-Jahre hinein kam ein Großteil der Post auf der Schiene zu den Menschen im Hochschwarzwald. Das von Jens Reichelt geplante Museum, das die historischen Zugfahrten ab dem kommenden Jahr ergänzen soll, greift diese Entwicklung auf und richtet den Blick besonders auf den gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er-Jahre.

Zeitreisebahnhof Seebrugg: Geschichte der Nachkriegszeit wird erlebbar

Für die touristische Infrastruktur im Hochschwarzwald sieht Reichelt in dem geplanten Freilichtmuseum am historischen Bahnhof Seebrugg eine zukunftsfähige Erweiterung: Wetterunabhängige und ganzjährig nutzbare Angebote würden angesichts des Klimawandels und schneeärmerer Winter immer wichtiger. Das Projekt in Seebrugg könne deshalb ein weiterer Baustein für eine vielfältige, familienfreundliche und stabile Freizeit- und Erlebnislandschaft in der Region sein.

Getragen wird das Vorhaben von langjährigem ehrenamtlichem Engagement, politischer Unterstützung und zahlreichen Kooperationen in der Region. Seit den ersten Fahrten im Jahr 2008 habe sich die Wahrnehmung deutlich verändert, berichtet Reichelt. Aus anfänglicher Skepsis sei Anerkennung geworden: für gepflegte Anlagen, volle Züge, wachsende Veranstaltungen und ein Projekt, das viele Akteure im Hochschwarzwald verbindet. „Diese Eisenbahn ist die Eisenbahn der Region und ihrer Menschen“, sagt Jens Reichelt. Genau dieses Selbstverständnis prägt die Arbeit rund um die Dreiseenbahn: Sie bewahrt Geschichte, schafft Erlebnisse und zeigt, wie eng Mobilität, Tourismus und regionale Identität miteinander verbunden sind. In Seebrugg entsteht mit dem „Zeitreisebahnhof Seebrugg“ ein deutschlandweit einzigartiges Freilichtmuseum zur Sozial-, Verkehrs-, Wirtschafts- und Technikgeschichte der Jahre 1945 bis 1965. Ziel des Projekts ist es, den tiefgreifenden Wandel von der Nachkriegszeit zur Wirtschaftswunderzeit authentisch und lebendig zu vermitteln. Durch seinen interdisziplinären Ansatz soll spricht das Projekt Familien, Schulklassen, Geschichts- und Technikinteressierte sowie Tourist:innen gleichermaßen ansprechen. Mitten in der Ferienregion Hochschwarzwald entsteht so ein Erlebnisort, der regionale Geschichte bewahrt, vermittelt und für kommende Generationen erlebbar macht.

Termine
Der Museumszug verkehrt ab 19. Juli bis 13. September an jedem Sonntag sowie an drei Samstagen am 8., 15. und 22. August 2026. Abfahrtszeiten und Ticketpreise sind unter 3Seenbahn.de zu finden.

Das historische Bahnhofsfest findet am 15. und 16. August statt. Weitere Veranstaltungen im Jahr 2027 sowie aktuelle Informationen zum geplanten Freilichtmuseum sind ebenfalls unter 3Seenbahn.de zu finden.




Ressort: Hochrhein

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