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Ausblick auf das Bauingenieurwesen der Zukunft

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr hat auch der zweite Tag des Bauingenieurwesens an der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) Studierenden, Lehrenden und Unternehmensvertretern viele Möglichkeiten zum Austausch geboten. In einer Podiumsdiskussion wurde deutlich: Das Berufsbild des Bauingenieurs befindet sich im Umbruch.

Konstruktionen auf Papier sind schon lange Vergangenheit. Doch nach der Umstellung von Analogzeichnen auf Digitalzeichnen kommt nun die nächste Revolution auf die Branche zu: Künftig wird eingefordert, dass schon in der Planungsphase alle Baubeteiligten mit einem gemeinsamen digitalen Modell integral zusammen arbeiten. Möglich macht dies die zunehmende Digitalisierung. In England ist es schon seit Jahresbeginn bei allen öffentlichen Bauprojekten über fünf Millionen Pfund Pflicht, in Deutschland ist die Baubranche ab 2020 bei öffentlichen Bundesbauprojekten zum Einsetzen des sogenannten Building Information Modeling (BIM) verpflichtet.

Weshalb diese Entwicklung in der Baubranche beispielsweise im Vergleich zum Maschinenbau erst verzögert eine Rolle spielt, wie der nötige Kulturwandel zwischen Architekten und Bauingenieuren erfolgen kann und welche Kompetenzen nun von den Studierenden gefragt sind, erörterten Wissenschaftler und Vertreter der Industrie in einer Podiumsdiskussion. Dabei wurde deutlich: Die HTWG nimmt eine Vorreiterrolle in der Integration von BIM in die Lehre und der Vorbereitung der Studierenden auf die Zukunft ein. Konstantinos Kessoudis, Leiter der 5-D-Abteilung bei der Ed. Züblin AG und Chairman der 5D-Initiative der europäischen Bauindustrie, würdigte in der Podiumsdiskussion den Weitblick der Fakultät Bauingenieurwesen, die das Thema in der Lehre bereits seit 2008 aufgenommen und mit Herrn Prof. Dr. Uwe Rickers seit 2012 stark intensiviert hat. Der Erfolg der HTWG-Absolventen bestätigt ihn: Alleine in der BIM-Abteilung von Züblin ist der Anteil an HTWG-Absolventen sehr groß, betonte Kessoudis.

Dipl.-Ing. (Architekt) Michael Huber, Leiter der Abteilung Integrale Planung der Firma Goldbeck, räumte ein, dass in der Branche ein Paradigmenwechsel stattfinde, der auch einen Kulturwandel in der Zusammenarbeit von Objekt- und Fachplanern erfordere. Doch nicht die Produkte, sondern die Prozesse änderten sich. Die verschiedenen Berufsgruppen müssen durch die veränderten, digitalisierten Prozesse von Beginn der Planung bis zur Inbetriebnahme eng zusammenarbeiten. Dass damit Herausforderungen verbunden sind und die Digitalisierung der Baubranche nicht ohne weiteres mit der Digitalisierung im Maschinenbau verglichen werden könne, betonte Prof. Stefan Engelsmann, Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg: „Der Unterschied zum Maschinenbau ist: Wir produzieren Unikate.“

Bei Züblin geht man davon aus, dass sich schon in einigen Jahren die Prozessänderungen in allen Abteilungen etabliert haben werden. „Haben Sie keine Angst vor den Veränderungen, sondern machen Sie mit!“, rief Kessoudis den Studierenden zu. „Nutzen Sie konsequent schon an der Hochschule den interdisziplinären Austausch, Sie werden die Kompetenz dazu brauchen“, riet ihnen Michal Huber.
HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz betonte, dass die Hochschule viel daran setze, die Studierenden in der Lehre auf die Herausforderungen der Digitalisierung bzw. Industrie 4.0 vorzubereiten. Unter anderem werde mit dem Open Innovation Lab Raum und Infrastruktur für interdisziplinäres Arbeiten geschaffen und fakultätsübergreifende Projekte forciert. Auch in Forschung und Transfer positioniere sich die HTWG als eine Hochschule, die die Digitalisierung in der Vier-Länder-Region Bodensee vorantreibt.

Verleihung der Züblin-Förderpreise
Jährlich verleiht die Züblin AG an zwei Studierende der Fakultät Bauingenieurwesen einen „Züblin-Förderpreis“ in Höhe von 1000 Euro. Beim diesjährigen Tag des Bauingenieurwesens wurden Ronja Fink, 5. Semester Bauingenieurwesen, und Simone Gunzenhauser, 6. Semester Umwelttechnik und Ressourcenmanagement, die Förderpreise verliehen. Bei der Auswahl der Preisträger seien nicht nur gute fachliche Leistung, sondern auch soziale Kompetenz und außercurrikulares Engagement ausschlaggebend, sagte Thomas Walliser, Leiter der Arbeitsvorbereitung in der Direktion Tunnelbau bei der Züblin AG.

Firmenkontaktmesse
Knapp 30 Unternehmen nutzten die Möglichkeit, sich während des Tags des Bauingenieurwesens zu präsentieren und mit Studierenden in Kontakt zu kommen. Auch Firmen, die Absolventen des noch jungen Studiengangs Umwelttechnik und Ressourcenmanagements suchen, waren gekommen. Daneben bot die Firmenmesse gleichermaßen für Studierende der weiteren Fakultäten der HTWG interessante Gesprächspartner. „Der Tag des Bauingenieurwesens  ist auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Sowohl für unsere Studierenden als auch für die Firmen und Planungsbüros bieten sich hierbei  tolle Gelegenheiten zum Kennenlernen und Austauschen, und als Fakultät können wir der Praxis zeigen, dass wir uns in der Lehre und in der angewandten Forschung am Puls der Zeit befinden“, sagte Prof. Dr. Heiko Denk, Dekan der Fakultät Bauingenieurwesen.  

Bildtext:
Diskutierten über Digitalisierung im Bauwesen (von links): Konstantinos Kessoudis, Leiter der 5-D-Abteilung bei der Ed. Züblin AG und Chairman der 5D-Initiative der europäischen Bauindustrie, Dipl.-Ing. (Architekt) Michael Huber, Leiter der Abteilung Integrale Planung der Firma Goldbeck, Prof. Dr. Uwe Rickers (HTWG), Prof. Stefan Engelsmann, Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, und HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz. Prof. Dr. Hans-Peter Schelkle (rechts) moderierte die Diskussion.

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