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Bauernverband stellt Insektensterben als Erfindung dar

Der Schmetterling - er ruhe in Frieden!

Der BUND und die Naturschutzverbände warnen

seit vielen Jahren und auch das Bundesumweltministerium bestätigt das große Insektensterben in Deutschland. Entomologen und Naturinteressierte beobachteten binnen weniger Jahre einen massiven Rückgang zahlreicher Insektenarten und insektenfressender Wirbeltiere. Dieses Insektensterben ist von großer Tragweite für die Ökosysteme, die Biodiversität und die Landwirtschaft in unserem Land und ein wichtiger Grund für das Vogelsterben.

Ursachen für Insektensterben, Schmetterlingssterben und das damit verbundene Vogelsterben gibt es viele. Wiesen wurden umgebrochen und aus bunten Blumenwiesen wird zunehmend monotones, artenarmes, gedüngtes Einheitsgrün, das immer häufiger im Jahr gemäht wird. Wo früher eine artenreiche Acker-, Wiesen- und Streuobstlandschaft war, steht heute fast überall giftgeduschter Mais. Viele, der in der Landwirtschaft eingesetzten Spritzmittel und Gifte (Neonicotinoide / Glyphosat...) sind ein Grund für den massiven Rückgang der Artenvielfalt auf Ackerböden und in deren Umgebung.

Als wichtige Ursache für das große Sterben vermuten Experten den Einsatz von systemischen Insektiziden, sogenannten Neonicotinoiden. Im Detail geht es um die Stoffe Clothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxam, Thiacloprid und Acetamiprid. Diese Stoffe beeinflussen das Nervensystem der Insekten und nehmen somit Einfluss auf deren Orientierungssinn und Verhalten.
Jörg-Uwe Meineke, Schmetterlingsexperte und ehemaliger Leiter des Referats für Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg sagt, dass die Fernwirkung der Agrargifte selbst in Naturschutzgebiete hinein wirkt und dort Insekten gefährdet.

Mit Neonicotinoiden, Glyphosat und anderen Giften machen Konzerne wie Bayer, Monsanto und Syngenta satte Gewinne und die Debatte um das Insektensterben gefährdet diese Gewinne massiv. Wer jetzt denkt, Bayer, Monsanto und Syngenta würden im eigenen Namen Pressearbeit machen, der verkennt die neuen Methoden der so genannten Krisenkommunikation.

Die professionelle, industriegelenkte Leugnung von Umweltgefahren

hat eine lange, erfolgreiche Tradition, nicht nur in Deutschland. Wir erinnern an die jahrzehntelang herunter gespielten Gefahren von Asbest, Zigaretten, Atomkraftwerken, Dieselabgasen, Holzschutzmitteln und des menschengemachten Klimawandels. Die jetzt langsam beginnende Gegendebatte zum Thema Insektensterben erinnert an den Beginn der Debatte der Klimawandelleugner und auch an deren Strategien.

Der BUND am Südlichen Oberrhein hat in den letzten Wochen erfolgreich um einen objektiveren Inhalt der Wikipedia-Seite zum Thema Insektensterben gekämpft, die von den Leugnern des Insektensterbens kurzfristig stark beeinflusst war.

Die Agrochemie-Multis schicken in Krisensituationen gerne den Bauernverband nach vorne
(Was häufig dazu führt, dass leider die Landwirte stellvertretend für die Industrie den Ärger bekommen)

„Voreilige Schlüsse in Richtung Landwirtschaft“, so sagte der Bauernverbands-Generalsekretär Bernhard Krüsken apodiktisch, „verbieten sich“.
"Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in der aktuellen Diskussion über das so genannte Insektensterben erhebliche Lücken bei der Datengrundlage, die dringend geschlossen werden müssen. „Aussagen wie ‚früher waren mehr Insekten auf der Windschutzscheibe‘ eignen sich möglicherweise für den Autofahrer-Stammtisch, werden aber der Bedeutung und Tragweite des Problems nicht im Ansatz gerecht“, kommentierte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Krüsken verwies auf die Feststellung des Insektenforschers Martin Sorg vom Krefelder Entomologischen Verein, der gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 16. Juli 2017 die Diskussion „in einer Wolke der Unwissenheit“ verortete. [...]
Zudem werde nach wie vor zu wenig gegen den Flächenverbrauch unternommen. Der Lebensraum von Insekten und anderen Tieren gehe überall dort verloren, wo Felder, Wiesen, Weiden und Wälder unter Asphalt und Beton verschwinden, derzeit immer noch 66 Hektar täglich." Quelle: „Insektensterben in einer Wolke der Unwissenheit“

Der Bauernverband verwendet hier ähnliche Strategien wie die frühen, industriegelenkten Klimawandelskeptiker. Es geht darum, mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat, Zweifel an den Grundaussagen zu erzeugen ("Insektensterben in einer Wolke der Unwissenheit") und um Verzögerung. Vom Problem der industrialisierten Landwirtschaft und der Neonicotinoide wird abgelenkt und die Debatte auf Nebenschauplätze (Flächenverbrauch) gelenkt.

Der Flächenverbrauch ist tatsächlich ein großes, wichtiges Umwelt- und Naturschutzthema. An den Ursachen des Insektensterbens hat der Flächenverbrauch allerdings nur einen kleinen Anteil. Die vom Bauernverband gelobten Blühstreifen und artenreichen Feldränder sind schön und nutzen tatsächlich der Pflanzenwelt. Sie sind allerdings wegen der Gifte auf den direkt daneben liegenden Äckern sehr insektenarm. Weitere Untersuchungen will seit Jahren auch der Bund für Umwelt und Naturschutz. Diese dürfen aber nicht von Bayer, Monsanto, Syngenta und Co. durchgeführt werden.

Top-Agrar-Umwelt schreibt am 20.10.2017:

"NABU erfindet Insektensterben und schuld ist die Landwirtschaft" und zitiert damit den Bauernbund Brandenburg. Diese peinliche Aussage könnte auch aus der DDT-Debatte des letzten Jahrhunderts stammen.

Erfreulich differenziert ist wieder einmal die Stellungnahme der ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft:

Die AbL sieht einen ganz wesentlichen Grund für den Insektenschwund im Vordringen zu großräumiger ackerbaulicher Strukturen mit immer weniger vielfältigen Anbausystemen: Damit verbunden sei der Rückgang von wichtigen Rand- und Vernetzungsstrukturen an Wegeseitenräumen und Ackerrändern.
Umso wichtiger sei bei der anstehenden Neu-Justierung der EU-Agrarpolitik die Honorierung bäuerlicher mittel- und kleinstrukturierter Betriebe und Ackerflächen. Ein mögliches Verbot von Insektiziden (wie den Neo-Nicotinoiden) müsse begleitet werden durch eine EU-weite Förderung vielfältiger Fruchtfolgen, kleinerer Strukturen und einer längst gesetzlich gebotenen „guten ackerbaulichen Praxis“ - bei der ein Chemieeinsatz nur dann erlaubt sei, wenn Fruchtfolge oder mechanische Unkrautregulierung ausgereizt seien.

Krisenkommunikation und Greenwash der Konzerne in Sachen Insektensterben stehen noch ganz am Anfang.
Nach den schrecklich gut gemachten Leugnungskampagnen der Gefahren von Asbest, Zigaretten, Atomkraftwerken und des menschengemachten Klimawandels, müssen wir mit intensiver PR-Arbeit rechnen. Beim Bienensterben ist es der Industrie mit viel PR-Aufwand und Geld gelungen, einen wichtigen Randaspekt des Problems, die Varroamilbe, zum Hauptproblem zu erklären...

Das Insektensterben lässt sich nicht mehr leugnen. Die jetzigen Kampagnen versuchen einfach nur von den tatsächlichen Ursachen abzulenken. Sie dienen der Gefahrzeitverlängerung von Neonicotinoiden und Glyphosat.

Landwirte und Umweltaktive müssten in Sachen Insektensterben an einem Strang ziehen und auch der Bauernverband sollte sich nicht immer wieder von den Agro-Konzernen missbrauchen lassen. Das Insektensterben und das dadurch ausgelöste Vogelsterben gefährdet nicht nur die Natur, sondern auch die Landwirtschaft und letztendlich auch uns Menschen, egal ob Naturschützer oder Landwirt.

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