
- 24. September 2026
Aktuell noch immer extremes Niedrigwasser in Baden-Württemberg
- Keine Entspannung in Sicht
So setzen Kommunen im Herbst und Winter wirksame Maßnahmen zum Schutz ihrer Gewässer um
Die seit Monaten anhaltende Trockenheit in Baden-Württemberg ist nach wie vor akut, es gibt keine Entwarnung, was die Niedrigwasser-Situation im gesamten Land betrifft. Gewässer besser vor extremer Hitze zu schützen, wird künftig eine immer wichtigere Aufgabe für die Kommunen im Land. Sie können die Herbst- und Wintermonate dafür nutzen, um ihre Bäche und Flüsse widerstandsfähiger gegen die immer häufiger auftretenden Trockenheits-Phasen zu machen. Beispielsweise durch die Beschattung der Gewässer durch Baumpflanzaktionen oder den Bau von Fischunterständen schützen sie Flora und Fauna. Die Fachleute des Kompetenzzentrums Wasser und Boden der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) unterstützen Kommunen mit Informationen und Praxisbeispielen. Vitale Gewässer sind gegenüber Niedrigwasser resilienter und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität natürlicher Ökosysteme sowie zur Lebensqualität der Bevölkerung. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, tragen zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt bei und wirken als natürliche Puffer bei Hitze und Niedrigwasser sowie bei Hochwasser und Starkregen.
Die Folgen des heißen Sommers sind nach wie vor im ganzen Land spürbar, die Niedrigwasser-Situation hält bis jetzt an. Das zuständige Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) hat gemessen, wie weit verbreitet Wassermangel und Trockenheit im Land sind. Seit November 2025 mit Ausnahme des Februars waren alle Monate deutlich zu trocken. Im August 2026 etwa hat es in Baden-Württemberg im Durchschnitt nur 63 Millimeter geregnet; der typische Augustniederschlag liegt bei 95 Millimeter. Laut NIZ erlebt der Südwesten zurzeit ein historisches Wasserdefizit.
Niedrigwasser ist nicht nur ein Problem der Sommermonate, sondern es begleitet die Menschen das ganze Jahr über – künftig könnte sich das noch ausweiten. Dabei sind Trockenheit, Hitze und Niedrigwasser eine große Belastung für Flora und Fauna in und um die Gewässer im Südwesten. Fehlende Beschattungen an den Ufern machen unter anderem die Flüsse immer wärmer, das bedeutet weniger Sauerstoff im Wasser und damit Stress für die darin lebenden Fische und wirbellose Kleinstlebewesen wie Insektenlarven, Würmer und Schnecken.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Gewässer
Die Wassertemperaturen sind zuletzt deutlich gestiegen: In Flüssen kommt es immer öfter zu sehr hohen Wassertemperaturen. Rhein, Donau und Neckar hatten Temperaturen von über 25 Grad Celsius im Tagesmittel. Zusätzlich treten in den Sommermonaten zunehmend lange Trockenphasen mit ausgeprägten Niedrigwasserphasen auf. Der sinkende Grundwasserspiegel trocknet die Gewässerauen aus, gleichzeitig häufen sich Starkregenereignisse.
Natürliche Gewässer sind widerstandsfähiger gegenüber diesen Entwicklungen als verbaute Bäche und Flüsse. „Der Ausbau der Ufervegetation zum Beschatten und das Anlegen von Rückzugsgebieten für kälteliebende Fische sind wichtige Schritte hin zu mehr Widerstandsfähigkeit“, sagt Georg Kahles von der KEA-BW, Leiter des Kompetenzzentrums. „Die Monate Oktober bis Februar eignen sich ideal, um Unterhaltungsarbeiten wie das Pflanzen von Bäumen und den Bau von Fischunterständen voranzutreiben. Natürlich müssen hier der Hochwasserschutz und andere Aspekte, wie etwaige Fischlaichzeiten berücksichtigt werden.“
Beschatten der Gewässer schützt vor Hitze
Bäume und Gehölz an Ufern von Bächen und Flüssen erfüllen wichtige Aufgaben. Sie wirken wie natürliche Klimaanlagen für die Gewässer und schützen vor einer intensiven Erwärmung.
Vitale Gewässer mit natürlichen und vielfältigen Gewässerstrukturen verfügen über genügend Raum, Ufergehölz zur Beschattung und natürliche Abflussverhältnisse. Darüber hinaus können sie Extremwetterereignisse besser abpuffern. Viele Bäche und Flüsse wurden in der Vergangenheit jedoch stark verbaut und haben diese natürlichen Fähigkeiten eingebüßt. Das Anpflanzen von Schatten spendenden Bäumen und Sträuchern ist daher eine wirkungsvolle Maßnahme hin zu mehr Resilienz. „Geeignete Baumarten für die Pflanzung an Ufern sind beispielsweise Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln“, so Martina Bachmann, Expertin für Gewässerunterhaltung bei der KEA-BW. „Wichtig ist es, die Bäume oder Sträucher möglichst nah an der Uferlinie zu pflanzen. Dann bieten die Baumwurzeln später auch noch Struktur und natürliche Unterstände für Fische.“ Konkrete Planungen sind mit der unteren Naturschutzbehörde und der unteren Wasserbehörde abzuklären.
Rückzugsräume für Fische schaffen
Hinzu kommt: Kälteliebende Fische wie Bachforellen geraten angesichts der klimatischen Entwicklung immer mehr unter Temperaturstress. In naturnahen Gewässern bieten natürliche Vertiefungen und tiefe Rinnen am Boden den Fischen wichtige kühlere Rückzugsräume. In verbauten Gewässern fehlen diese natürlichen Grundlagen. Hier können künstliche Kaltwasserpools helfen. Das sind künstlich angelegte Vertiefungen am Gewässergrund, die durch Grundwasser oder kalte Zuflüsse gespeist werden. Das kühlere Wasser bietet Äschen und Bachforellen bei niedrigen Wasserständen und hohen Temperaturen einen Rückzugsbereich.
Eine weitere sinnvolle Baumaßnahme zum Schutz der Fische ist das Errichten von künstlichen Fischunterständen. „Mit Fischunterständen schaffen Gemeinden für die heißen Monate Ausweichorte für die dort vorkommenden Fischarten“, sagt Georg Kahles. „Fischunterstände sind überall dort sinnvoll, wo natürliche Unterstände wie Wurzeln nicht mehr vorhanden sind.“ Künstlich geschaffene Fischunterstände sollten von der Beschaffenheit her an die Art der Fische angepasst werden. Großwüchsige Schwarmfische wie Nasen und Barben brauchen große und tiefe Unterstände, während Bachforellen kleinere Unterstände bevorzugen.
Praktische Kompaktinfos und Bausteckbriefe zu den genannten und weiteren Maßnahmen finden Interessierte in den gemeinsam vom Kompetenzzentrum Wasser und Boden sowie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erarbeiteten Broschüren der Reihe Vitale Gewässer:
Kompaktinfos: https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/10264
Bausteckbriefe: https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/10270
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat die Beschattungspotenziale für Fließgewässer anhand einer Modellierung dargestellt. Auf https://umweltdaten.lubw.baden-wuerttemberg.de/ einfach den Begriff Fließgewässer eingeben.
Das Kompetenzzentrum Wasser und Boden der KEA-BW betreibt seit über 30 Jahren das Netzwerk der Gewässernachbarschaften. Die 43 Gewässernachbarschaften in Baden-Württemberg vernetzen Fachleute aus Kommunen, Landesverwaltung und weitere Akteure, um Methoden einer naturgemäßen Gewässerentwicklung und -unterhaltung praxisnah zu vermitteln. Eingeladen sind alle Personen, die vor Ort mit der Unterhaltung von Gewässern betraut sind: https://wasserundboden.kea-bw.de/zielgruppen-und-netzwerke/gewaessernachbarschaften







