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12. Februar 2014
Jury prämiert Siegerentwurf für Hesse-Museum
Ein starker lokaler Bezug und dennoch eine Reflektion der ganzen Persönlichkeit Hermann Hesses – mit diesem Ansatz und einem Ausstellungskonzept unter dem Titel »Scheinbar idyllisch« haben fünf Architektur- und Kommunikationsdesignstudenten am Donnerstag im Sitzungssaal des Gaienhofener Rathauses überzeugt: Philipp Häfele, Elisa Iorio, Sandrine Mause, Alfonso Patermo und Bilgehan Türke konnten letztlich die Siegerurkunde mit nach Hause nehmen.
Unter vier Entwürfen zur Neugestaltung des Hermann-Hesse-Höri-Museums hatte die Jury die Qual der Wahl. Und wie schwer die Entscheidung letztlich war, begründete Dr. Thomas Schmidt von der Arbeitsstelle für Literarische Museen, Archive und Gedenkstätten Baden-Württemberg in der Bekanntgabe: »Ich habe selten erlebt, dass jemand bereit ist, sich so intensiv auf ein Thema einzulassen.« Das galt für alle Beteiligten.
In interdisziplinären Gruppen hatten sich Masterstudenten der Fachbereiche Architektur und Kommunikationsdesign an der Konstanzer Hochschule (HTWG), betreut von den Professoren Eberhard Schlag und Brian Switzer, ein Semester lang mit Hermann Hesses Zeit in Gaienhofen beschäftigt. Was dabei in nur dreieinhalb Monaten entstanden ist, hat auch die Leiterin des Hermann-Hesse-Höri-Museums, Dr. Ute Hübner, überrascht: Bis ins Detail waren die Vorschläge durchgearbeitet, die die Studenten am Modell erläuterten und die in virtuellen Rundgängen bei der Präsentation vorgestellt wurden. Vom rein konzeptionellen Ansatz, Hesses innere und äußere Konflikte darzustellen, bis zum Versuch, größtmögliche Authentizität in der Inszenierung der Räume walten zu lassen, war das Spektrum weit gefasst.
Stärke des Siegerentwurfs ist es, beides zu vereinen: Für die ersten Räume haben die Studenten einen Fokus auf die Gaienhofener Jahre vorgesehen. Hesses Lebenswege werden vom Bodensee ausgehend verortet, ein angedeuteter Steg soll die Besucher vorbeiführen an den Exponaten, die mit der Höri in Verbindung stehen. Im Obergeschoss dann steht der Schriftsteller Hesse im Mittelpunkt – und ein besonderer Akzent liegt dabei auf dem Arbeitszimmer: In einer runden Blackbox soll der Schreibtisch in das Zentrum des ganzen Hauses rücken. Dass Hesses Zeit am Seerhein nur »scheinbar idyllisch« war wird spätestens am Ende der Ausstellung in einem Indien-Raum deutlich. Denn letztlich hat es der spätere Literaturnobelpreisträger nicht ausgehalten in der Idylle am Seerhein, an die er sich dennoch Zeit seines Lebens gerne erinnerte.
Das stimmige Konzept hat letztlich alle Mitglieder der Jury überzeugt, in der neben Dr. Thomas Schmidt, Dr. Ute Hübner und den beiden Professoren auch Museumsmitarbeiterin Andrea Dietz, der Publizist Manfred Bosch, Vertreter des Gemeinderats und Bürgermeister Uwe Eisch entschieden haben.
Letzterer ging sichtlich erfreut in die Preisverleihung und vergab angesichts des ausgesprochen hohen Niveaus aller Arbeiten neben dem ersten Preis drei zweite Preise. Nun steht die Entscheidung im Gemeinderat an – und wenn alles gut geht, können vielleicht bereits die Besucher der Saison 2015 durch das neue Hesse-Museum flanieren.








