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  • 03. September 2012

Abitur nach 12 Jahren

Von DIHK
Reifeprüfung bestanden, Note ausreichend

dihkKaum etwas schlägt in der deutschen Bildungslandschaft so hohe Wellen wie die Reform des Abiturs. „G8“ (achtjähriges Gymnasium) gilt als Inbegriff einer verkorksten Reform. Die Schüler klagen über Stress und Überforderung und finden nach Aussagen ihrer Eltern kaum noch Zeit für Sport, Musik oder gar Freizeit jenseits der Schule. Die Lehrer beklagen den Qualitätsverlust beim so genannten Turbo-Abitur. Der Grund: Es wurde versäumt, mit der Verkürzung der Schulzeit das Abitur auch inhaltlich zu reformieren. Doch anstatt nachzuarbeiten, rudern nun wieder viele Kultusminister zurück. Gesamtschulen, aber auch Gymnasien dürfen vielerorts G8- und G9-Klassen anbieten. Das Chaos ist perfekt, die Schullandschaft wird noch unübersichtlicher.

Gewichtige sachliche Gründe für ein Abitur nach zwölf Schuljahren

Im Zuge des demografischen Wandels erwirtschaften künftig immer weniger Menschen den Wohlstand der Gesellschaft. Es ist daher richtig, dass sich die Lebensarbeitszeit insgesamt verlängert. Das geschieht bereits durch ein späteres Renteneintrittsalter, muss aber auch durch einen früheren Berufseinstieg begleitet werden. In einer sich ständig wandelnden Arbeits- und Lebenswelt werden lebenslanges Lernen und Weiterbildung zum Normalfall. Die Erstausbildung kann heute bei weitem nicht mehr alles vermitteln, was für Beruf und Alltag gebraucht wird. Die kürzere Schulzeit ist daher ein Beitrag, mehr auf lebenslanges Lernen zu setzen sowie die Ausbildungszeiten denen vergleichbarer Industrienationen anzupassen.

Deutschland ist auf dem richtigen Weg

Das viel gescholtene „Turbo-Abi“ führt nicht in den Untergang des Abiturs. Das zeigt der Blick auf die Fakten: Der Anteil der Abiturienten wächst weiter. Hatten 2004 noch rund 25 Prozent der Schulabgänger das Abitur in der Tasche, so waren es 2010 bereits 31 Prozent. In Bundesländern, in denen das Abi bereits nach zwölf Jahren gemacht wurde, erzielten die G8-Schüler gute Ergebnisse wie die G9-Schüler, zum Teil sogar bessere. Sachsen und Thüringen, in denen die 12-jährige Schulzeit eine lange Tradition hat, liegen in deutschen Bildungsrankings vorn.

Die Herausforderung: Aus einer schwach gestarteten Reform eine Erfolgsgeschichte machen.

Die Wirtschaft fordert folgende Maßnahmen:

  1. Eine Vermischung von G8 und G9 in einer Schulform ist der falsche Weg. Gymnasien sollten konsequent beim achtjährigen Abitur bleiben. Unterschiedliche Geschwindigkeiten können sinnvoll sein, Sekundarschulen können auch in 13 Jahren zum Abitur führen. Ein unübersichtlicher Wirrwarr an Bildungsgängen ist aber zu vermeiden. Er verunsichert Familien und schränkt die Mobilität von Fachkräften ein.
  2. Die Lehrpläne müssen sich inhaltlich künftig stärker an der gesellschaftlichen Realität orientieren. Es kommt darauf an, ein fundiertes Allgemeinwissen zu vermitteln - kein fachliches Spezialwissen - und darüber hinaus Schlüsselkompetenzen wie selbstständiges Lernen, Problemlösefähigkeiten und Handlungskompetenz auszubilden.
  3. Länderübergreifende zentrale Abschlussprüfungen gewährleisten die bundesweite Vergleichbarkeit des Abiturs und schaffen Transparenz auch für die Unternehmen. Bayern, Sachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind hier auf dem richtigen Weg.
  4. G8 bedeutet folgerichtig auch, die Gymnasien zu Ganztagsschulen mit einer vollwertigen Mittagsverpflegung auszubauen. Ausrei­chende Pausen, Selbstlernphasen und körperliche Bewegung müssen den starren Unterrichtsrhythmus auflösen.
  5. Der Fachkräftemangel ist in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen besonders groß. Dringend notwendig ist deshalb eine Aufwertung dieser Fächer im Abitur. Eine Naturwissenschaft sollte verpflichtend als Kern­fach im Abitur geprüft werden, eine weitere von den Schülern bis zum Ende der Schulzeit gewählt werden.

Ressort: Uncategorised