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Teure Scheidungen: Mehr Geld in Eheberatung investieren

Neujahrsempfang: Erzbischof Zollitsch will 2013 Ehen und Familien stärken

Freiburg (pef). Die Kinder- und Familienfreundlichkeit ist nach den Worten von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch „der ent­scheidende Prüfstein für eine zukunftsfähige und lebenswerte Gesellschaft“. Bei der aktuellen Diskussion über die niedrige Geburtenrate in Deutschland werde „die Relevanz der Qualität der Paarbeziehung fast völlig vernachlässigt“. Beim Neujahrsempfang der Erzdiözese Freiburg zitierte Zollitsch am Dienstag (8.1.) in Freiburg eine Allensbach-Studie, nach der für 84 Prozent der befragten 18- bis 44-Jährigen die Stabilität der Partnerschaft die wichtigste Voraussetzung dafür ist, sich für Kinder zu entscheiden. Zudem sei die Zufriedenheit in der Ehe in hohem Maß mit persönlichem Wohlbefinden, Lebensfreude und Sinnerfahrung verknüpft. Deshalb stehen Ausgaben für Prävention – zum Beispiel in der Eheberatung – nach Überzeugung des Erzbischofs von Freiburg „in keinem Verhältnis zu den Kosten, die durch Ehe­krisen dem Gesundheitswesen entstehen“.

Zollitsch fordert Umdenken: Stärkere Unterstützung für Ehepartner

Wie Erzbischof Zollitsch in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang erklärte, wird in „jedem dritten Scheidungsfall einer der Partner zum Sozialhilfeempfänger und mit ihm oft auch die Kinder“. Der Erzbischof von Freiburg verwies auf die enorme gesellschaftliche Bedeutung der Ehe: „Der hohe Preis – in erster Linie zwischenmenschlich und psychisch, aber auch finanziell –, der für das Scheitern einer Ehe gezahlt werden muss, wird in der Öffentlich­keit nahezu ignoriert.“ Hier brauche es ein Um­denken: „Denn wo Ehepartner lernen, respektvoll miteinander zu kommunizieren, einander zu ver­zeihen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen, da fühlen sich auch Kinder sicher und geborgen, da entsteht der notwendige Nährboden für eine friedliche und solidarische Gesellschaft.“ Zollitsch verwies auf das Engagement des Erz­bistum Freiburgs beim Fördern und beim Schutz von Ehe und Familie: Die Kirche übernehme selbst bei kommunalen Pflichtaufgaben, wie etwa der Be­ratung für Eltern minderjähriger Kinder, einen hohen Finanzierungsanteil.

Prof. Paul Kirchhof: Mütter müssten die höchste Rente bekommen

Gastredner beim Neujahrsempfang der Erzdiözese war in diesem Jahr der Verfassungs- und Steuerrechtler Prof. Dr. Paul Kirchhof. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter, der an der Universität Heidelberg einen Lehrstuhl für Staatsrecht hat und Direktor des Instituts für Finanz- und Steuerrecht ist, sprach in einem Impulsvortrag ebenfalls über die Bedeutung von Ehe und Familie für die Zukunft der Gesellschaft. Kirchhof plädierte für eine gezieltere Förderung von Familien – auch bei Akademikern: Wer nach dem Abitur und dem Studium mit 22 Jahren zunächst eine Familie gründe und Kinder erziehe, solle anschließend bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder weiteren Ausbildungsschritten gezielt bevorzugt werden. Ein Generationenvertrag ohne Schuldner – also ohne Kinder – sei nichts wert. Zur Zeit könnten sich kinderlose Doppelverdiener einen hohen Rentenanspruch sichern – in der Familien- und Rentenpolitik müsse es ein Umdenken geben. „Die Mütter müssten die höchste Rente bekommen“, fordert Kirchhof. Nur eine Gesellschaft, die sich ihrer Werte und deren Fundierung sicher sei, bleibe zur Toleranz fähig, „die nicht einen Weichmut der Wohlmeinenden fordert, nicht jeden Wohlklang für Wahrheit hält, sondern den intellektuellen Kraftakt erwartet, zwischen Vorgebenem und Abstimmbarem, zwischen Unverbrüchlichem und Zerbrechlichem, zwischen Unveräußerlichem und Käuflichem zu unterscheiden“.

„Jede Form aktiver Sterbehilfe ist die Tötung eines Menschen!“

Erzbischof Zollitsch thematisierte auch die „derzeit vieldiskutierte Frage nach einem menschenwürdigen Sterben“. Zunehmend mache sich die Mei­nung breit, es gebe „ein Recht auf selbst­bestimmtes Sterben, ja es sei sogar eine Frage der Barmherzigkeit, beim Suizid eines Schwer­kranken zu assistieren“. Erzbischof Zollitsch sagte wörtlich: „Doch jede Form aktiver Sterbehilfe ist die Tötung eines Menschen! Sie ist mit dem christlichen Verständnis vom Menschen nicht vereinbar. Es ist menschenunwürdig, das Leiden sterbenskranker Menschen durch vor­zeitige Tötung aus der Welt schaffen zu wollen.“ Deshalb greife der ‚Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit der gewerbsmäßigen Förderung der Selbsttötung’ zu kurz: „Wir müssen alles tun, damit die Zahl der Selbsttötungen zurückgeht. Nicht nur gewerbsmäßigen, sondern jede Form der institu­tionalisierten Sterbehilfe muss verboten werden!“ Mit Blick auf die heutigen Möglich­keiten der Medizin, gerade auch in der Schmerz­therapie und Palliativmedizin, sei nicht nachzuvoll­ziehen, „dass Menschen in Situationen, in denen sie am hilfsbedürftigsten sind, keine menschliche und medizinische Begleitung mehr erhalten und ihnen stattdessen die Entscheidung aufgebürdet wird, sich vorzeitig töten zu lassen“. Für Christen bedeute menschenwürdige Sterbebegleitung, Leid zu mindern, Zuwendung und Fürsorge zu schenken: „Schwerstkranke und sterbende Menschen sollen sich gerade in den schwächsten Phasen ihres Lebens gewiss sein dürfen, dass sie als Person wertvoll bleiben und Unterstützung und Hilfe erhalten.“

72-Stunden-Aktion: Wie Handeln aus dem christlichen Glauben heraus aussieht

Erzbischof Zollitsch rief dazu auf, die Politik durch Teilnahme an Wahlen aktiv mitzugestalten und auch im persönlichen Umfeld in Familie und Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und in der Freizeit Verantwortung zu übernehmen. „Wir Christen sind gefordert, unsere Kirche und die Welt mitzugestalten, uns einzumischen und für eine Zukunft einzutreten, die von Gottvertrauen und Mitmenschlichkeit geprägt ist.“ Konkret bedeute das: „Trauen wir uns, christliche Werte wie Solidarität, Nächstenliebe, Zivilcourage und Gottvertrauen in unserem Alltag zu leben! Haben wir Mut, gegen Gleichgültigkeit, Ignoranz und Desinteresse aufzustehen und für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden einzustehen!“ Ein besonderes Beispiel haupt- und ehrenamtlichen Engagements sei die 72-Stunden-Aktion, die in diesem Jahr erstmals deutschlandweit organisiert wird: „Junge Menschen zeigen, wie Handeln aus dem christlichen Glauben heraus aussieht und wie dies unserer Gesellschaft dient. Leben wir die Botschaft des Evangeliums, dann verändert sich das Gesicht der Welt.“

Kirche und Welt mitgestalten und neue Kräfte mobilisieren

„Wir Christen sind gefordert, unsere Kirche und die Welt mitzugestalten, uns einzumischen und für eine Zukunft einzutreten, die von Gottvertrauen und Mitmenschlichkeit geprägt ist“, sagte Zollitsch. Er verwies auf die Diözesanversammlung im April (25.-28.4.2013), bei der die Teilnehmer gemeinsam nach dem Weg der Kirche in die Zukunft suchen: „Wir sind gefragt, mutig zu entscheiden, von welchen Aufgaben wir künftig Abschied nehmen, um so mehr Freiraum zu schaffen und neue Kräfte zu mobilisieren; wir müssen entscheiden, welche Schwerpunkte wir setzen und wie wir verstärkt christliches Profil zeigen können.“ Weitere Informationen zur Diözesanversammlung: www.ebfr.de/dioezesanversammlung

 

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