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AvD: Caravaning-Freiheit, aber nicht zum Nulltarif
Mit Caravan am See! ©AVD
  • 02. September 2026

AvD: Caravaning-Freiheit, aber nicht zum Nulltarif

Von Marc Kennedy / Herbert Engelmohr | AvC

Camping boomt, doch Anschaffung und Unterhalt werden teurer

Nach den Sommerferien beginnt für viele Caravaning-Fans die Zeit der Bilanz: Hat sich das eigene Wohnmobil oder der Wohnwagen gerechnet und wohin jetzt mit dem Camper bis zum nächsten Urlaub? Die Nachfrage nach Campingurlaub ist jedenfalls ungebrochen. Gemäß Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr 44,7 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen gezählt. Das entspricht 4,2 Prozent mehr als noch im Jahr 2024 und liegt deutlich 24,9 Prozent über dem Niveau von 2019, also vor der Corona-Pandemie. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) erläutert die neuesten Sicherheitsvorgaben der EU und deutet an, für wen sich die Caravan-Anschaffung noch lohnt.

Anfang der 2020er Jahre führte die Pandemie zu einem regelrechten Boom bei Reisemobilen und Caravans. Dies hatte allerdings auch eine Kehrseite, da die Nachfrage zunächst zu einer massiven Ausweitung der Produktion führte. Als sie sich anschließend normalisierte, blieben hohe Lagerbestände zurück. Diese Überkapazitäten stellen aktuell für Verbraucher durchaus eine Chance dar. Denn wer flexibel ist, kann bei Lager- und Vorjahresfahrzeugen sowie jungen Gebrauchten eventuell Rabatte verhandeln.

Neue EU-Sicherheitsvorgaben

Die Neuwagenwelt hat sich jedoch durch die EU-General-Safety-Regulation (GSR II) jüngst verändert. Seit dem 7. Juli 2026 gelten für alle neu zugelassenen Fahrzeuge zusätzliche Sicherheitsanforderungen. Dazu gehören unter anderem intelligente Geschwindigkeitsassistenz, Rückfahr-Erkennung, Müdigkeits- und Aufmerksamkeitswarnung, Spurhalte- und Notbremsassistent oder auch Parksensorik. Der AvD begrüßt grundsätzlich Maßnahmen, die zu mehr Sicherheit führen. Mehr Technik bedeutet aber auch zusätzliche Komponenten, was sich auf die Kosten für Anschaffung, Wartung und Reparaturen auswirken kann. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Vorgaben zunächst nur Neuzulassungen betreffen. Für bereits zugelassene Bestandsfahrzeuge besteht keine Nachrüstpflicht.

Aus Verbrauchersicht lohnt sich ein Neukauf aktuell vor allem dann, wenn das Fahrzeug intensiv genutzt wird und langfristig im Besitz bleiben soll. Wer nur wenige Wochen im Jahr unterwegs ist, sollte ehrlich rechnen, denn neben Kaufpreis oder Finanzierung fallen Versicherung, Steuer, Wartung, Reifen, HU, Stellplatz, Kraftstoff sowie Kosten für Camping- und Stellplätze an. Letztere sind in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich gestiegen: 2025 lagen laut Destatis die allgemeinen Campinggebühren 28,7 Prozent über dem Niveau von 2020. Wohnmobilstellplätze sind sogar um 32,2 Prozent höher als vor Corona. Der AvD empfiehlt daher, sich nicht vom vermeintlichen Schnäppchenpreis blenden zu lassen, sondern die Gesamtkosten über mehrere Jahre zu betrachten.

Wohin mit dem Camper?

Spätestens nach den Herbstferien kommt für viele das Thema Winterlagerung dazu. Gerade in Ballungsräumen sind geeignete Stand- und Unterstellplätze knapp. Regelmäßiges Parken von Kraftfahrzeugen über 7,5 Tonnen sowie Anhängern über 2 Tonnen innerhalb geschlossener Ortschaften ist nach § 12 Abs. 3a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) grundsätzlich verboten. Zudem muss auch beim kurzzeitigen Parken auf die verbleibende Fahrbahnbreite geachtet werden. Diese muss mindestens 3,05 Meter sein, sodass an engen Straßenstellen nicht einmal gehalten werden darf. Spezielle Camper-Haltestellen werden oft mit entsprechenden Verkehrszeichen angezeigt. Wer sein Fahrzeug also nicht ganzjährig nutzt oder auf dem eigenen Grundstück abstellen kann, sollte frühzeitig einen geeigneten, trockenen und sicheren Stellplatz organisieren.

Caravaning bleibt attraktiv, aber die Rechnung muss heute mehr umfassen als den Kaufpreis. Wer häufig fährt, lange hält und die laufenden Kosten einkalkuliert, kann mit dem eigenen Camper weiterhin sinnvoll unterwegs sein. Für Wenigfahrer sind Miete, ein geprüfter Gebrauchter oder ein kleinerer Campervan häufig die wirtschaftlichere Alternative.

AvD – Der Automobilclub. Seit über 125 Jahren.

Mit über 125 Jahren Geschichte ist der Automobilclub von Deutschland (AvD) einer der traditionsreichsten und zugleich vielseitigsten Mobilitätsdienstleister des Landes. Seit seiner Gründung im Jahr 1899 setzt sich der AvD für die Interessen einer mobilen Gesellschaft ein und hat die Entwicklung des Automobils von Beginn an aktiv mitgestaltet. Bereits 1904 gehörte der AvD zu den Gründern der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt und war Mitinitiator der AIACR (Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus), aus der später der Weltautomobilverband FIA hervorging. Meilensteine wie die Einführung der ersten Kfz-Versicherung ab 1918 oder die ab 1924 ausgestellte „Bestallungsurkunde für Kraftfahrer“ als Vorläufer des heutigen Führerscheins unterstreichen die Pionierrolle des Clubs.

Auch im Motorsport steht der AvD seit jeher für Kompetenz und Engagement: So organisierte der Club bereits 1926 den ersten Großen Preis von Deutschland auf der legendären AVUS-Rennstrecke in Berlin. Heute verbindet der AvD seine motorsportliche Tradition mit modernen Formaten wie der seit 2022 ausgetragenen AvD Drift-Championship, die vor allem bei jüngeren Motorsportfans wachsende Aufmerksamkeit genießt. Als seit jeher kompetentem Ratgeber für Autofahrer führt der AvD seit 2025 wieder eigene, neutrale Reifentests durch und bietet damit praxisnahe Orientierung für fundierte Kaufentscheidungen. Mit rund 1,5 Millionen Mitgliedern und Kunden bietet der Club ein umfassendes Leistungsspektrum: von der weltweiten Pannenhilfe mit eigener 24/7-Notrufzentrale über internationalen Fahrzeug- und Reiseschutz bis hin zu maßgeschneiderten Versicherungsangeboten. Damit steht der AvD für sichere, zeitgemäße und ganzheitliche Mobilität.


Ressort: Reise und Verkehr

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