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Die Unterwanderung von Umweltgruppen

Im Februar 2016 wurde bekannt, dass ein "besonders aggressiver und militanter" Tierschutzaktivist bei der Tierschutzorganisation PETA ein eingeschleuster Maulwurf eines Unternehmens war, das von PETA kritisiert wird. Viele Medien berichteten von diesem "Einzelfall". Doch die Unterwanderung von Umweltgruppen, Verbänden, sozialen Bewegungen und NGOs ist eben kein Einzelfall, wie diese kleine BUND-Dokumentation zeigt, die vermutlich nur die sichtbare Spitze des Eisbergs beleuchtet.

Die sozialen Bewegungen und die Umweltbewegung sind zunehmend mit neuen Durchsetzungsstrategien, Greenwash, Neusprech, Ökologismus-Kampagen, industriegesteuerten "Bürgerinitiativen" und geschickter Propaganda konfrontiert. Wie formulierte Dr. Sebastian Schwark von der PR-Agentur Hill & Knowlton die neue Aufgabe für Unternehmen der Energiewirtschaft? "Die Kernfrage ist […] nicht, wie Protest zu vermeiden ist, sondern wie wir Protest managen können“.  Quelle: Zitat

  • 2016: Spion und Provokateur bei PETA eingeschleust
    "Der Betreiber des Vergnügungsparks Seaworld hat zugegeben, Mitarbeiter bei Tierschutzorganisationen eingeschleust zu haben. Wie der US-Sender CNN berichtete, hat sich etwa im Jahr 2011 ein neuer Kollege bei PETA vorgestellt. Er nannte sich Thomas Jones, und präsentierte sich als ausgemachter Gegner der Seaworld-Shows mit den Meerestieren. Mehr noch: Jones habe "direkte Aktionen", "ein bisschen mehr Aggressivität" gefordert und seine Kollegen aufgerufen, Seaworld niederzubrennen. Dann flog er auf, und Seaworld musste zugeben: Jones war kein besonders militanter Tierschützer, sondern ein Maulwurf, der die PETA-Mitglieder zu Straftaten verleiten und so die Organisation schwächen sollte. Seaworld-Chef Joel Manby versprach am 25.2.2016 im Firmen-Blog, auf solche Methoden künftig zu verzichten. Er sagte allerdings nicht, wer in seinem Unternehmen die Unterwanderung genehmigt hatte. Der besagte Mitarbeiter ist laut Manby inzwischen wieder bei Seaworld tätig - nur in einer anderen Abteilung.
    Quelle: Süddeutsche

  • 2010/2011: Ein weiterer Spitzel-Fall wurde zum Jahreswechsel bekannt.
    Mark Kennedy, ein britischen Undercover-Polizist,
    hat jahrelang unter dem Alias "Mark Stone" Protest- und Umweltgruppen in Europa und auch in Deutschland infiltriert. Der eingeschleuste "Agent Provocateur" war bei Demos auch in Straftaten verwickelt.
    "In mehr als 20 Ländern soll der verdeckte Ermittler Kennedy unterwegs gewesen sein, darunter Irland, Spanien, Island, Italien - und eben Deutschland."... "Dazu passt, was die Sozialanthropologin Stine Krøijer in der dänischen Tageszeitung Information berichtet. Sie sei im Vorfeld des Klimagipfels von Kopenhagen 2009 und bei Recherchen für eine Promotion über die Planung von Protestaktionen auf Kennedy aufmerksam geworden. Der habe dort "Aktivisten aufgehetzt und provoziert" und womöglich dazu beigetragen, dass "die Entwicklung sich in eine radikalere Richtung bewegte als ohne sein Engagement", sagt Krøijer." Quelle: TAZ

  • "Die hiesigen Behörden wussten Bescheid, schlossen teils gar Verträge mit den Briten über seinen Einsatz - doch es ging offenbar einiges schief. Zwei Straftaten gehen nach Erkenntnissen deutscher Ermittler auf das Konto des Spitzels. Rund um den G-8-Gipfel in Heiligendamm 2007 soll er in eine Blockade verwickelt gewesen sein. In Berlin habe er im selben Jahr versucht, Mülltonnen anzuzünden."
    Quelle: Spiegel Online

  • 2009: Ein junger Mann mit dem Tarnnamen Simon Brenner
    infiltrierte ab November 2009 die sozialen Bewegungen in Heidelberg. "Brenner" war zuerst beim SDS (Studentengruppe der Linkspartei) aktiv, danach wechselte er dann zur Kritischen Initiative (KI), die sich mit Bildungspolitik beschäftigt. Aktiv war er aber auch bei der Klima-Aktionsgruppe, er kletterte mit den Umweltschützern von Robin Wood und nahm an vielen Demos teil. Er beteiligte sich an Öko- und Anti-Castor-Protesten sowie an antifaschistischen Demonstrationen. Er wirkte in der Szene "sehr hilfsbereit". Kurz vor seiner Enttarnung hatte er noch eine Fahrradkundgebung organisiert.

    "Aufgeflogen ist "Brenner" aus Zufall. Im August diesen Jahres war er mit alten Kumpels im Urlaub in Südfrankreich. Dort wurde auch offen darüber gesprochen, dass er Polizist ist. Mit dabei war eine Frau, die aus Heidelberg stammt und besuchsweise gelegentlich dorthin zurückkehrt. Vor zehn Tagen begegnete sie "Brenner" bei einer privaten Feier in Heidelberg und sprach ihn an. Er bat sie zwar, ihn nicht zu verraten. Sie aber berichtete ihren Freunden doch von dem Vorfall."
    Quellen: Badische Zeitung und Spiegel Online

  • 2008: Nestlé hat Attac ausgespäht,
    berichtet (nicht nur) die Badische Zeitung am 14. Juni 2008. "Eine Autorengruppe des globalisierungskritischen Netzwerks Attac in der Schweiz hat eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Bespitzelung angekündigt. Sie reagierte auf einen im Schweizer TV-Sender TSR ausgestrahlten Beitrag, wonach die Sicherheitsfirma Securitas die Gruppe im Auftrag von Nestlé über ein Jahr lang bespitzelte, während sie an dem Buch "Attac gegen das Imperium Nestlé" arbeitete." Quelle: Badische Zeitung

  • 2007: Eingeschleuste "Scheinautonome" bei den Protesten am 6. Juni 2007 gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm
    Bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm bei Rostock hat die Polizei als Schwarzer Block verkleidete Polizeibeamte in eine Demonstration geschleust. Laut Augenzeugen haben diese Polizisten umstehende Demonstranten zum Steinewerfen angestachelt und selber Steine in Richtung Polizei geworfen. Nachdem andere Demonstranten misstrauisch wurden, haben sich drei der Beamten hinter die Polizeireihen zurückgezogen, dem Vierten wurde die Vermummung heruntergezogen und er wurde als Mitglied einer Bremer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit erkannt. Quelle: Wikipedia

    "Das Lockspitzel-Wesen ist zum Geschwür im Organismus des Rechtsstaates geworden."... "Wenn das Spitzelwesen nicht gezähmt wird, wenn es unkontrolliert um sich greift und so zum Unwesen wird - dann frisst es den Rechtsstaat auf." Aus einem Kommentar von Heribert Prantl in der Süddeutschen

  • auch 2008: Unterwanderung des Atombereichs bei Wikipedia
    Getarnt als unabhängige Bürgerinitiative, verbreitet die industriegesteuerte Schein-Bürgerinitiative „Bürger für Technik“ (BfT) Lobeshymnen über die Kernkraft, schrieb die Wochenzeitung "Die Zeit" am 17.4.2008. Die Tarnorganisation der Atomlobby bearbeitet natürlich auch Wikipedia:
    Zum selben Zweck wird offenbar auch das freie Internetlexikon Wikipedia manipuliert. Mehrmals schon wurden die BfT-Mitglieder aufgefordert, missliebige Beiträge zu bearbeiten. "In der Anfangszeit war da viel ideologisch durchsetzt", sagt Vereinsvorsitzender Lindner. (Zitatende)
    Quelle: ZEIT online

  • 2007: Unterwanderung des Atombereichs bei Wikipedia
    FOCUS Online-Autor Torsten Kleinz berichtet am 15.08.2007
    "RWE: Biblis ist sicher! Einer der aktivsten Autoren im Wikipedia-Artikel über das Kernkraftwerk in Biblis ist ein Nutzer mit der IP-Adresse 153.100.131.14. Er schrieb schon im vergangenen Jahr über Radionuklide, die Reaktion der Notstrom-Dieselgeneratoren und setzt im Brustton der Überzeugung den Satz hinzu: "Das Kraftwerk Biblis ist ein Meilenstein in puncto Sicherheit." Der anonyme Autor muss es wissen: Seine IP-Adresse gehört dem Biblis-Betreiber RWE." Quelle: FOCUS online

  • 2005: Shell bespitzelt Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und Greenpeace
    Wie im Jahr 2005 durch Medienberichte bekannt wurde, hatte die Firma Shell die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und die Umweltorganisation Greenpeace über die britische Wirtschaftsdetektei Hakluyt durch den deutschen Filmemacher Manfred Schlickenrieder ausspionieren lassen. Der Spitzel erschlich sich 1996 Zugang zum Ogoni-Netzwerk der GfbV. Seine eigentliche Mission war jedoch, herauszufinden, welche Aktivitäten die Menschenrechtsorganisation zum ersten Jahrestag der Ermordung des Ogoni-Menschenrechtlers Ken Saro-Wiwa am 11. November 1996 plante. Quelle: Gesellschaft für bedrohte Völker

  • Das Unterwandern von Umweltgruppen,
    die sich mit der Wirtschaftslobby anlegen, ist in den USA noch ausgeprägter als in Deutschland. John Stauber and Sheldon Rampton berichten in Ihrem Buch "Lies, damn lies and the public relations industry": "Bud, jener Spion, der ins Jeremy Rifkin-Büro eingeschleust wurde, wurde auf einer Presse-Konferenz der ‚Beyond-Beef-Kampagne' ‚enttarnt', als ihn ein Journalist mit den Worten: ‚Arbeiten Sie immer noch für McDonald's?' begrüßte. Bud antwortete: ‚Ich weiß nicht, was Sie meinen. Sie müssen mich verwechseln.' Aber der Journalist bestand darauf. Bud war tatsächlich eingeschleust worden. Sein wirklicher Name: Seymour D. Vestermark..."

  • Die Fachautorin Claudia Peters
    berichtet von einem besonders heftigen Fall von Undercover-Agenten in England. "McDonald`s trieb diese Methode zur Kabarett-Reife. Anfang der 90er Jahre machte die Gruppe Greenpeace London (nicht zu verwechseln mit der großen Organisation Greenpeace) mit Flugblättern gegen den Fress-Konzern mobil. Zu den Treffen kamen nie mehr als 10 Leute. McDonald´s beauftragte Detektive, die Gruppe auszuspionieren. Nachweislich waren sechs Undercover-Agenten aktiv. Die sechs wussten nichts voneinander und haben sich fleißig gegenseitig bespitzelt. Zutage kam das bei einem Prozess, den Mc Donalds gegen zwei Mitglieder von Greenpeace London anstrengte. Die Firma blamierte sich dabei bis auf die Knochen".

  • Am 25.4.2004 berichtete das Politikmagazin "Monitor"
    über das falsche Spiel der Stromlobby in Sachen Windkraft. Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen schießen überall im Bundesgebiet wie Pilze aus dem Boden. Viele dieser Bürgerinitiativen kämpfen nicht allein, sondern werden laut "Monitor" vertreten von einem Rechtsanwalt namens Thomas Mock. Er taucht überall auf, wo Lobbyarbeit gegen Windkraft gefragt ist. Die Mitglieder der Initiativen sind froh, einen kompetenten und – ihrer Meinung nach – unabhängigen Experten an ihrer Seite zu haben und das zu einem, für einen Rechtsanwalt, unglaublich günstigen Honorar. Was die meisten Bürgerinitiativen, die von Thomas Mock unterstützt werden, aber wohl nicht wissen, ist, dass er laut "Monitor" die Interessen der Aluminiumindustrie vertritt. Sein Arbeitgeber ist Hydro Aluminium, der drittgrößte Aluminiumkonzern in Deutschland. Die Herstellung von Aluminium ist ein sehr energieintensiver Prozess. 40% der anfallenden Kosten sind Stromkosten. Kein Wunder also, dass dieser Industriezweig an niedrigen Strompreisen interessiert ist. Und hier kommt die Windkraft ins Spiel. Sie lässt die Strompreise zwar nur leicht ansteigen, bei einem großen Konzern wie Hydro Aluminium könnte das aber bis 10 Millionen Euro mehr in der Stromrechnung ausmachen.

  • Der kritische Journalist Erich Schmidt-Eenboom
    berichtet im November 2005 in der Tagesschau wie er bespitzelt wurde: "Ausgangspunkt war mein Buch 'Schnüffler ohne Nase', das im Juni 1993 erschien und sehr viele Informationen aus Geheimbereichen des Bundesnachrichtendienstes enthielt. Es wurden Kameras auf den Eingang des Instituts für Friedenspolitik ausgerichtet, um festzustellen, wer sich unter meinen Besuchern im Institut befindet. Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ging der stellvertretende Leiter des Observationskommandos zur Weilheimer Kriminalpolizei und gab sich als Mitarbeiter des Landeskriminalamts aus. Ein örtliches Textilhaus stellte dem vermeintlichen LKA-Mann daraufhin einen Raum zur Verfügung, in dem Überwachungstechnik untergebracht wurde. Dann wurde auf dem Parkplatz gegenüber des Instituts ein Auto abgestellt, in dessen Sonnenblende eine Kamera installiert war und die Aufnahmen in den zur Verfügung gestellten Raum sendete. Und so wurden ich und alle Besucher des Instituts über Monate observiert." (Zitatende)

  • Die Fachautorin Claudia Peter berichtet über die 'Gefahr im Altpapier':
    "In Holland schlich sich ein Spion bei mindestens 30 Organisationen aus der Umwelt- und Dritte Welt-Bewegung ein und bot sich an, ihr Altpapier zu entsorgen. Angeblich wollte er den Erlös einer Hilfsorganisation in Afrika spenden. Das ging acht Jahre lang, bis er aufflog. Die betroffenen Gruppen wunderten sich sehr, dass ihre internen Informationen plötzlich an Industrieverbände und Zeitungen gelangten. Des Rätsels Lösung: Der Spion arbeitete für eine private Sicherheitsfirma, die General Security Consultancy in Amsterdam. Die Firma sammelte das Material und verkaufte es weiter." (Zitatende) Dies ist kein Einzelfall. Auch beim oben erwähnten Fall der Überwachung des Journalisten Erich Schmidt-Eenboom wurde das Altpapier vom BND ausgewertet. Bis zum Jahr 2003 ist regelmäßig das Altpapier von Schmidt-Eenboom, das alle vier Wochen zum Abtransport auf die Straße gestellt wurde, durchsucht worden, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Um keinen Verdacht zu erregen, haben die BND-Mitarbeiter dem Bericht zufolge die Abfalltüten des Publizisten gegen „ähnlich aussehende anderen Inhalts“ eingetauscht.


Um es deutlich zu sagen:
"Noch sind Spitzel die Ausnahme. Und dennoch. Die vielen aufgelisteten Beispiele, die vermutlich nur die Spitze des Eisberges sind, zeigen, was auf die Umweltverbände, Soziale Bewegung und Demokratie zukommt, wenn Umweltschutz und unsere Aktivitäten den Gewinninteressen der Konzerne zu wider laufen. Methoden dieser Art, die in den USA schon Gang und Gäbe sind, werden verstärkt auch in Europa und Deutschland eingesetzt. Wir müssen uns damit auseinandersetzen. In allen großen Umweltkonflikten bei denen es auch um ökonomische Interessen geht, müssen wir mit Spitzeln und Spionen rechnen, dürfen über diesem Wissen aber auch nicht in eine selbstlähmende Paranoia verfallen.

http://www.bund-rvso.de/spitzel-spione-attac-ngo.html

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